0
Der Einfluss von Facebook auf Whatsapp wird spürbarer. - © picture alliance / imageBROKER
Der Einfluss von Facebook auf Whatsapp wird spürbarer. | © picture alliance / imageBROKER

Netzwelt Facebook öffnet Whatsapp ab 2019 für Werbung: Datenschutz wird aufgeweicht

Björn Vahle
10.10.2018 | Stand 23.05.2019, 16:53 Uhr

Mountain View. Facebook will mit dem 2014 übernommenen Messengerdienst Whatsapp nun auch Geld verdienen. Anfang 2019 läuft die Frist ab, die Facebook dem Unternehmen als Zeitraum gewährt hatte, in dem Whatsapp keine eigenen Gewinne erwirtschaften musste. Der Weg für Werbung in Whatsapp ist damit frei. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge plant Whatsapp Werbung zum Beispiel in Status-Meldungen, ähnlich wie bei Instagram. So sollen Nutzer insbesondere auf Firmen aufmerksam gemacht werden, die beispielsweise ihren Kundenservice bereits auf Whatsapp anbieten. Doch auch Werbeanzeigen innerhalb des Posteingangs und anderswo in der App sind demnach denkbar. Die Nutzerbasis von Whatsapp stellt für den Mutterkonzern Facebook eine potenzielle Goldgrube dar. Knapp 1,5 Milliarden Menschen weltweit sollen den Dienst nutzen. Dem Bericht zufolge verlangt Whatsapp pro Kunde und Anzeige zwischen 0,5 und 9 Cents. Facebook will Datenschutz offenbar aufweichen Getestet haben das kommende Werbe-Feature dem Bericht zufolge bereits rund 100 Unternehmen, darunter Wish und Uber. Nutzer sollen dem Whatsapp-Sprecher zufolge auch entscheiden dürfen, ob sie Nachrichten von werbenden Unternehmen erhalten dürfen. Bis spätestens Mitte 2019 sollen alle Nutzer Werbung angezeigt bekommen, schreibt das Computermagazin "Chip". Und das offenbar auf Kosten des Datenschutzes. Denn grundsätzlich sind Whatsapp-Nachrichten, auch die an Unternehmen, mit der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. So können nur die Nutzer mitlesen, die auch miteinander schreiben. Nach Aussagen von Whatsapp-Mitbegründer Brian Acton gegenüber "Forbes" will Facebook diese Verschlüsselung aufweichen und die Gespräche auf bewerbbare Produkte prüfen. Facebook sei bemüht, Unternehmen "Einblicke" in verschlüsselte Umgebungen zu ermöglichen. So könnten beispielsweise Nutzer, die sich über bestimmte Produkte unterhalten - Handys, Kaffeemaschinen, oder Bücher - sofort entsprechende Werbung angezeigt bekommen. Whatsapp hat sich dazu bisher nicht geäußert. Acton hatte Facebook vor zehn Monaten verlassen, weil er gezielte Werbung und die Aufweichung von Datenschutzstandards nicht mittragen wollte, an denen das Unternehmen damals bereits gearbeitet habe. Er verzichtete auf Aktienanteile im Wert von 850 Millionen Dollar. Im März hatte er getwittert: "Es ist Zeit. #deletefacebook" It is time. #deletefacebook — Brian Acton (@brianacton) 20. März 2018 Verbraucherschützer aus NRW beklagen Datenschutzmängel in sozialen Medien seit langem. Sie kritisierten in einer am Montag veröffentlichten Studie, dass datenschutzrelevante Voreinstellungen nicht immer datenschutzfreundlich gestaltet seien, obwohl die DSGVO das bindend vorschreibe. Die Ironie: Whatsapp schnitt in der Studie nur bei der Nutzung von Tracking-Daten für personalisierte Werbung positiv ab, weil der Dienst noch ohne Reklame auskommt. Das dürfte sich nun spätestens Mitte 2019 ändern.

realisiert durch evolver group