Im Gespräch mit der Redaktion: Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH. Foto: Sarah Jonek - © Sarah Jonek
Im Gespräch mit der Redaktion: Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH. Foto: Sarah Jonek | © Sarah Jonek

Interview Geschäftsführer der OWL GmbH: "Wir bringen die Region ins Gespräch“

Matthias Bungeroth

Herr Weber, können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag bei der OWL Marketing GmbH erinnern? Herbert Weber: Ich hatte damals mein Büro in der IHK und musste mich erst einmal mit den Örtlichkeiten vertraut machen. Es gab viele Gespräche mit meiner Sekretärin. Sie konnte mir über die Region und die handelnden Personen in OWL viel erzählen. Das war unheimlich wichtig. Was hat sich bis heute, in 25 Jahren Regionalmarketing für Ostwestfalen-Lippe, an Ihrer und der Arbeit Ihres Teams am meisten geändert? Weber: Ich war als PR-Berater hierher gekommen und habe im wesentlichen PR-Arbeit gemacht. Heute sind wir eine Regionalmanagementorganisation. Ein Unternehmen mit 50 Menschen, das viele Themen bewegt, von der Regionalentwicklung über Tourismus, Kultur, Arbeitsmarktpolitik bis hin zum Kompetenzzentrum Frau und Beruf. Nach wie vor geht es auch darum, OWL ins Gespräch zu bringen und die Standortqualität zu verbessern. Die Marketing GmbH war angetreten, das Image der Region bundesweit zu verbessern. Ist das gelungen? Weber: Ja, ich glaube, es ist gelungen, das Image bei bestimmten Zielgruppen zu verbessern, in der Politik oder der Unternehmens- und Wissenschafts-Community. Immerhin 80 Prozent der Entscheider in Deutschland kennen OWL als starken Wirtschaftsstandort und lebenswerte Region. Die Bevölkerung in Deutschland hat sicher ihr Bild über OWL nicht so sehr verändert. Das zu erreichen, wären wir mit unseren Ressourcen auch überfordert. Es gibt aber auch Attribute, die man uns nach wie vor noch nicht zuspricht: innovativ und dynamisch etwa. Daran arbeiten wir weiter. Alles fing mit Maßnahmen für die Weltausstellung 2000 in Hannover an. Auf welche Teilprojekte sind Sie noch stolz Weber: Ich bin sehr froh über das, was die Expo-Initiative ausgelöst hat. Es ist eine neue Kraft und Kooperationsmentalität in die Region gekommen. Netzwerke wie Energie Impuls oder das ZIG (Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft) haben ihren Ursprung in der Expo Initiative. Toll finde ich auch konkrete Projekte, die damals entstanden sind, wie beispielsweise der Haller Willem, die Initialzündung für den Bau des Museums Martha in Herford, das Tor 6 in Bielefeld sowie die Gartenlandschaft OWL. Die Rauminszenierungen von Gärten und Parks hat den Orten eine andere Wertigkeit gegeben: Es lohnt sich, sie zu entdecken. Die OWL GmbH ruht auf den Säulen der sie finanzierenden Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Kreise sowie der kreisfreien Stadt Bielefeld. Ist dieses Konstrukt auch heute sinnvoll? Weber: Das ist nicht nur sinnvoll, es ist einer der Erfolgsfaktoren der Gesellschaft. Die Umsetzung der Ideen wird gemeinsam gestaltet. Es ist übrigens in NRW ein alleinstehendes Konstrukt. Manche Kritiker sagen, das OWL-Regionalmarketing habe zu sehr auf millionenschwere Förderprojekte des Bundes und der EU gesetzt. Hat das der Eigenkreativität geschadet? Weber: Im Gegenteil. Unsere Arbeit ist das Ergebnis unserer Eigenkreativität. Wir haben Projekte angepackt, weil wir damit zielgerichtet an Lösungen für Herausforderungen gearbeitet haben. Projekte wie die Modellregion für Bürokratieabbau, die Förderung der Innovationsinfrastruktur oder It’s OWL. Allein die Bewerbung im Spitzenclusterwettbewerb hätten wir ohne Fördergeld des Landes nicht hinbekommen. Oder denken Sie an die Regionale. Ich halte diese Strategie für zielführend. Der OWL-Innovationspreis ist seit 1995 eine tragende Säule ihrer Arbeit. Ist er heute noch wichtig? Weber: Der Innovationspreis ist für die Unternehmen sehr attraktiv. Wir haben kontinuierlich sehr hohe Teilnehmerzahlen – jeweils rund 100. Wir können damit zeigen, welche Innovationskraft in dieser Toptechnologie-Region steckt. 2005 kam der Tourismus unter das Dach der OWL GmbH. Weber: Das war eine kluge Entscheidung. Die Themen Regionalentwicklung, Standortmarketing und Tourismusmarketing passen gut zusammen. Harte und weiche Standortfaktoren ergänzen sich. Beispielsweise bei der Fachkräftesicherung. Wenn man Menschen die Region schmackhaft machen will, gehören auch attraktive Freizeitmöglichkeiten dazu. Auch die Zwei-Markenstrategien (der Tourismus vermarktet sich unter dem Begriff Teutoburger Wald) klappt gut. Das Kürzel „OWL" hat sich als „Standortmarke" durchgesetzt, Teutoburger Wald steht für Tourismus. Den Kulturförderpreis lobt die Gesellschaft seit 2011 aus. Sollen so mehr weiche Themen ins Regionalmarketing einfließen? Weber: Einmal das, für Kultur gilt das Gleiche wie für Tourismus, und es geht auch darum, Kultur zu unterstützen. Der Kulturförderpreis wird an Unternehmen vergeben, die sich in der Kultur besonders engagieren. Was sind ihre konkreten Ziele für 2018/2019? Weber: Das TOP-Thema ist die REGIONALE. Wir gestalten das neue UrbanLand OstWestfalenLippe. Ziel ist es, dass die Menschen in OWL nach ihren individuellen Vorstellungen leben und arbeiten können – egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Es geht um Fragen wie, wie wir Wohnen, Arbeiten, Mobilität organisieren wollen und das soziale Miteinander in der Zukunft gestalten wollen. Und dies vor dem Hintergrund, das ländliche Regionen durchaus auf größeres Interesse stoßen. Allerdings muss OWL attraktiv sein, zum Beispiel hinsichtlich des Mobilitätsangebots und der Digitalisierung. Mit UrbanLand wollen wir auch eine neue Marke für die Region entwickeln.

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