Wirtschaft Zu viele Bildungsstätten in OWL

Ausbildung im Handwerk: Das Heinz-Piest-Institut empfiehlt eine stärkere Konzentration und Umstrukturierung. HBZ Lemgo und HBZ Minden künftig nicht ausgelastet

Andrea Frühauf

Bielefeld. Das Handwerk in OWL sollte „über eine stärkere Konzentration der Bildungsstätten nachdenken". Dies regt eine Studie des Heinz-Piest-Instituts (HPI) der Leibniz-Universität Hannover an. Demnach ist die Zahl der Jugendlichen, die einen Handwerksberuf erlernen könnten, in den nächsten Jahren in ganz OWL stark rückläufig – am meisten in den Kreisen Höxter und Paderborn. Die Handwerkskammer OWL setzt nun auf „eine „Konzentration in der Fläche". Die Berufsbildungsstätten müssten in den „gängigen" Ausbildungsberufen weiterhin erreichbar für Lehrlinge sein. Näheres will sie am 24. September mitteilen. An dem ursprünglich von der Handwerkskammer OWL geplanten Erweiterungsbau am Campus Handwerk (Bielefeld) hatte sich ein erbitterter Streit mit der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lemgo entzündet, die sich um den Fortbestand ihrer Bildungsstätten sorgte. Das Institut prüfte im Auftrag der Kammern landesweit die überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks hinsichtlich Auslastung, Ausstattung und Investitionen, um angesichts der demografischen Entwicklung den Bedarf bis 2028 zu ermitteln. In OWL wird die handwerkliche Aus- und Weiterbildung an 15 Standorten angeboten. "Entscheidungsprozess nun auf Augenhöhe" Für die fünf Kreishandwerkerschaften und die Kammer in OWL ziehen die Forscher folgendes Fazit: Um die Zukunftsfähigkeit der handwerklichen beruflichen Bildung hinsichtlich der Förderfähigkeit langfristig zu sichern, „sind sowohl gezielte, bedarfsorientierte Reduzierungen von – sich teilweise überlagernden – Bildungskapazitäten als auch Umstrukturierungen notwendig". Mehrere Standorte, darunter auch das HBZ Lemgo, HBZ Minden und HBZ Lübbecke, nicht aber das HBZ Brackwede, bekämen künftig Auslastungsprobleme. Ein Neubauvorhaben am Campus Handwerk zur Zusammenlegung des HBZ Lemgo und HBZ Brackwede werde begutachtet. „Wir haben jetzt Fakten. Das Gutachten ist eine sehr gute Grundlage", so Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Es gehe um die Frage, wie Ausbildungsstätten sich selbst finanziell tragen könnten. Der Entscheidungsprozess erfolge nun auf Augenhöhe. „Anders als früher ist das keine Einzelentscheidung, sondern eine im Gremium."

realisiert durch evolver group