Eine Maschine der Small Planet Airline. - © Alexandra Schaller
Eine Maschine der Small Planet Airline. | © Alexandra Schaller

Paderborn Flugverspätungen: Anwalt setzt Small Planet unter Druck

Lichtenauer Kanzlei ist inzwischen „Großkunde“ bei der Billigairline – die verspricht nun Zahlungen

Andrea Frühauf

Paderborn. Der Ärger mit Small Planet dauert an. Viele Reisende warten wegen erheblicher Flugverspätungen der Charterflug-Gesellschaft noch immer auf eine Entschädigung. Selbst der Reiseveranstalter Thomas Cook, zu dem auch Neckermann-Reisen gehört, ist unzufrieden über seinen Flugpartner. „Wir haben daher mit Small Planet diverse Maßnahmenpakete zur Stabilisierung des operativen Betriebs vereinbart", sagte eine Sprecherin der Neuen Westfälischen. Dazu gehöre auch, eine bessere Erreichbarkeit der Airline für Kunden sicherzustellen. Thomas Cook stehe in engem Kontakt mit Small Planet, um die Umsetzung der Maßnahmen zu gewährleisten. Bei dem Lichtenauer Anwalt Thorsten Fust stapeln sich inzwischen die Beschwerden von Reisenden über die Billigairline, die auch am Flughafen Paderborn-Lippstadt abhebt. Annähernd 140 Betroffene wandten sich bereits an die Kanzlei, wie Fust sagt. „90 Prozent davon kommen aus Ostwestfalen-Lippe. Und es werden täglich mehr", konstatiert der Jurist. Dutzende Klagen eingereicht Fust macht mit der Berliner Tochtergesellschaft der litauischen Small Planet Airlines kurzen Prozess, auch um einer möglichen Insolvenz zuvorzukommen. Mehr als 60 Mal hat er die Gesellschaft nach eigenen Angaben schon verklagt. „Ich setze sofort eine zweiwöchige Frist." Reagiert die Airline nicht, reiche er „sofort Klage ein". Als Small Planet vor anderthalb Jahren sogar nach einem Urteil der Zahlungsaufforderung nicht gefolgt sei, beauftragte Fust kurzerhand einen Berliner Gerichtsvollzieher. Mit Erfolg. Seit vergangener Woche wird der Anwalt bei Small Planet „quasi als Großkunde behandelt", wie Fust mit ironischem Unterton sagt. Denn da habe ihn das Unternehmen aufgefordert, wöchentlich seine Listen einzureichen. Am Freitag soll Zahltag sein. Nun wartet der Anwalt gespannt, ob morgen insgesamt 25.750 Euro als Entschädigung für 72 Reisende auf dem Konto ankommen. Weitere Briefe von Betroffenen Über mangelnde Aufträge kann sich die Lichtenauer Kanzlei nicht beklagen. Gestern erhielt sie nach eigenen Angaben weitere vier Briefe von Betroffenen. Auch gegenüber dieser Zeitung äußern Reisende ihren Ärger. Doch Fust betont: „Betroffene Flugreisende haben erst bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden Anspruch auf eine Entschädigung." Erst ab einer Wartezeit von drei Stunden und eine Sekunde gebe es ein Anrecht auf 250 Euro bis 600 Euro. Die Höhe des Betrages richtet sich nach der Entfernung des Reiseziels. Bei bis zu 1.500 Kilometern (etwa Paderborn–Mallorca) werden 250 Euro fällig. Bei bis zu 3.500 Kilometern (Paderborn–Kanaren) sind es 400 Euro und bei mehr als 3.500 Kilometern haben Reisende Anspruch auf 600 Euro.

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