Es herrscht ein Mangel an Lkw-Fahrern. - © Pixabay (Symbolbild)
Es herrscht ein Mangel an Lkw-Fahrern. | © Pixabay (Symbolbild)

Gütersloh Mangel an Lkw-Fahrern: Wie ein Großhändler gegen das Problem kämpft

Ein Gütersloher Unternehmer musste wegen Fahrermangels schon Waren auf dem Hof stehen lassen

Lena Vanessa Niewald
07.08.2018 | Stand 07.08.2018, 11:24 Uhr

Gütersloh. Logistikunternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Oder kann man schon sagen, sie stecken mitten in der Krise? An allen Positionen fehlt der Nachwuchs. Kaum jemand will heute noch Lkw-Fahrer werden. Der Haustechnik-Großhandel Karl Brand versucht mit allen Mitteln, gegen den Mangel anzukämpfen. Menschen mit 23 verschiedenen Nationalitäten arbeiten bei dem Gütersloher Unternehmen. Eine „enorme Herausforderung" für die Logistik, sagt Geschäftsführer Sebastian Brand. Team aus 23 Nationalitäten Vor allem die Sprachbarrieren der Mitarbeiter würden immer wieder zu Problemen führen – sowohl bei der Verständigung untereinander als auch bei Gesprächen mit den Kunden. Aber Sebastian Brand hat keine Wahl, wie er selbst sagt. „Wir nehmen, was wir an qualifiziertem Personal bekommen können, und das ist im Moment nicht wirklich viel." Derzeit besteht das Team aus 50 Fahrern – damit komme man erstmal aus. Doch es habe auch Zeiten gegeben, da mussten die Lkw auf dem Hof bleiben – samt Ware. „Wir konnten die Ware nicht ausliefern, weil wir nicht genug Fahrer hatten. Dann beim Kunden anrufen zu müssen, um zu sagen, dass die Ware nicht rechtzeitig geliefert werden kann – das entspricht überhaupt nicht unseren Dienstleistungsgedanken", sagt Sebastian Brand. Die meisten der Fahrer, die aktuell bei Brand angestellt sind, fahren 7,5 Tonner. Aber neue Fahrer für die großen 7,5-Tonner zu finden, sei besonders schwierig. Deswegen versucht das Gütersloher Unternehmen zukünftig noch verstärkter auf die im Straßenverkehr flexibleren Kastenwagen bzw. Sprinter zu setzen. Denn: Die Mitarbeiter des Haustechnik Großhandels fahren größtenteils Stadtfahrten – hauptsächlich in Ostwestfalen Lippe. „Mit dem Sprinter kommt man einfach leichter von A nach B. Man kommt viel besser durch enge Straßen", sagt Brand. Mit Sprachbarrieren zu kämpfen Zweimal pro Tag beliefert das Unternehmen seine Kunden. Die meisten Waren werden nachts verladen und ausgeliefert, damit der Kunde die Ware zu Schichtbeginn am Morgen vor Ort hat. Für viele Fahrer geht es deshalb schon um Mitternacht los – ein Grund für den anhaltenden Nachwuchsmangel laut Brand. Wer will schon gerne mitten in der Nacht anfangen? Das macht halt nicht jeder." Deshalb greife man eben auf die zurück, die sich dazu bereiterklären. Auch wenn das bedeute, dass man unter anderem mit Sprachbarrieren zu kämpfen habe. Während Fahrer bei anderen Logistikunternehmen erst ihre Ladungen in überfüllten und unübersichtlichen Warenzentren zusammen suchen und ihre Touren selbst planen müssen, macht es Brand Haustechnik seinen Fahrern einfacher – bewusst. „Wir wollen den Job wieder attraktiv machen und den Wohlfühlfaktor erhöhen", sagt Sebastian Brand. „Das Ansehen ist heute ein großes Problem" Wer bei Karl Brand Fahrer ist, findet in der Regel zu Beginn seiner Schicht vor seinem Lkw die Pakete für seine Tour. Die wurden von den Lagermitarbeitern zuvor zusammengesucht. Die Route ist fest – die Kunden bekannt. Der Fahrer muss die Pakete ’lediglich’ in den Lkw laden, „um eine gewisse Sensibilität für die Ware zu entwickeln." Dann kann er los. Zeitlich seien die Routen gut machbar, sagt Sebastian Brand. Es könne nur zu Verzögerungen kommen, wenn die Fahrer bei Kunden beispielsweise warten müssten oder sie im Stau stehen würden. „In der Regel klappt das aber alles." Das Logistikunternehmen ist bemüht, das Image der Lkw-Fahrer in ein anderes, ein besseres Licht zu rücken. Der Beruf soll wieder attraktiver erscheinen. „Das Ansehen ist heute ein großes Problem", sagt Brand. „Früher war es etwas Besonderes, Lkw-Fahrer zu sein. Heute ist es keine Auszeichnung mehr. Dabei kann ich nur immer wieder sagen, unsere Fahrer sind unser Aushängeschild und das bedeutet uns sehr viel."

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