Platz mit Aussicht: Der Unternehmer Udo Hardieck steht auf der Tribüne des Gerry-Weber-Stadions. - © Frank Jasper
Platz mit Aussicht: Der Unternehmer Udo Hardieck steht auf der Tribüne des Gerry-Weber-Stadions. | © Frank Jasper

Halle Unternehmer mit großem Herz - ein Nachruf auf Udo Hardieck

Trauer: Der Mitbegründer der Gerry Weber International AG hat mit 74 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren

Nicole Donath

Halle. Es ist schon ein paar Jahre her, dass Udo Hardieck seiner Bewunderung für José Carreras Ausdruck verlieh. Damals bedauerte er, dass die zwei Begegnungen, die er mit dem berühmten Opernsänger bis dahin hatte, nur so kurz gewesen seien. Gerne hätte er den Ausnahmekünstler, der seine Krebserkrankung mit „solch außergewöhnlicher Kraft" besiegt hatte, noch ein weiteres Mal getroffen – doch dazu kam es nicht mehr. Und zu dem Zeitpunkt ahnte Udo Hardieck auch noch nichts davon, dass ihn die heimtückische Krankheit eines Tages selber überfallen würde. Sie kam ja auch ganz plötzlich und ohne Vorwarnung, das war vor etwa einem Jahr. Seitdem stemmte sich der 74-Jährige mit aller Kraft dagegen und versuchte mit der Unterstützung seiner Familie, Ärzten und Freunden, wieder gesund zu werden. Bis Mittwoch. Mittwoch ging dieser Kampf verloren und die Trauer ist groß. Udo Hardieck, der am 15. April 1944 in Halle geboren wurde, war ein sehr besonderer Geschäftsmann. So hatte er ganz genaue Vorstellungen davon, was er erreichen wollte. Bei der Umsetzung dieser Ziele legte er äußerst hohe Maßstäbe an; sowohl an diejenigen, mit denen er zusammenarbeitete, als auch an sich selbst. Aber dieser Weg, und eben das machte ihn so besonders, war immer durch große Sachlichkeit geprägt. Durch seine ausgleichende Art. Und durch seine freundliche Zurückhaltung und seine Verlässlichkeit. Sein Zuhause, 
seine Heimat 
war Halle Nach dem Abitur leistete Udo Hardieck zunächst seinen Wehrdienst, ehe er ein Studium als Bekleidungs-Ingenieur in Mönchengladbach abschloss – mit Diplom. Dann folgten eine kaufmännische Lehre und eine Anstellung bei Brax, um sich dann mit seinem Partner Gerhard Weber selbstständig zu machen und die Hatex G. Weber KG zu gründen. Das war 1973. Zu dem Zeitpunkt war Udo Hardieck bereits drei Jahre mit seiner Frau Elke verheiratet. Gemeinsam bekamen die beiden zwei Kinder, Nina und Alexander, und fortan war es die besondere Herausforderung für den Familienmenschen Udo Hardieck, seine Liebsten und die Karriere unter einen Hut zu bringen. Einfach war das ganz sicher nicht, denn das Modeunternehmen der beiden Geschäftspartner expandierte fortlaufend. 1993 wurde außerdem das Gerry Weber Stadion, dessen Technischer Direktor er war, gebaut. Die Arbeitstage waren lang, manchmal 13, 14 Stunden, und dann gab es eben verschiedene private Ereignisse, bei denen er einfach nicht dabei sein konnte. Auch noch viele Jahre später bedauerte Udo Hardieck zum Beispiel, dass er aufgrund eines Termins in Fernost die Abiturfeier seiner Tochter verpasst hatte. Im Gegenzug war es für ihn selbstverständlich, nach einer anstrengenden Woche am Sonntagmorgen um 5 Uhr aufzustehen, um mit ihr samt Pferd und Anhänger zum Reitturnier zu fahren. Bedingungslose Liebe, die den Zusammenhalt untereinander prägte. Werte, die die Familie vorlebt. Im Modekonzern, der 1986 den Markennamen Gerry Weber erhielt und 1989 an die Börse ging, war Udo Hardieck der Experte für Produktion, IT und Logistik. Während Gerhard Weber den kreativen Part übernommen hatte, waren die Schränke in Udo Hardiecks Büro voller Pläne und technischer Zeichnungen. Er kannte jeden Bauabschnitt von allen Niederlassungen und lernte durch die Betreuung der Produktionsstätten auch viel von der Welt kennen. Seine Heimat, sein Zuhause war dennoch Halle. Er hätte es sich nicht einmal vorstellen können, woanders zu wohnen. Als er die finanziellen Möglichkeiten hatte, unterstützte er die Menschen, die Unterstützung gebrauchen konnten. Aber er musste nicht erst Teil des Lions Clubs werden, um seine Hilfsbereitschaft unter Beweis zu stellen: In den 1970er Jahren ließ er mit Gerhard Weber die Tennishalle am Gausekampweg bauen, als eines Tages ein Vertreter der Stadtwerke kam und anmahnte, dass die Gasleitungen unter der Decke unverzüglich gelb zu streichen seien. Von den Anwesenden traute sich niemand. Natürlich hätte Udo Hardieck auch einfach einen Maler beauftragen können. Aber er fackelte nicht lange, nahm sich einen Eimer mit Farbe, kletterte auf die Leiter und erledigte das selber. Vielleicht scheint das nur eine Begebenheit am Rande zu sein. Und doch steht sie dafür, wie Udo Hardieck war, dessen Ehefrau und Kinder mit ihren Familien traurig zurückbleiben.

realisiert durch evolver group