Wildschweine sind gefährdet: In weiten Teilen Osteuropas ist in Wildschweinbeständen die afrikanische Schweinepest ausgebrochen. - © picture alliance / Reiner Bernhardt
Wildschweine sind gefährdet: In weiten Teilen Osteuropas ist in Wildschweinbeständen die afrikanische Schweinepest ausgebrochen. | © picture alliance / Reiner Bernhardt

Düsseldorf/Bielefeld Die Schweinepest rückt immer näher an NRW heran

Appell: Reisende sollen Fleischreste nicht achtlos entsorgen, damit Tiere sich nicht infizieren

Carolin Nieder-Entgelmeier

Düsseldorf/Bielefeld. Mit Sorge beobachten Landwirte, Jäger, Veterinärämter und die fleischverarbeitenden Betriebe in NRW die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest in Osteuropa. Ein Ausbruch der Seuche in Deutschland hätte katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Einschränkungen für die Bevölkerung zur Folge. Besonders groß ist die Angst vor einer Einschleppung der Viruserkrankung während der Sommerferien und der Fußball-WM in Russland. In fleischhaltigen Lebensmitteln kann der Erreger mit dem Reiseverkehr große Strecken aus Osteuropa zurücklegen, über achtlos in der Natur entsorgte Reste an Wildschweine gelangen und so die Tierseuche auslösen. Deshalb der Appell an alle Reisende: Lebensmittelreste nur in verschlossene Mülleimer entsorgen und keine Fleischprodukte aus Osteuropa nach Deutschland bringen. Unregistrierte Schweinebestände sorgen für Probleme In Tschechien und Ungarn sind bereits mehrere Ausbrüche der afrikanischen Schweinepest auf infizierte Lebensmittel zurückzuführen. "In vielen osteuropäischen Ländern werden Schweine anders als in Deutschland vor allem in kleinen Betrieben und oftmals in Hinterhöfen gehalten. Nicht alle Bestände sind angemeldet und werden deshalb auch nicht regelmäßig überprüft, was dazu führt, dass infizierte Tiere geschlachtet und das Fleisch verkauft wird", erklärt der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Bezirksverbands OWL, Hubertus Beringmeier. Gelangt das für Menschen ungefährliche, infizierte Fleisch in die Natur, fressen es Wildschweine, die sich infizieren und das Virus auf andere Schweine übertragen. "Schon geringe Mengen wie ein weggeworfenes Wurstbrot können einen Seuchenzug mit verheerenden Folgen auslösen", erklärt Veterinärin Karen Schemken vom Landesumweltamt in NRW. Menschen verbreiten den Virus indirekt Aus diesem Grund sind nicht nur infizierte Wildschweine für die Ausbreitung der hochansteckenden und oftmals tödlichen Tierseuche verantwortlich, sondern vor allem Menschen, ergänzt der Sprecher des Landesjagdverbands NRW, Andreas Schneider. Laut Friedrich-Loeffler-Institut tragen Wildschweine die afrikanische Schweinepest pro Jahr nur rund 20 Kilometer weit. 2017 und 2018 gab es aber bereits mehrere Ausbrüche in Polen, dem Baltikum, Moldawien, Rumänien, Tschechien, Weißrussland, Russland, der Ukraine, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. In Polen breitet sich die afrikanische Schweinepest nach Angaben von Beringmeier derzeit unkontrolliert aus. "Die Situation ist aus dem Ruder gelaufen und besorgt uns sehr, weil es ständig neue Ausbrüche gibt und wir davon ausgehen, dass das Problem noch jahrelang bestehen wird." Die Veterinärämter in OWL schätzen das Risiko der Einschleppung der Tierseuche in heimische Wildschweinbestände als überdurchschnittlich hoch ein, sagt der Bielefelder Amtsveterinär Hans-Helmut Jostmeyer. "In der Nähe der Autobahnen leben sehr viele Wildschweine, an einigen Stellen gibt es sogar unmittelbar neben der Fahrbahn Rückzugsgebiete, in denen Wildschweine nicht bejagt werden können." Sobald Wildschweine in Deutschland infiziert sind, steigt die Gefahr einer Übertragung der Seuche auf Hausschweinbestände. Die Folge: "Werden Hausschweine infiziert, wird der gesamte Bestand gekeult und Sperrzonen eingerichtet", erklärt Beringmeier. "Zudem würde bei der exportorientierten deutschen Fleischwirtschaft der Handel mit Drittländern außerhalb der EU komplett zum Erliegen kommen." Auch der Handel innerhalb der EU und innerhalb Deutschlands würde extrem erschwert. Um im Falle eines Ausbruchs der Seuche in NRW bestmöglich vorbereitet zu sein, laufen bereits Krisenübungen. Die Verringerung des Wildschweinbestands ist laut NRW-Landwirtschaftsministerium allerdings eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen gegen die Seuche. Die Jäger in NRW haben deshalb im Jagdjahr 2017/18 mehr als 60.000 Wildschweine erlegt und damit 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

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