Mitreißend: Jana Reiter kämpft gegen den Klimawandel und begeistert ihr Publikum. - © Barbara Franke
Mitreißend: Jana Reiter kämpft gegen den Klimawandel und begeistert ihr Publikum. | © Barbara Franke

Bielefeld 12-jähriges Mädchen stiehlt Polit- und Wirtschaftsprominenz die Show

Die Rednerliste der Katag-Cheftagung ist mit dem Chef der Deutschen Bank und dem Ministerpräsidenten hochkarätig besetzt - trotzdem sind alle Augen auf Jana Reiter gerichtet

Stefan Schelp

Bielefeld. Der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist da. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ebenso. Auch Titus Dittmann, Urvater der Skateboard-Szene in Deutschland, ist zur Stelle. Eine illustre Rednerliste ist das zur Katag-Cheftagung 2018. Aber für Begeisterungsstürme sorgt nicht der Politiker, nicht der Banker, nicht einmal der Skater. Sondern eine 12-Jährige. Jana Reiter entert die Bühne, reißt den Saal mit, als hätte sie nie etwas anderes getan, als vor mehr als 100 Unternehmern zu sprechen. Grandios. Botschafterin für Klimagerechtigkeit ist das Energiebündel, sie wirbt für die Initiative „Plant for the Planet". Überall auf der Welt will die Initiative Bäume pflanzen, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Jana Reiter ist mit Leib und Seele dabei. Die Modeunternehmer sollen helfen. „Geben Sie Ihre Visitenkarte ab, schreiben Sie drauf, wie viele Bäume Sie spenden wollen", ruft sie. Der Gastgeber, der Modedienstleister Katag AG, hat sich verpflichtet, 20.000 Bäume pflanzen zu lassen, 1.000 sind bereits gepflanzt. Schülerin steckt viele Visitenkarten ein Wer noch mehr als spenden will, kann kooperieren. T-Shirts, Polos und Kapuzenpullis gibt es. „Ordern Sie die Produktpakete", wirbt Jana Reiter. „20 Prozent des Verkaufs gehen direkt in Bäume." Viele Hände muss die Düsseldorfer Schülerin danach schütteln, eine ganze Reihe Visitenkarten nimmt sie entgegen. Und mit etwas Glück finden die Kunden die Baum-Shirts noch vor Weihnachten in den Geschäften. Noch bevor die Cheftagung sich dem Ende zuneigt, sind Spenden in Höhe von 17.830 Euro eingegangen. Ein Riesenerfolg. Für Christian Sewing, in Bünde geborener Chef der Deutschen Bank, ist der Auftrag bei der Katag AG quasi ein Heimspiel. Seine Botschaft ist nicht ganz so griffig wie „Bäume gegen den Klimawandel". Vertrauen zurückgewinnen ist die Mission des Bankers. Sewing versucht es mit einem Scherz. Er habe eigentlich Sportredakteur werden wollen. "Mach erst was Ordentliches" Aber sein Vater entschied: „Mach erst was Ordentliches." Kommentar Sewing: „Damals galt Bank eben noch als was Ordentliches." Dafür gibt es die erhofften Lacher und das Feld ist bereitet für das etwas schwierigere Geschäft. Die Bilanzsumme habe man reduziert, die Liquiditätsreserve deutlich erhöht. Der Fokus liegt auf dem Privat- und Firmenkunden-Sektor, wichtigste Märkte sind Deutschland und Europa. „Dieses Land braucht eine große, internationale Bank. Die Deutsche Bank ist total stabil." Als Titus Dittmann, der Urvater der deutschen Skater-Szene – übrigens ohne Skateboard – die Bühne betritt, ist Sewing schon wieder auf dem Weg nach Frankfurt. Ende der 70er Jahre, als der Gesetzgeber gerade diskutierte, das Skateboardfahren in Deutschland flächendeckend zu verbieten, beschloss Dittmann, seine Lehrer-Karriere an den Nagel zu hängen und lieber Skateboard-Unternehmer zu werden. "Du brauchst ein brennendes Herz" „Du musst deinem Bauchgefühl folgen. Und du brauchst ein brennendes Herz", sagt er den Modeunternehmern, die angesichts der Situation im Modehandel wohl auch schlaflose Nächte hinter sich haben. „Das Kerngeschäft ist: Menschen glücklich zu machen", sagt Dittmann. „Der Markt besteht aus Menschen, und Menschen bleiben immer Menschen." Menschen sind Wähler, würde Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident, ergänzen. Er spricht über Unsicherheiten rund um die vermeintliche Insel der Seligen. Und natürlich über das für die Modehändler so wichtige Thema Sonntagsöffnung. „Der Wettbewerb im Handel ist längst schon nicht mehr klein gegen groß, sondern stationär gegen online." Daher müsse der Handel die Möglichkeit bekommen, auch am stärksten „Online-Shopping-Tag", dem Sonntag, dem Internet etwas entgegenzusetzen. Keine Überraschung: Dafür bekommt der CDU-Politiker Applaus.

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