Spitzencluster-Geschäftsführer: "Maschinen können fühlen"

Bielefeld. Günter Korder zieht eine positive Bilanz über die Arbeit des Spitzenclusters It's OWL und sieht die Digitalisierung auch als Mittel gegen fehlende Fachkräfte Herr Korder, das Spitzencluster It's OWL hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Welche konkreten Ergebnisse wurden denn bei Projekten erarbeitet? Günter Korder: Moderne Sensortechnologie ermöglicht es beispielsweise, dass Maschinen auch fühlen können. Die Rietberger Firma WP Kemper setzt bei ihren Backmaschinen einen neuen Knethaken ein, der fühlt, ob der Teig die ausreichende Qualität hat. Die Bedienung der Maschine wird damit vereinfacht. Was bedeutet die Digitalisierung für die Arbeitsplätze - können damit auch fehlende Fachkräfte ersetzt werden? Korder: WP Kemper kann dank der neuen Technologie neue Märkte in Südamerika und Asien bedienen, wo es kaum ausgebildete Bäcker gibt. Mit der Digitalisierungstechnologie kann man der Alterung der Gesellschaft und der damit sinkende Beschäftigtenzahl etwas entgegensetzen. Auch behinderte Menschen oder gering Qualifizierte können durch Assistenzsysteme in den normalen Arbeitsmarkt integriert werden. Sie werden durch neue Technologien in der Arbeitswelt nicht benachteiligt. An der Uni Bielefeld gibt es ein Projekt, wo Menschen durch Lichtpunkte bei der Arbeit geführt werden. Sie sehen, was sie zu tun haben. Das geht auch ohne deutsche Sprachkenntnisse. Ein erklärtes Ziel war es, 8.000 neue Stellen zu schaffen. Wurde dies erreicht? Korder: Ja, es sind gut 8.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden. Es ist eine ganze Reihe von neuen Unternehmen entstanden - darunter 31 Start-ups, die primär aus dem Hochschulbereich kommen. Und was macht Industrie 4.0, sprich die Digitalisierung, mit der vorhandenen Belegschaft? Korder: Die Zusammenarbeit mit Betriebsräten, IG Metall und Wissenschaftlern bei Pilotprojekten hat dazu geführt, dass Ängste vor Arbeitsplatzabbau und einer Benachteiligung durch Digitalisierung deutlich abgebaut werden konnten. Wie fällt Ihre Bilanz nach der fünfjährigen Förderung durch den Bund aus? Korder: Die 40 Millionen Euro vom Bund waren eine Art Katalysator. Alle 47 Projekte wurden erfolgreich umgesetzt. Es ist uns mit unseren Transfairprojekten gelungen, auch die kleineren und kleinsten Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern bei den neuen Technologien unter dem Stichwort Industrie 4.0 mitzunehmen. Dabei wurde die Kooperation von Hochschulen und Unternehmen weiter ausgebaut. Und es ist sehr viel Vertrauen entstanden. Es gibt keine Verlierer. Selbst international nimmt man die unglaublich starke Region OWL mit ihren vielen Hidden Champions und ihren lediglich 2,2 Millionen Einwohnern mittlerweile wahr. Es gibt sogar Anfragen aus Brüssel, wie wir das organisiert bekommen. Und welche Ziele haben Sie für die Zukunft? Korder: Das Spitzencluster erhält für die nächsten fünf Jahre bis 2022 nun Fördergelder vom Land. NRW zahlt 53 Millionen Euro - davon fließen 50 Millionen in neue Projekte und 3 Millionen Euro an das Management des Spitzenclusters. Und die Industrie in OWL gibt auch diesmal denselben Betrag dazu. Es geht jetzt um die zusätzlichen Fragen, wie mache ich aus der Digitalisierung Geschäftsmodelle und wie gehe ich mit der Plattform-Ökonomie um? Nach fünf Jahren wollen wir so weit sein, dass es möglichst alleine weiterläuft. Es macht viel Spaß, weil alle mitmachen.

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