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Ein Tesla an einer Ladesäule. Das Elektroauto ist in Norwegen sehr beliebt. - © picture alliance/ZUMA Press
Ein Tesla an einer Ladesäule. Das Elektroauto ist in Norwegen sehr beliebt. | © picture alliance/ZUMA Press

Wirtschaft Nachfrage nach E-Autos steigt, kann aber nicht bedient werden

Die Bundesregierung sieht die Zukunft in umweltfreundlicher Technik. Doch Kunden müssen fast ein Jahr warten. Selbst eine Probefahrt gibt es nicht sofort

Lena Vanessa Niewald
27.03.2018 | Stand 27.03.2018, 14:20 Uhr
Tessa Rinkes

Bielefeld. Die Nachfrage nach Elektroautos kommt endlich in Fahrt – so stark, dass Kunden aktuell bis zu ein Jahr auf ein neues Elektromodell warten müssen. Besonders seit dem Skandal um Diesel-Abgase und der Debatte um Fahrverbote für Diesel-Autos wächst das Interesse. Bis 2020 möchte die Bundesregierung knapp eine Million E-Autos auf die Straßen bringen. Derzeit sind in NRW aber nur knapp 8.400 unterwegs. Denn: Die Suche nach einem bezahlbaren Stromer wird für Kunden momentan zur Geduldsprobe. Die meisten E-Autos werden nach Norwegen geliefert Nach der verpatzten Markteinführung kann das Opel-Elektromodell Ampera zwar wieder bestellt werden; doch wann die Autos ausgeliefert werden, kann Opel derzeit nicht sagen. Man sei abhängig von dem Zulieferer des Akkus aus Asien, heißt es. „Zudem ist das Kontingent des Ampera für den deutschen Markt klein", sagt Verkaufsberater Falko Langenscheidt vom Herforder Autohaus Buschmann. Die meisten Autos würden nach Norwegen exportiert, weil dort die Infrastruktur deutlich ausgereifter sei. „In Norwegen wird die Elektromobilität vom Staat subventioniert, und es gibt bereits an vielen Straßen Stromanschlüsse", bestätigt Ursin Wieneke, Experte für Elektromobilität aus Detmold. Lieferprobleme und Wartezeiten auch bei anderen Herstellern Auch Volkswagen hat Lieferprobleme. Dem Bielefelder Autohaus Steinböhmer sind die Vorführwagen des E-Golfs ausgegangen. Aufgrund der hohen Nachfrage seien die Probeautos verkauft worden, sagt Verkaufsberater Daniel Hanné. Probewagen werden jetzt aus Wolfsburg angefordert – inklusive langer Wartezeit. „Mit Glück wird ein neuer e-Golf in diesem Jahr ausgeliefert", sagt Hanné. Derzeit werde die Produktion des Stromers in Dresden verdoppelt, inwieweit sich das auf die Lieferzeit auswirke, könne man noch nicht abschätzen. Bei Smart, Nissan und Kia müssen Kunden knapp ein halbes Jahr warten – bei BMW nur knapp drei Monate. Renault schneidet am besten ab: „Vom Renault Zoe wurden mehr E-Autos als benötigt produziert, fertige Modelle stehen bereit", sagt Tim Wehmeier, Verkaufsleiter bei Otto Bitter in Bielefeld. Die insgesamt langen Wartezeiten erklärt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer mit einer Fehlkalkulation der Branche. „Die Zukunft wurde mit Diesel- und Hybridautos geplant. Dass der Diesel-Skandal der Autobranche einen Strich durch die Rechnung macht, damit hat niemand gerechnet", sagt Dudenhöffer. Ziel der Bundesregierung "unrealistisch" Autobauer seien für den kurzfristigen Anstieg der Nachfrage nicht gewappnet. Die Lage werde sich aber in den kommenden Jahren entspannen. „Die Nachfrage wird weiter steigen, aber das Angebot wird sich auch ausweiten." Das Ziel der Bundesregierung hält Dudenhöffer allerdings für „komplett unrealistisch". Eine Million E-Autos würden bis 2020 nicht auf den Straßen fahren. Er rechne damit, dass erst in zwei Jahren viele Autobauer in der Lage seien, mit ihrer Produktion die Nachfrage zu decken. Rund ein Jahr benötigen Hersteller nach Angaben des Detmolder Experten Wieneke, um die Produktion an E-Autos zu erhöhen. „Um eine Produktionsstraße zu planen und zu erstellen, bedarf es Zeit."

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