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Der boomende Online-Handel macht Lieferdiensten das Leben schwer. - © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Der boomende Online-Handel macht Lieferdiensten das Leben schwer. | © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Wirtschaft Paket-Rekord zu Weihnachten: Erster Lieferdienst kündigt Obergrenzen an

Online-Versandhandel könnte zu 15 Millionen Paketlieferungen am Tag in Deutschland führen

Björn Vahle
01.12.2017 | Stand 01.12.2017, 10:19 Uhr

Bielefeld/Düsseldorf. Der Online-Versandhandel in Deutschland boomt. 52,7 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2016 für Online-Einkäufe aus (Quelle: Bundesverband E-Commerce und Versandhandel). Das stellt die Paketdienstleister von DHL bis Hermes vor extreme Probleme - besonders im Weihnachtsgeschäft. Erste Anbieter ziehen jetzt die Reißleine. Die Versandbranche rechnet in dieser Zeit mit bis zu 15 Millionen Paketlieferungen pro Tag, manche Dienste beziffern das Mehraufkommen am Tag mit bis zu 50 Prozent. Der Paketdienst Hermes hat deshalb angekündigt, im Dezember Obergrenzen für die Auslieferung von Paketen von Online-Händlern einzuführen. Diese würden individuell mit den Händlern abgestimmt. Engpässe gab es bei Hermes und anderen Anbietern bereits in den Herbstferien. An Spitzentagen rechnet der Dienst nun mit zwei Millionen Lieferungen pro Tag, 20 Prozent mehr als normal - private Paketsendungen nicht einmal eingerechnet. Es könnte das "mengenstärkste Weihnachtsgeschäft der Unternehmensgeschichte" werden, heißt es bei Hermes. Was über die Obergrenzen hinaus geht, soll liegen bleiben. Lieferausfälle nicht auszuschließen Zwei zusätzliche Paketzentren in Mainz und Berlin sollen die Engpässe abfedern, 3.500 zusätzliche Lieferwagen sind geordert. Knapp 6.000 zusätzliche Arbeitskräfte wurden engagiert, laut Hermes über "befristete Arbeitsverträge oder tarifgebundene Zeitarbeitsfirmen". Trotzdem könne nicht ausgeschlossen, das nicht alle Paketlieferungen zugestellt werden, heißt es in der Firmenmitteilung. "Wenn ein Händler am Tag 50.000 Sendungen ankündigt, dann aber 100.000 übergibt, dann haben wir ein Problem", erklärt Hermes-Sprecher Ingo Bertram. Die Händler seien "vor mehreren Wochen informiert" worden, es treffe die Auftraggeber als nicht "aus dem Blauen heraus". OWL: DHL erwartet Allzeithoch an Paketen Ähnlich äußern sich GLS und DPD. Bei letzterem soll je nach Aufkommen entschieden werden, was machbar ist und was nicht. Auch die Post-Tochterfirma DHL hat kräftig Saisonpersonal eingestellt, bundesweit knapp 20.000 zusätzliche Mitarbeiter. Auf OWL entfallen davon 200, wie Sprecher Rainer Ernzer auf Anfrage mitteilt. In der Region rechnet DHL an Spitzentagen mit 220.000 Paketen, die pro Tag bearbeitet werden müssen - ein plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und, mal wieder, der höchste Wert aller Zeiten. "Wir jagen seit Jahren im Grunde einen Rekord nach dem anderen und es ist kein Ende in Sicht", sagt Ernzer zur Lage. Heiligabend am Sonntag hilft Eine Mengenobergrenze ist beim Marktführer allerdings bisher nicht geplant, sagte eine Unternehmenssprecherin der Welt. DHL rechne aber nicht mit Verzögerungen oder Lieferausfällen. "Dafür stellen wir ja zusätzlich ein", sagt Ernzer. In diesem Jahr helfe zusätzlich, dass Weihnachten auf einen Sonntag falle. "Wir haben also die ganze Woche davor Zeit, zu liefern. Ein Heiligabend auf einem Dienstag, wenn sich Lieferungen vom Wochenende angesammelt hätten, sei deutlich schwer zu bewältigen. Alle Paketdienste empfehlen, frühzeitig vor Weihnachten zu bestellen. Dann sei sichergestellt, das Geschenke pünktlich ankämen. Alternativ könnten Kunden bei der Bestellung bereits eine Abholstation angeben oder einen Ablageort zuhause definieren, um die Lieferungen zu beschleunigen bzw. zu entzerren.

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