Fahrwerkssystem für E-Autos bei Benteler: Oliver Lang, Marco Kollmeier und Entwicklungschef Hubertus Prinzler von Benteler. - © Marc Köppelmann
Fahrwerkssystem für E-Autos bei Benteler: Oliver Lang, Marco Kollmeier und Entwicklungschef Hubertus Prinzler von Benteler. | © Marc Köppelmann

Wirtschaft Autozulieferer Benteler erwartet Wachstum mit Elektroautos

Serienfertigung von innovativem Fahrwerkssystem soll in zwei Jahren starten

Andrea Frühauf

Paderborn. Der Autozulieferer Benteler sieht große Wachstumschancen im Bereich Elektromobilität und will in zwei Jahren die Serienfertigung seines neuen in Paderborn entwickelten Fahrwerksystems („Electric Drive System") starten, das bei der Automesse in Shanghai präsentiert wurde. Bis 2025 will der Autozulieferer in China, wo er bereits elf Werke hat, bis zu 30 Prozent seines weltweiten Umsatzes erwirtschaften. Dafür sind drei weitere Werke in China bereits im Aufbau. In Shanghai gebe es keine Diesel-, sondern eine Mobilitätsdiskussion, bei der es um Luft zum Atmen gehe. Die Verluste beim Umstieg der Autoindustrie vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb würden künftig mehr als ausgeglichen. „Der Anteil des Wertes eines Autos in unserem Umfeld (mit Benteler-Lieferanten) wird von bisher 20 auf 40 Prozent steigen", sagte Oliver Lang, Mitglied der Geschäftsführung und Chief Technology Officer (CTO) bei Benteler Automotive. Das Unternehmen profitiere von seinem Know-how. Immer, wenn das Auto steht, wird es geladen Großstädten drohten vermehrt Fahrverbote. London wolle nur noch Stromer in die City lassen. „Dann ist die Alternative zum Elektroauto nur noch der Fußweg", sagte Marco Kollmeier, Leiter der Geschäftssparte Elektromobilität. Die Leistung von Batterien wird sich nach seinen Angaben bis 2030 fast verdreifachen. Das schnelle Laden für 200 bis 250 Kilometer Reichweite werde sich auf fünf bis acht Minuten verkürzen. „Dann kann nach zwei Stunden die nächste Tankstelle angefahren werden." Auch dadurch werde die „Reichweitennervosität" aufgelöst. Zudem würden in den nächsten fünf Jahren induktive Ladeanlagen in Parkhäusern in Fußböden installiert, verhieß Kollmeier. Im neuen Fahrwerksystem hat Benteler schon einen Platz für die künftige induktive Ladestation vorgesehen. „Immer wenn das Auto steht, wird es geladen."Mit der Produktion großer Stückzahlen soll der Batterie-Preis pro Kilowattstunde (sie reicht für 12 bis 15 Kilometer) von derzeit gut 200 auf weit unter 100 Euro sinken. Mit Bentelers neuem modularem Fahrwerkssystem für E-Autos könnten Kunden ihr Auto selbst figurieren (etwa Pkw-Länge, Batteriestärke, Motorleistung). Kollmeier: „Über den Radstand können wir die Batteriekapazität steuern." Die Fahrwerksinnovation beinhaltet Module und Komponenten wie Batteriebaukasten, elektrifizierte Vorder-, Hinterachsen, Crash-Funktionen, Batteriespeichersystem mit Thermomanagement und Motorintegration ( Motor und Elektronik werden zugekauft). Kunden müssten nicht das ganze Fahrwerksystem kaufen, sondern könnten auch nur die Achsen nehmen.

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