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Will um jede Spielhalle kämpfen: Unternehmensgründer Paul Gauselmann vor einem alten Spielautomaten. FOTO:SPREEN-LEDEBUR - © Joern Spreen-Ledebur
Will um jede Spielhalle kämpfen: Unternehmensgründer Paul Gauselmann vor einem alten Spielautomaten. FOTO:SPREEN-LEDEBUR | © Joern Spreen-Ledebur

Wirtschaft Viele Spielhallen in NRW vor dem Aus

Glücksspielgesetz: Gauselmann erwartet Stellenabbau - rund 70 Prozent der Spielstätten sollen zum Dezember aufhören

Andrea Frühauf
26.07.2017 | Stand 26.07.2017, 12:17 Uhr

Düsseldorf/Espelkamp. Die Spielhallen in NRW stehen mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages vor einer Massenschließung. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums und der Automatenbetreiber müssen in NRW rund 70 Prozent aller Automatenspielstätten bis zum 1. Dezember geschlossen werden. „Wenn die Vorgaben des (neuen) Glücksspielstaatsvertrages restriktiv umgesetzt werden, müssen zum 1. Dezember 70 Prozent der 4.200 Spielhallen in NRW schließen", zitierte die Rheinische Post den Geschäftsführer des Deutschen Automaten-Verbandes, Michael Eulgem. Nach den neuen gesetzlichen Regelungen müssen Spielhallen in NRW mindestens 350 Meter Abstand voneinander haben. Außerdem dürfen sie sich nicht in der Nähe von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche befinden. Das Gesetz hat den Jugend- und Spielerschutz zum Ziel und will der Ausbreitung von unerlaubten Glücksspielen in Schwarzmärkten entgegenwirken. Die Versuche der Branche, die Rechtslage noch zu ihren Gunsten zu ändern, sind nach jüngsten Urteilen des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (AZ: 1 BvR 1314/12) und des Oberverwaltungsgerichts in Münster (AZ: 4 B 307/17) gescheitert. Der Verband befürchtet mit den Schließungen den Verlust von 12.000 bis 15.000 Arbeitsplätzen bei Spielhallenpersonal und Geräteherstellern in NRW. "Kahlschlag trifft uns auch als Lieferant von Spielgeräten" Der Spielhallenbetreiber Gauselmann aus Espelkamp spricht von einem „Kahlschlag", der ihn auch als Lieferant von Spielgeräten treffen würde. „Gut 50 Prozent aller in NRW aufgestellten Spielgeräte stammen aus unserer Produktion", erklärte der Unternehmer Paul Gauselmann. Allerdings sei noch unklar, wie groß die Reduzierung der Spielhallen sein werde, weil jede Kommune entscheiden müsse, wie sie die „ungeeigneten Regeln, die von der im Juni abgewählten Landesregierung aufgestellt wurden, umsetzen wird". Der Unternehmenschef bezeichnete es als „tragisch, wenn hier in NRW Spielhallen nach dem Rasenmäherprinzip geschlossen werden sollten – ohne Rücksicht auf ihre Qualität". Damit würde dem Spielerschutz ein Bärendienst erwiesen. „Schlimmstenfalls passiert es, dass die qualitativ hochwertigen Spielhallen verschwinden müssen, und die schlechtere Qualität bleibt." Dabei verwies der Unternehmenschef auf die Einführung eines neuen Zutrittskontrollsystems bei Gauselmann mit biometrischer Gesichtserkennung, um Spieler, die sich sperren lassen, vom Spielbetrieb ausschließen zu können. Arbeitsplätze sieht auch auch Gauselmann bedroht. Betroffen sei nicht nur das Spielhallenpersonal. „Auch in unserer Produktion sind qualifizierte Industriearbeitsplätze bedroht", erklärte das Unternehmen. Wie viele blieb offen. „Wir werden um jede Spielhalle kämpfen." Notfalls mit juristischen Mitteln. Gauselmann verhieß zugleich, „dass wir, mehr noch als bisher, unsere Produktion mit Aufträgen aus dem Ausland auslasten". Die Produktion von Spielgeräten werde verstärkt im Ausland expandieren. Schon 2017 würden mehr als 50 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Der Unternehmer hofft nun auf die neue Landesregierung, dass sie auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen korrigierend eingreifen werde, wie dies in Bayern, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein geschehen sei. Die Zeiten hätten sich geändert. „Heute sind Tausende von Online-Casinos an jedem Ort 24 Stunden täglich über Handys oder Laptops erreichbar. Damit gehen Mindestabstandsgebote – wenn sie überhaupt jemals hätten Wirkung entfalten können – endgültig ins Leere."

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