Tritt selbstbewusst auf: Albert Christmann ist seit Anfang 2017 Oetkers Konzernchef. - © Sarah Jonek
Tritt selbstbewusst auf: Albert Christmann ist seit Anfang 2017 Oetkers Konzernchef. | © Sarah Jonek

Bielefeld Oetker will nach dem Verkauf der Reederei wieder expandieren

Es steht viel Geld zur Verfügung

Bielefeld. Mit dem Milliardenerlös aus dem für Ende 2017 geplanten Verkauf der Reederei Hamburg Süd will der Bielefelder Oetker-Konzern „attraktive Unternehmen" und „starke Marken" kaufen. Alle Sparten suchen nach Übernahmemöglichkeiten, wie Albert Christmann als neuer Chef der Gruppenleitung und Nachfolger von Richard Oetker erklärte. Zur Verfügung stehen theoretisch bis zu 3,7 Milliarden Euro brutto – abzüglich des ungenannten Steuerbetrages für den Buchgewinn. Christmann hielt seine Rede bei der Bilanzvorstellung des Konzerns frei und im Stehen. Recht ausführlich äußerte er sich zu den schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, und nebenbei war zu erfahren, dass das Auslandsgeschäft auch in Regionen wie Asien und Nordamerika derzeit kein Selbstläufer ist. Dass Christmann die Dr. August Oetker KG mit ihren 415 Töchtern aus dem Effeff kennt, wusste man bereits. "Freixenet ist eine schöne Marke" Natürlich verriet Christmann mit Verweis auf Vertraulichkeitsklauseln nicht, mit welchen Firmen derzeit Übernahmegespräche geführt werden. Der spanische Sekthersteller Freixenet sei „eine schöne Marke", sagte er auf Nachfrage. Die von Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev ebenso wie Diebels zum Verkauf gestellte deutsche Brauerei Hasseröder hingegen habe in letzter Zeit etwas an Attraktivität verloren, ließ Brauerei-Chef Niels Lorenz (Radeberger KG) durchblicken. Im Geschäftsjahr 2016 musste das Traditionsunternehmen einen um Sondereffekte bereinigten Umsatzrückgang um 2,1 Prozent auf 11,7 (Vorjahr 11,9) Milliarden Euro hinnehmen (siehe Grafik). Entscheidend dafür seien die Einbußen der Reederei-Sparte gewesen, deren Umsatz um mehr als 7 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro schrumpfte. Aber auch der Umsatz des Hotelgeschäfts sank, und zwar um 2,4 Prozent auf 146 Millionen Euro. Das Le Bristol in Paris, das größte Haus der Hotelkette, habe wegen der Terrorgefahr im Sommer wenig Gäste gehabt: „Das tut richtig weh." Doch Oetker setzt weiter auf die Branche und hat im brasilianischen Sao Paulo das Management für das zehnte Hotel der Kette übernommen. Mionetto und Henkell legen kräftig zu Das stärkste Plus erzielte das Nahrungsmittelgeschäft, dessen Umsatz um fast 3 Prozent auf 3,07 Milliarden Euro wuchs – auch dank der erstmaligen Vollkonsolidierung des 2015 erworbenen Tortenherstellers Coppenrath & Wiese. Bei Henkell & Co. habe die umsatzstärkste Sektmarke Mionetto mit einem Plus von 8 Prozent den kräftigsten Zuwachs verbucht, die Marke Henkell legte um 4 Prozent zu. Getränke-Lieferdienst wird online ausgebaut Eine größere Rolle soll bei Oetker das Thema Digitalisierung spielen. So werden nun verstärkt eigene Daten gesammelt und ausgewertet; Oetkers ostdeutsche Fachmarktkette Getränke Hoffmann will ihren Lieferdienst Durstexpress online weiterentwickeln. Die Zahl der Mitarbeiter stieg konzernweit um 4 Prozent auf 33.601 (inklusive 669 beim Bankhaus Lampe). Der Gewinn sei „noch auskömmlich", so Christmann. Bei 41 Prozent Eigenkapitalquote seien die Netto-Finanzschulden um fast 400 auf 70 Millionen Euro gesunken, die Finanzmittel stiegen um 183 auf 990 Millionen Euro. Wohl eine ordentliche Basis für die Zukunft. Sehen Sie die Geschichte des Unternehmens Oetker in der interaktiven Timeline:

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