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Nahe Kairo: Die Universal-Laster fahren mit 200 Tonnen schwerer Ladung auf ägyptischen Pisten. - © Universal Transport
Nahe Kairo: Die Universal-Laster fahren mit 200 Tonnen schwerer Ladung auf ägyptischen Pisten. | © Universal Transport

Paderborn Universal Transport hilft, in Ägypten das weltgrößte Gaskraftwerk zu bauen

Schwere Fracht durch die Wüste stellt das Unternehmen vor Herausforderungen

Andrea Frühauf
03.05.2017 | Stand 03.05.2017, 16:17 Uhr

Paderborn. Manchmal sind die Aufgaben so spektakulär, dass sie Mitarbeitern schlaflose Nächte bereiten. Der Paderborner Schwergutspezialist Universal Transport steht mit seinem aktuellen Auftrag in Ägypten vor einer seiner größten Herausforderungen. Im Großraum von Kairo baut Siemens in der Wüste das größte Gaskraftwerk der Welt. Das Paderborner Unternehmen transportiert für Siemens die Schwerlastelemente für den Bau. „Das Transportgut wiegt 200 Tonnen. Fahren Sie mal mit diesem Gewicht auf ägyptischen Pisten", sagt Geschäftsführer Holger Dechant. Dank eines Zufalls ergatterte der Geschäftsführer diesen Auftrag. Bei einem Branchentreffen in Bangkok lernte er im Mai 2015 den Ägypter Ahmed El Dahshan kennen, der fünf Jahre in Deutschland gelebt hat, ehe er in Kairo die Khedivial Marine Logistics übernahm. Im Sommer 2016 gründeten sie gemeinsam in Kairo die Gesellschaft Universal Transport Ägypten, an der sich der Ägypter als Minderheitsgesellschafter beteiligte. „Wir haben all unseren Mut zusammengebracht", sagt Dechant. „Wir brauchen vor Ort gute Leute, die die Spielregeln im Land kennen." Fehlende Berufskraftfahrer ein "Riesenproblem" Der Ägypter sei ein Logistikexperte für Luft- und Seefracht sowie in Ägypten für Hafenumschlag und Zollformalitäten, nur in Fahrzeugtechnik kannte er sich damals nicht aus. Dechant kam die Idee: „Wir bringen das Transportequipment für Schwertransporte nach Kairo. Es gibt diese Technik in Ägypten nicht." So erhielt Universal Transport den Siemens-Auftrag. Neben Berufskraftfahrern sind auch Techniker aus OWL seit 2016 wechselweise in Ägypten. „Nachwuchskräfte haben bei uns interessante Perspektiven", betont der Geschäftsführer, der fehlende Berufskraftfahrer als „Riesenproblem" nennt. So überführte das Unternehmen im vergangenen Herbst das einstige tschechische Staatsflugzeug, mit dem schon Ex-Staatschef Václav Havel und die tschechische Eishockey-Nationalmannschaft geflogen waren, von Prag nach Kunovice. Ein Speziallaster brachte den 40 Meter langen und 25 Tonnen schweren Rumpf der legendären Tupolew Tu-154 über 400 Kilometer weit zum Luftfahrtmuseum. Begleitet von Schaulustigen war der Transporter zwei Nächte und einen Tag in Tschechien unterwegs. Dafür mussten Stromleitungen abgeschaltet werden. Ware ist für Just-in-time-Lieferung auf dem Laster Zu den Kunden gehören auch Unternehmen aus OWL – darunter die Bauunternehmen Bremer (Paderborn) und Goldbeck (Bielefeld) sowie der Harsewinkeler Landmaschinenhersteller Claas. Für die Deutsche Bahn lagern die Paderborner auf einer riesigen Fläche von 30.000 Quadratmetern Bahnachsen. „Unser Standort ist billiger und ideal gelegen", sagt Dechant. Eine Halle brauche Universal Transport bisher nicht. „Unsere Ware ist für die Just-in-time-Lieferung auf dem Laster." Laut dem Fraunhofer Institut Nürnberg gehört das 1953 gegründete Unternehmen, das anfangs Kies und Schrott transportierte, zu den führenden Anbietern im Großraum- und Schwertransport. Das Auftragsvolumen der Branche im Teilmarkt Schwergut belief sich 2015 in Deutschland auf eine Milliarde Euro. Universal Transport (700 Mitarbeiter, davon 130 in Paderborn) steigerte seinen Umsatz 2016 um 40 Millionen auf 180 Millionen Euro. Davon entfielen 30 Millionen Umsatz auf den Kauf des Nürnberger Projektspezialisten Züst & Bachmeier (39 Mitarbeiter), der sich unter anderem um eine Firmenverlagerung auf die Philippinen kümmerte (Verschiffung, Dokumentation, Zoll, Nachlauf). Dechant: „Mit der Übernahme haben wir ein Pfund an Fachwissen erworben. Diese Verbindung ist einmalig." Man ergänze sich wie Musiker in einem Orchester. 2017 soll der Gesamtumsatz leicht auf 185 Millionen Euro wachsen. Marode Brücken verteuern den Transport extrem Das Unternehmen hat 350 eigene Schwertransporter. „Während normale Lkw im Schnitt 120.000 Euro kosten, sind unsere 750.000 bis 800.000 Euro teuer", sagt Dechant. Marode Brücken würden den Transport extrem verteuern. So musste das Unternehmen wegen der auf der A 7 für Schwertransporte gesperrten Rader Hochbrücke einen 600 Kilometer langen Umweg fahren, um Türme von Windkraftanlagen nach Schleswig Holstein zu transportieren. Die Tour führte von Leipzig nach Cuxhaven, „wo wir 20 komplette Fähren für die Überfahrt nach Dänemark mieten mussten". Vom dänischen Esbjerg ging es dann nach Schleswig Holstein. Ein teures Unterfangen. Denn die Schwertransporter („Da zählt jeder Tag"), die zu 99 Prozent keine Innenstädte anfahren, dürfen nur nachts fahren. Den Mehraufwand zahlte der Kunde.

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