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„Die klassische selbstständige Stiftung hat sich überlebt“: Felicitas von Peter (Mitte), Bendedikt Kastrup (l.) und Sven Martell (v. l.). FOTO: SANDRA KREUTZER - © Sandra Kreutzer - www.fotomobiel.de
„Die klassische selbstständige Stiftung hat sich überlebt“: Felicitas von Peter (Mitte), Bendedikt Kastrup (l.) und Sven Martell (v. l.). FOTO: SANDRA KREUTZER | © Sandra Kreutzer - www.fotomobiel.de

Wirtschaft Niedrigzins: Das raten Experten für die Gründung einer Stiftung

Viele Stiftungen erzielen kaum noch Erträge, um Gutes zu tun

Andrea Frühauf
30.03.2017 , 06:00 Uhr

Bielefeld. Gemeinnützige Stiftungen haben aufgrund der Niedrigzinsen vermehrt ein Problem, Kapitaleinkünfte zu erzielen und damit Gutes zu tun. „75 Prozent dieser Stiftungen haben weniger als 500.000 Euro Kapital", sagt Felicitas von Peter, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der gemeinnützigen Plattform Active Philanthropy. Sie berät Einzelpersonen, Unternehmerfamilien und Stiftungen dabei, ihre Ressourcen strategisch sinnvoll und nachhaltig für gute Zwecke einzusetzen.

Zuvor arbeitete von Peter einige Jahre bei der Bertelsmann-Stiftung, wo sie viele Projekte in den USA begleitete und den Aufbau des Stiftungsbüros in New York betreute. Sie rät davon ab, eine Stiftung für die Ewigkeit zu gründen. „Die Satzung ist extrem schwer zu verändern", sagte die Expertin bei einem Vortrag vor erlesenen Gästen der Bielefelder Steuerkanzlei HLB Stückmann und Partner. „Wer weiß denn nach Hunderten Jahren, welches Stiftungsziel der damalige Gründer verfolgte?" Kürzlich habe ein Unternehmer sie erschrocken gefragt, ob er seine 40 Millionen Euro nicht wieder aus der Stiftung rausholen könne. „Kann er nicht." Nur Zinseinnahmen (Erträge) dürfen für die vorgegebenen Zwecke verwendet werden.

"Eine Stiftung ist nicht auflösbar"

„Eine Stiftung ist nicht auflösbar. Und das reingegebene Kapital muss erhalten werden", betont auch Sven Martell, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der Kanzlei. „Wenn Stiftungen bei Banken noch Strafzinsen für ihr Geld zahlen müssen, ist das ein Drama", sagt Benedikt Kastrup, Partner von HLB Stückmann. Viele Stiftungen seien mangels Einnahmen inaktiv. „Wenn es gut läuft, bleibt das Kapital drin."

Laut einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen lag 2016 bei rund einem Drittel die Rendite unterhalb der Inflationsrate. Bei einer 500.000-Euro-Stiftung gebe es im Jahr vielleicht noch 5.000 Euro Rendite, so der Chef der „Zeit"-Stiftung, Michael Göring. Wenn davon drei Kitas unterstützt würden, bekomme am Ende jede ein oder zwei Spielzeuge. Der Bundesverband rät Stiftungen daher, ihr Kapital breiter anzulegen (Immobilien, Sachgüter).

Doch Kastrup warnt vor dem Immobilienkauf, weil die Preise viel zu hoch seien und der Stiftungsvorstand für den Kapitalerhalt hafte. „Wenn die Preise wieder fallen, ist das ein Wertverlust." Die Stiftungsaufsicht in Detmold erlaube immerhin geringe Wertverluste bei Wertpapieren. Er empfiehlt alternative Modelle, etwa eine gemeinnützige GmbH wie die Robert Bosch Stiftung GmbH, bei der Vorstand und Beirat mehr Handlungsspielraum hätten.

Aber auch die Verbrauchsstiftung finde immer mehr Anhänger und fördere etwa in Bielefeld die Kulturszene. Grund: Für die Anerkennung einer Verbrauchsstiftung fordert der Gesetzgeber nicht, dass sie auf Dauer besteht, sondern nur, dass sie ihr Ziel dauerhaft erreicht. Damit darf das Kapital zu Lebzeiten für Sinnvolles ausgegeben werden.

Was aber ist sinnvoll? Wenn alle deutschen Stiftungen ihre Erträge in die Bildung investierten, reiche das Geld nur, um den Staat einen Tag bei dieser Aufgabe zu ersetzen, sagt Felicitas von Peter. „Aber Stifter wollen ja nicht den Staat ersetzen, sondern neue Lösungen bieten." Eine Stiftung sollte nach ihrer Ansicht mit wenig Kapital ausgestattet werden. Der Stifter solle lieber jährlich viel Geld geben, um die Stiftung als „Durchlauferhitzer" zu nutzen. Kleinere Stiftungen könnten sich zudem zusammentun.

Geld ist nach ihrer Ansicht nicht die einzige und oft nicht die wichtigste Ressource, um Gutes zu tun. Von Peter fordert eine neue Kultur des Stiftens und Spendens. Eine viel größere Rolle könnten berufliche Erfahrungen und Kontakte spielen. So habe ein gestandener Unternehmer einer Schule für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in München mit einem Geschäftsplan auf die Sprünge geholfen. „Die Schule ist heute viermal so groß, weil sie mehr Spenden einsammeln konnte."


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