So geht’s: Paul Gauselmann schaut nach oben, dann sagt ihm das System, ob er in der Merkur-Spielothek spielen darf. - © Joern Spreen-Ledebur
So geht’s: Paul Gauselmann schaut nach oben, dann sagt ihm das System, ob er in der Merkur-Spielothek spielen darf. | © Joern Spreen-Ledebur

Wirtschaft Gauselmann entwickelt Gesichtserkennung für Automaten-Spieler

Das Espelkamper Unternehmen hat das Zugangssystem „Face-Check“ entwickelt, das gesperrte Spieler aus den Merkur-Spielotheken fernhalten soll

Espelkamp. Der Dachverband Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW) setzt sich für eine bundesweite Spieler-Selbstsperre ein. Das biometrische Einlass-Kontrollsystem „Face-Check" etwa soll verhindern, dass Spieler, die sich selbst sperren lassen, danach eine Spielstätte betreten können. Zum Beispiel in Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke), wo die Gauselmann-Gruppe ihren Hauptsitz hat und in der Innenstadt eine Merkur-Spielothek („Casino") betreibt. Spielern, die die Spielothek durch den Haupteingang betreten, versperren nach wenigen Schritten über den Teppichboden ein Gestänge und ein in Hüfthöhe installiertes Flügeltürchen den weiteren Zugang ins Innere. Etwa zwei Meter entfernt vom „Gate", wie die Fachleute sagen, befindet sich ein breiter grauer Ständer mit integrierter Minikamera und Flachbildschirm. Personen, die der textlichen Aufforderung folgen, ihre Sonnenbrille oder den Schal abzunehmen und in die Kamera zu schauen, wissen Sekunden später, ob sie den Alters- und Unbedenklichkeitstest bestanden haben und das Türchen vor ihrem Bauch zur Seite schwenkt. „Nicht alle, aber alle Vernünftigen", sagt Gauselmann-Unternehmensgründer und Vorstandssprecher Paul Gauselmann über die DAW-Forderung, „werden es machen". Face-Check in NRW bislang nur in Bielefeld und Espelkamp Noch gibt es Face-Check nur in den 18 Casino Merkur-Spielotheken in Baden-Württemberg, wo es „hervorragend läuft", so Gauselmann-Kommunikations-Chef Mario Hoffmeister. In Nordrhein-Westfalen, wo Merkur an 78 Standorten vertreten ist, gibt es Face-Check bislang in Bielefeld und Espelkamp. Es soll aber in allen Merkur-Spielstätten implementiert werden, „weil wir voll hinter Einlasskontrollen stehen", sagt David Schnabel, Präventionsbeauftragter bei Gauselmann. Investitionskosten pro Spielhalle: laut Paul Gauselmann etwa 25.000 Euro. Solange die Software für die kontaktlose Gesichts- und Alterskontrolle keine Auffälligkeiten feststellt, die Ampel auf dem Bildschirm auf Grün springt und die Einlasssperre sich automatisch öffnet, können die Mitarbeiter der Spielothek sich um andere Gäste kümmern. Bestehen aufgrund biometrischer Gesichtsmerkmale Zweifel am Mindestalter 18, springt die Ampel auf Gelb und auf dem Bildschirm erscheint die Aufforderung, die Klingel am Gate zu betätigen. Dann kommt eine Mitarbeiterin der Spielothek und lässt sich den Ausweis zeigen. „Viele Menschen möchten anonym spielen", argumentiert David Schnabel pro Face-Check und betont, man habe dafür die Freigabe der NRW-Datenschutzbeauftragten. Denn: „Wir speichern keine Daten." Nur digitale Gesichtsmuster, sogenannte Templates, würden erfasst und mit der Datenbank abgeglichen, die die Bilder gesperrter Spieler umfasst. „Unmittelbar danach werden die Daten gelöscht", versichert Schnabel. "Sicherstellen, dass niemand mehr spielt, der nicht mehr spielen will" Die Porträtbilder von Spielern, die sich selbst gesperrt haben oder die aus anderen Gründen in den Spielotheken Hausverbot haben, erscheinen zusammen mit der roten Ampel außer auf dem Monitor am Eingang auf einem weiteren Monitor am Tresen, den die Mitarbeiter laufend im Blick haben. Außerdem auf ihren Diensthandys, „falls sie nicht am Platz sind, weil sie zum Beispiel Kaffee servieren", sagt Schnabel. Schließlich wolle man „sicherstellen, dass niemand mehr spielt, der nicht mehr spielen will". Entwickelt hat Gauselmann Face-Check in Zusammenarbeit mit der Firma Cognitec aus Dresden. „Zwei Jahre haben wir an dem System gearbeitet", so Schnabel, der die Gesichtserkennung plus Ampel auch in sämtliche Automaten integrieren möchte. Technisch sei das „absolut machbar". Wie der Dachverband DAW drängt auch Schnabels Chef darauf, dass biometrische Zugangssperren flächendeckend eingeführt werden. Falls nicht, befürchtet Paul Gauselmann vor dem Hintergrund, dass die meisten Spieler keinen Ausweis vorzeigen und damit ihre Identität preisgeben möchten, „verlieren wir 20 Prozent unserer Kunden". Gauselmann zufolge gibt es in NRW bislang keine gesetzliche Grundlage für Spielersperren.

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