Parship gilt als größte deutsche Datingplattform, das Unternehmen veranschlagt hohen Wertersatz bei Vertragswiderruf. - © picture alliance / Bildagentur-online/Schoening
Parship gilt als größte deutsche Datingplattform, das Unternehmen veranschlagt hohen Wertersatz bei Vertragswiderruf. | © picture alliance / Bildagentur-online/Schoening

Wirtschaft Verbraucherzentrale rät zu Klagen gegen Parship-Forderungen bei Vertragswiderruf

Das Berechnungsmodell des Datingportals bei Vertragswiderruf ist in der Kritik. Die Verbrauchenzentrale Hamburg empfiehlt Einzelklagen

Marc Schröder
04.02.2017 | Stand 04.02.2017, 18:33 Uhr

Hamburg. Die kostenpflichtige Registrierung bei einem Datingportal kann zum Traumpartner führen. Stellt man aber fest, dass es nicht der Königsweg zur Wunschbeziehung ist, dann kann es trotz eingehaltener Rücktrittsfrist teuer werden, zumindest beim Datingportal Parship. Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZ-HH) rät zur Einzelklage  gegen den vom Portalanbieter veranschlagten Wertersatz. Datingportale erfreuen sich großer Beliebtheit, sie locken Millionen kontaktwilliger Singles in ihre kostenpflichtigen Bereiche. Parships Slogan, laut dem sich alle 11 Minuten jemand über das Portal verliebe, klingt gut, zudem garantiert man die Vermittlung passender Kontakte. Den Service lässt sich Parship über monatliche Gebühren entsprechend bezahlen. Wer nach Vertragsabschluss, innerhalb der gesetzlichen 14-Tages-Frist, feststellt das es doch nicht der richtige Weg zum Traumpartner ist, den bittet Parship trotzdem zur Kasse. Wertersatz ist grundsätzlich rechtens Das Unternehmen berechnet den Wertersatz und zieht ihn von der Rückerstattung an die Kunden ab. Rechtlich ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden, das bestätigt auch die Verbraucherzentrale Hamburg. Kritik üben die Verbraucherschützer an der Höhe des Wertersatzes den Parship veranschlagt. "Es gibt Fälle, bei denen 75 Prozent einer Jahresmitgliedschaft als Wertersatz aufgerufen und nur ein Viertel der über 400 Euro Jahreskosten zurückerstattet werden", berichtet Julia Rehberg von der VZ-HH -  wohlgemerkt für nur wenige Tage Premiumzugang zu den Diensten der Datinghelfer. In einer Pressemitteilung beruft sich Parship auf die Rechtssicherheit zum Wertersatz, der auch für Dienstleistungen gilt. Bei Abschluss einer Premium-Mitgliedschaft garantiert das Unternehmen eine Mindestanzahl an Kontakten. Diese würden hinsichtlich der „partnerschaftsrelevanten Merkmale" besonders gut zum jeweiligen Mitglied passen. Zudem könnten Nutzer direkt mit passenden Singles in Kontakt treten. Bei einem Vertragsrücktritt durch den Kunden berechne man die Nutzung der Kontaktvermittlung, die Parship als Kernleistung ihres Dienstes bezeichnet. "Wenn ein Mitglied bei Widerruf keinen Kontakt zu einem Mitglied hatte, dann fordern wir auch keinen Wertersatz", so das Unternehmen in der Mitteilung. Parship wertet allerdings bereits die Antwort auf ein "Hallo" oder das Senden eines Smiley als erfolgreiche Kontaktvermittlung. Solche Kontaktaufnahmen werden bei einem Widerruf vollwertig zur Ermittlung des Wertersatzes mit einbezogen. Abhängig von der Vertragsvariante und Kontaktfreudigkeit der Nutzer behält Parship zwischen zwanzig und mehreren hundert Euro für seine Leistungen ein. Berechnungshöhe für Wertersatz fragwürdig In der Berechnungsmethode für die hohen Wertersatzforderungen sieht die Verbraucherzentrale Hamburg das größte Problem. Entsprechend mahnte sie den Dating-Riesen bereits ab und klagte gegen die Methode. Über die hohen Forderungen wolle Parship möglicherweise Kunden davon abhalten, ihr Widerrufsrecht zu nutzen, argumentiert die VZ-HH. Mündlich sei die Klage vom OLG Hamburg bereits abgewiesen worden, feiert Parship in seiner Pressemitteilung allerdings bereits einen Sieg. Die Verbraucherschützer wollen die schriftliche Begründung des Gerichts abwarten. Die Klage sei aus wettbewerbsrechtlichen Bedenken nicht erfolgsversprechend, vermutet Rehberg. Überrascht zeigte sich die Sprecherin der VZ-HH über die positive Stimmung von Parship, zumal das Unternehmen zu keinem Gerichtstermin erschienen sei. Verbrauchern, die von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch machen, empfiehlt Julia Rehberg auf jeden Fall den Klageweg gegen die Forderungen von Parship. Einzelklagen bislang erfolgreich "Bislang hatte nahezu jede Klage gegen die Wertersatzforderungen von Parship erfolg", weiß Rehberg zu berichten. Das Datingportal habe neben der Rückzahlung des Wertersatz inklusive Zinsen, in vielen Fällen auch die Gerichtskosten tragen müssen. Rehberg, die über viele Fälle Kenntnis hat, erläutert auch, dass die Richter nicht den Wertersatz an sich beanstanden. Vielmehr seien es die überzogenen Forderungen von Parship. "Die Richter empfehlen Parship schon, ihr Berechnungsmodel zum Wertersatz anzupassen", berichtet Rehberg. Mit einem anteiligen Wertersatz für die genutzten Tage der Mitgliedschaft und einem gewissen Wert für die Kontaktvermittlung habe auch die Verbraucherzentrale kein Problem. "Aber Werte von bis zu 75 Prozent der Gebühren zu veranschlagen ist deutlich überzogen", so Julia Rehberg.

realisiert durch evolver group