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Gesund: Eine junge Frau trinkt ein Glas Wasser. Der Pro-Kopf-Mineralwasserkonsum steigt in Deutschland kontinuierlich an. - © dpa
Gesund: Eine junge Frau trinkt ein Glas Wasser. Der Pro-Kopf-Mineralwasserkonsum steigt in Deutschland kontinuierlich an. | © dpa

Minden/Bielefeld Stilles Wasser "Carolinen Naturelle" schmeckt unerklärlich bitter

Fehlersuche läuft: Nach Beschwerden über Geschmacksveränderungen wird ein Mineralwasser aus Bielefeld in Detmold untersucht. Carolinen verweist auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit

Stefan Koch
09.06.2016 | Stand 09.06.2016, 15:43 Uhr

Minden/Bielefeld. Irgendwie habe das Mineralwasser nicht mehr wie sonst geschmeckt, berichtet ein Mindener Verbraucher. "Seit mehr als zehn Jahre trinke ich Carolinen Naturelle und war immer mit dem Produkt zufrieden." Wenn er aber aus den zuletzt erworbenen Kisten eine Flasche entnommen habe, dann sei das Wasser im Geschmack leicht bitter gewesen und er habe ein Nachbrennen auf der Zunge verspürt. "Auch meine Frau hat mir bestätigt, dass es ihr beim Trinken so ergangen ist." Zudem hätten beide nach dem Verzehr ein leichtes Unwohlsein verspürt. Am Freitag vergangener Woche brachte der Mindener zwei Flaschen des von ihm beanstandeten Produkts zur Lebensmittelüberwachung des Kreises Minden-Lübbecke. Nachdem deren Mitarbeiter eine Geschmacksprobe genommen hatten, entschieden sie sich, das Wasser zur weiteren Untersuchung an das Chemische Veterinär-Untersuchungsamt nach Detmold zu schicken. "Bislang liegt aber noch kein Ergebnis vor", erklärte Anna Berlit-Schwigon, Pressesprecherin des Kreises Minden-Lübbecke. Der Getränkemarkt in Minden, in dem der Verbraucher das kohlensäurefreie Mineralwasser gekauft hatte, bestätigte, dass es mehrere Reklamationen gegeben hatte. Mit dem Hersteller, der Mineralquellen Wüllner GmbH & Co. KG in Bielefeld, sei vereinbart worden, Kisten aus einer bestimmten Produktionscharge zurückzuschicken. Auch der Verbraucher hatte dazu seine restlichen Flaschen im Getränkemarkt abgeliefert. Wie Susanne Meyer zu Düttingdorf, Lebensmittelchemikerin des Bielefelder Unternehmens, bestätigt, sei das Problem der Geschmacksbeeinträchtigungen bekannt. "Wir haben sofort sämtliche für solche Fälle vorgesehenen Maßnahmen eingeleitet." Laut Meyer zu Düttingdorf seien Proben des beanstandeten Produktes umgehend per Kurier zum Institut Fresenius zur Analyse geschickt worden. "Bei der umfangreichen Analyse wurde kein gesundheitsrelevanter Befund festgestellt. Eine Gesundheitsgefährdung ist damit zu 100 Prozent auszuschließen." Auch eine Wiederholung der Analyse habe keinen Befund erbracht. "Die Sorge um gesundheitliche Beschwerden bei Verbrauchern ist zwar verständlich, aber faktisch unbegründet." Wie Meyer zu Düttingdorf feststellt, sei die Geschmacksirritation "inakzeptabel und extrem ärgerlich". Daher werde weiter nach der Ursache der Beeinträchtigung gesucht und die Auslieferung der betreffenden Charge, die mehrere Lkw-Ladungen umfasst, gestoppt. Drei oder vier Beschwerdefälle wurden der Firma bisher bekannt. Die ursprüngliche Annahme, dass der Fehler in der Produktion zu suchen ist, schließt das Unternehmen mittlerweile aus. Laut der Lebensmittelchemikerin seien bei kohlensäurefreiem Mineralwasser viele Ursachen einer Geschmacksveränderung möglich. Schon eine falsche Lagerung in einem Raum mit Geruchsemissionen oder mit direkter Sonneneinstrahlung könne dazu führen, dass Geruchsstoffe durch das PET diffundierten und zu Beeinträchtigungen führten. "Wir unternehmen alles, um die Fehlerquelle ausfindig zu machen." Warum es keine Rückrufaktion gegeben hatte? Meyer zu Düttingdorf spricht von "bedauerlichen Einzelfällen". Eine Gesundheitsgefährdung sei völlig auszuschließen. Ihr Unternehmen tausche aber Warenbestände aus und habe auch Handelspartner angewiesen, im Beschwerdefall großzügig Kompensation anzubieten.

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