0

Bielefeld Vizepräsident der Handwerkskammer schmeißt wegen Hauptgeschäftsführer hin

Streit bei der Handwerkskammer: Hans Schmitz kritisiert schlechte Umgangsformen des Hauptgeschäftsführers mit dem ehrenamtlichen Vorstand

Andrea Frühauf
09.06.2016 | Stand 08.06.2016, 22:52 Uhr

Bielefeld. Paukenschlag bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe: Nach Informationen dieser Zeitung hat der langjährige Vizepräsident Hans Schmitz nach der gestrigen Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt eingereicht. Diese Hiobsbotschaft trifft die Kammer mitten in ihren Streitigkeiten mit der Paderborner Kreishandwerkerschaft und den fünf lippischen Innungen um den geplanten Erweiterungsbau am Campus Handwerk in Bielefeld. Der Rücktritt kommt umso überraschender, da der Bielefelder Malermeister, dessen Amtszeit eigentlich bis 2019 lief, ohnehin am 30. Juni sein Amt vorzeitig aufgeben wollte. Dies hätte Schmitz bei der Vollversammlung am 15. Juni offiziell mitgeteilt. "Der Campus Handwerk muss fertiggestellt und abgerechnet sein", hatte der 67-Jährige stets als Begründung für seine von Anfang an geplante halbe Amtszeit verkündet. Nun verzichtet Schmitz, der auch als Mitglied des Bau- und Vergabeausschusses die Brocken hinwarf, auf eine Abschiedsfeier. In einem dieser Zeitung vorliegenden Schreiben an die Kammerpräsidentin Lena Strothmann und den Hauptgeschäftsführer Michael Heesing heißt es: "Als ich seinerzeit diese Aufgaben übernahm, bin ich davon ausgegangen, dass die Kammerspitze an einer vertrauensvollen und vertraulichen Arbeit interessiert sein würde." Dies sei nach den Medienberichten "erkennbar nicht der Fall". Das bei der jüngsten Vorstandssitzung vereinbarte Stillschweigen über den geplanten Runden Tisch mit den beteiligten Streitparteien sei nicht eingehalten worden. Weiter heißt es: "Fassungslos macht mich auch der Verdacht, dass die Antragsteller aus Paderborn und Lippe offenbar über die Medien erfahren haben, dass ihr Antrag auf Durchführung der überbetrieblichen Ausbildung abgelehnt wurde." Gerade der hauptamtliche Hauptgeschäftsführer habe zuletzt im Umgang mit Pressevertretern schlichtweg versagt und damit das Ansehen der Handwerkskammer und des gesamten Handwerks womöglich beschädigt. "Indiskretionen und Falschinformationen sind leider nicht das erste Mal zu beklagen", heißt es weiter in seinem Schreiben, ohne Nennung näherer Details. Auf Nachfrage dieser Zeitung betonte Schmitz, seine Entscheidung habe nichts mit dem geplanten Erweiterungsbau der Kammer zu tun. Als Begründung für seinen plötzlichen Rücktritt nannte er vielmehr Heesings schlechten Führungsstil und die Art seines Umgangs mit dem Ehrenamt - sprich mit dem Vorstand. Der Streit mit den lippischen Innungen habe dies einmal mehr verdeutlicht. Schmitz knapp: "Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht." In einem weiteren Schreiben an den Vorstand kritisiert Schmitz offenbar auch die fehlende Beteiligung des Kammervorstandes bei der Vorbereitung der Tagesordnung für die Vollversammlung, wie aus nahestehenden Kreisen verlautete. Der Fall erinnert an den einstigen Machtkampf der IHK Bielefeld mit ihrem damaligen Hauptgeschäftsführer Karl-Peter Abt. Der musste damals gehen.

realisiert durch evolver group