Droht der Kammer mit einer Klage: Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. - © Wilfried Hiegemann
Droht der Kammer mit einer Klage: Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. | © Wilfried Hiegemann

Wirtschaft Handwerker aus Lippe drohen Handwerkskammer OWL mit Klage

Kreis und Innungen wollen überbetriebliche Ausbildung in Lippe behalten

Paderborn/Bielefeld. Der Streit zwischen der Handwerkskammer OWL und der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe um den geplanten Erweiterungsbau am Bielefelder Campus Handwerk droht zu eskalieren. Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, droht der Kammer inzwischen eine Klage an, sollte der vor einem Jahr gestellte Antrag abgelehnt werden. „Das kann er ja machen", sagte Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Kammer. Laut dem Antrag soll die Trägerschaft für die überbetriebliche Ausbildung ab 1. August von der Kammer an die lippischen Innungen (Kfz, Maler, Bau, Tischler) übertragen werden. Dass noch keine Entscheidung fiel, begründete Heesing mit einem späten Antwortschreiben aus Lippe zu dem „lückenhaften" Antrag. Wie berichtet wehren sich die Lipper massiv gegen Pläne, die überbetriebliche Ausbildung der vier Innungen schrittweise von Lemgo in den geplanten millionenschweren Erweiterungsbau am Campus Handwerk nach Bielefeld zu holen. Um die 70 lippischen Kfz-Ausbildungsbetriebe für diese Idee zu gewinnen, wurden sie zum Gespräch nach Bielefeld geladen. Doch nur drei folgten der Einladung. „Die überbetriebliche Ausbildung der Lehrlinge aus Lippe ist Aufgabe der Kammer", hatte Heesing kürzlich betont. Dies hält Gödde für eine „rückwärtsgerichtete Betrachtung". Angesichts der Digitalisierung, die Kfz-Betriebe vor große Herausforderungen stelle, „brauchen wir Investitionen in Köpfe und Know-how statt in einen Betonklotz", fordert Gödde. Kfz-Betriebe müssten mit der rasanten Entwicklung von Elektro- und selbstfahrenden Autos Schritt halten. Es sei heute nicht absehbar, „was unsere Meister in zwei bis fünf Jahren können müssen, um Lehrlinge, die schon heute aus einer ganz anderen Welt kommen, auszubilden". Digitalisierung erfordert nach seiner Ansicht dezentrale Strukturen statt Zentralismus. Die vor drei Jahren verlangten Gespräche über die Digitalisierung und die dafür nötigen Strukturen habe die Kammer ignoriert. Empört wies Heesing den Vorwurf der Lüge zurück. „Das ist eine Diffamierung." Die in der Vollversammlung präsenten Lipper hätten die Pläne sehr wohl gekannt und gebilligt. Die Versammlung habe im Juli 2010 der Beschlussvorlage zugestimmt, die die „Zusammenfassung der Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer in Bielefeld, Lemgo und Gütersloh" vorsieht. Der Kreis Lippe unterstützt indes die Innungen nun per Vertrag, die überberufliche Ausbildung in Lippe zu halten.

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