0
Bei der Barmer gibt es ein Datenleck. - © dpa
Bei der Barmer gibt es ein Datenleck. | © dpa

Osnabrück Patientendaten bei der Barmer Krankenkasse nicht gut genug gesichert

Experte: Für umfassende Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft fehlt Sicherheitsstruktur

14.03.2016 | Stand 14.03.2016, 16:54 Uhr

Osnabrück. Tester wollen ein Datenleck bei Deutschlands zweitgrößter Krankenkasse Barmer GEK entdeckt haben. Die Patientendaten von mehreren Millionen Krankenkassenmitgliedern seien nicht ausreichend geschützt, berichtete die Rheinische Post. Die Veröffentlichung der erschreckenden Testergebnisse erfolgte nur wenige Tage, nachdem ein Erpressungstrojaner mehrere Krankenhäuser in Deutschland lahmgelegt hat. Dem Tester ist es offenbar gelungen, sich über einen Online-Zugang der Kasse Patientendaten zu beschaffen. Der Tester habe nur den Namen, das Geburtsdatum und die Versichertennummer des Datenopfers zur Verfügung gehabt, hieß es. Trotzdem habe er mit wenigen Telefonaten und Mausklicks Details zu Diagnosen, Rezepten, Klinikaufenthalten und anderen intimen Informationen erfahren. Die Barmer widersprach: Bei der Aktion habe es sich "eher um einen simulierten Diebstahl einer Versichertenkarte gehandelt, gegen die sich keine Institution wehren kann ", so Barmer-Sprecher Athanasios Drougias. Der Vorfall rief die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff auf den Plan. Die Politikerin versicherte, sie werde "beim Bundesversicherungsamt nochmals dringend anregen, die Thematik zu untersuchen". Dem Leiter des Niedersächsischen Datenschutzzentrums an der Hochschule Osnabrück, Volker Lüdemann, geht das nicht weit genug: "Ist die bestehende Datensicherheitsarchitektur ausreichend, um sich in das Abenteuer der umfassenden Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft zu stürzen?", so äußert er seine Bedenken in Form einer Frage. Er zielt vor allem auf das eHealth-Gesetz ab, das Anfang 2016 in Kraft getreten ist: Mit ihm sollen moderne Informationstechnologien in der medizinischen Versorgung etabliert und die digitale Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen vorangebracht werden. Dafür wurde bereits die elektronische Gesundheitskarte eingeführt. Bis Ende 2018 sollen dann auch die Voraussetzungen dafür geschaffen sein, dass Patientendaten wie Arztbrief, Diagnosen, Medikationsplan oder Notfalldaten in einer elektronischen Akte zusammengefasst werden können.

realisiert durch evolver group