„Ich stehe hier, solange die Gesundheit es zulässt": Unternehmensgründer Paul Gauselmann (81) behält die operative Unternehmensführung. - © Tyler Larkin
„Ich stehe hier, solange die Gesundheit es zulässt": Unternehmensgründer Paul Gauselmann (81) behält die operative Unternehmensführung. | © Tyler Larkin

Espelkamp Paul Gauselmann bleibt an der Spitze

Sicherung des Lebenswerks: Der 81-Jährige gründet eine Familienstiftung

Andrea Frühauf

Espelkamp. Die Entscheidung ist ihm sichtlich schwer gefallen. „Wir haben das unglaublich lange vorbereitet", sagt der Unternehmensgründer Paul Gauselmann nach der Vertragsunterzeichnung. Im Beisein seiner Familie verkündet der 81-Jährige im familieneigenen Schloss Benkhausen: Die Espelkamper Gauselmann-Gruppe, Marktführer bei Spielautomaten und Spielhallen in Deutschland, wird ab dem 1. Januar 2016 unter dem Dach der „Gauselmann-Familienstiftung" geführt. Zuvor hatten bereits die Unternehmer Herbert Kannegiesser (Vlotho), Ortwin Goldbeck, Peter von Möller (beide Bielefeld) und Horst Wortmann (Detmold) ihr Lebenswerk an eine Familienstiftung übertragen. Neben Paul Gauselmann und seiner Frau Karin mit Anteilen von jeweils 25 Prozent haben auch die Söhne Michael (60 Jahre, 25 Prozent), Armin (53 Jahre, 12,5 Prozent) und Karsten (46 Jahre, 12,5 Prozent) ihre Beteiligungen an die neue Familienstiftung abgegeben. Dies sei vor allem ihrem Mann schwer gefallen, sagt seine Frau Karin (80) später. „Er kann doch nichts abgeben." Und Paul Gauselmann, der das Unternehmen mit eigenen Entwicklungen aufgebaut und zu einem Firmenimperium mit weltweit 9.200 Mitarbeitern und 2,1 Milliarden Umsatz (2015) entwickelt hat, betont zuvor: „Es bleibt alles beim alten. Ich trete nicht ab." Er behalte die operative Geschäftsführung, solange seine Gesundheit dies zulasse. Dass er dazu noch den Mut und den Optimismus habe, führt der 81-Jährige auf die prägenden Kriegserfahrungen zurück. Paul Gauselmann übernimmt auch den Vorstandsvorsitz der neuen Familienstiftung. Stellvertretender Vorsitzender wird sein Sohn Arnim, der „nicht mein Nachfolger werden wollte", sondern sich um das Personal und die firmeneigenen Immobilien im Wert von 250 Millionen Euro kümmere. Dritter Stiftungsvorstand wird Manfred Stoffers. Mit der neuen Gesellschafterstruktur, deren „Nutznießer die Familie ist", soll die gesamte Gruppe mit Sitz in Espelkamp langfristig gesichert und in Familienhand bleiben – auch Teilverkäufe eines Mitbesitzers sind damit ausgeschlossen. Jeder der Gesellschafter habe immer das Recht gehabt, auszusteigen, sagt Gauselmann. Auch sein ältester Sohn Peter (62) ging früh seine eigenen Wege. Oft fehle den Unternehmensnachfolgern das Geld für die Erbschaftssteuer und die Auszahlung von Geschwistern, begründet der Firmenchef die Entscheidung. Dazu dürfte auch die Erbschaftssteuerreform beigetragen haben, die im Juli 2016 in Kraft treten soll. Derzeit haben Unternehmer, die ihre Anteile an die Kinder oder eine Familienstiftung verschenken, noch die Chance auf Steuererlass, sofern sie bestimmte Bedingungen erfüllen (das Unternehmen muss sieben Jahre lang mit demselben Lohnniveau behalten werden). Gauselmann erklärt zum derzeitigen Recht: Eine Stiftung wird alle 30 Jahre zur Erbersatzsteuer herangezogen. Dies sei aber besser planbar. Die Schenkungssteuer könne die Führung schultern. Der Stiftungsbeirat, dem neben Paul Gauselmann vier Familienstämme (die drei genannten Söhne sowie die Töchter Peter Gauselmanns, Janika und Sonja) und drei externe Mitglieder angehören, bestimmt die strategischen Unternehmensziele und den Vorstand. „Jeder Familienstamm hat eine Stimme." Und jeder Familienstamm hält 20 Prozent an der Stiftung. Weitere 20 Prozent hält die bereits bestehende „Paul und Karin Gauselmann-Stiftung", die Kultur- und Sozialprojekte in der Region fördert. Maximal 50 Prozent des Gewinns (bei einer Eigenkapitalquote von 50 Prozent) fließen an die Stiftung, die über die Ausschüttung entscheidet. Der große Rest bleibt im Unternehmen.

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