Leicht wie ein Pullover: Qualitätsmanagerin Susanne Bergerhoff zeigt eine Schutzweste, in der Delcotex-Gewebe steckt. - © Christian Weische
Leicht wie ein Pullover: Qualitätsmanagerin Susanne Bergerhoff zeigt eine Schutzweste, in der Delcotex-Gewebe steckt. | © Christian Weische

Bielefeld Bielefelder Firma Delcotex liefert Stoff für Sicherheitswesten

Bedarf an schussfestem Gewebe steigt

Bielefeld. Schutzwesten gehören für Polizei, Sicherheitsdienste und Soldaten zur Standardausrüstung. Der aufgeflammte Terror im Herzen Europas rückt das Bedürfnis nach Sicherheit allerdings verstärkt ins öffentliche Bewusstsein – und beeinflusst vielleicht auch die Bestellungen. Delcotex, eine Tochterfirma des Textilunternehmens Delius, produziert aus hochfesten Kunstfasern – genannt Aramid – Gewebe für Schutzbekleidung. Aus dem Bielefelder Stoff werden Westen fabriziert, die kugelsicher sind wie ein Kettenhemd, aber leicht wie ein Pullover. Die Nachfrage werde maßgeblich von staatlichen Ausschreibungen bestimmt und sei derzeit wieder steigend, sagen Firmenchef Rudolf Delius und Geschäftsführer Thomas Stark. Was da im Delcotex-Werk im Bielefelder Norden aus gelbem Garn gewebt wird, sind keine gewöhnlichen Stoffe. „Wir machen Hightech-Produkte“, sagt selbstbewusst Rudolf Delius, und er weiß, dass die Branche und auch Behörden das ebenso sehen.Strenge Kontrollen Die Herstellung kugelsicherer Westen wird ähnlich streng kontrolliert wie die Waffenproduktion – vom Garn bis zur Endverarbeitung. „Ballistische Schutzwesten“ unterliegen zum Beispiel der sogenannten Dual-Use-Verordnung der EU, die für Produkte gilt, die sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen können. Ein Export ist nicht in alle Länder erlaubt, sagt Thomas Stark, und die Ausfuhr ist genehmigungspflichtig. Aber auch die Unternehmen der Branche selbst legen Wert auf Kontrolle: „Die Hersteller des Garns wollen verhindern, dass damit minderwertige Produkte hergestellt werden“, sagt Susanne Bergerhoff, die bei Delcotex die Qualitätssicherung leitet. Weltweit gebe es nur zwei maßgebliche Hersteller für den „Rohstoff“ Aramid, einer Variante der aus Kohlenstoffverbindungen bestehenden Polyamide. Ein Hersteller sitzt in den USA und ist bekannt für die Marke Kevlar, der zweite Anbieter ist ein japanischer Konzern, von dem die Delius-Tochter Delcotex das Garn bezieht. „Wir gehören weltweit zu den wenigen Unternehmen, die das Produkt verarbeiten dürfen“, sagt Delius.Der Rohstoff Aramid ist knapp Viele Firmen würden gern in das Geschäft einsteigen. Aber die Nachfrage nach Aramid sei höher als das Angebot, „der Rohstoff ist knapp“. Wettbewerb steht nicht im Vordergrund, denn aus dem Aramid entstehen Hochsicherheitsgüter, bei denen die Qualität wichtiger ist als der Preis. Und auch die Zahl der potenziellen Kunden, die das Delcotex-Gewebe weiterverarbeiten, sei verhältnismäßig klein, sagt Verkaufsmanager Kai Uwe Bielecki. Dementsprechend akribisch gehen die Bielefelder mit der Ausgangsware um, die auf 10 bis 15 Kilo schweren Spulen angeliefert wird. Schon beim Eingang wird das Garn von einem eigenen Labor umfassend geprüft, sagt Susanne Bergerhoff. Von den Spulen wird das Garn auf breite Walzen „gebäumt“, die dann direkt vor den großen Webstühlen im Delcotex-Werk platziert und abgespult werden – das Gewebe entsteht. Was an Resten übrig bleibt, muss zum Recycling an den Garnhersteller zurückgeschickt werden.Auch für Panzerung von Fahrzeugen Dicke und Dichte des produzierten Gewebes sind entscheidend für die Schuss- und Stichfestigkeit – für höhere Ansprüche ist ein mehrlagiger Einsatz möglich, zehn oder mehr Lagen sind denkbar. Während das Aramid-Gewebe innen wie ein Futter in die Westen eingenäht werden kann, kommen ergänzend bei Bedarf feste Aramid-Platten als Protektoren zum Einsatz. Die Außenhülle kann aus Stoffen wie dem von Delcotex neu entwickelten schwer entflammbaren Deliflame-Gewebe bestehen. Unter der Marke Cordura bieten die Bielefelder weitere, besonders abriebsichere Stoffe an. Zum Einsatz kommen Sicherheitstextilien von Delcotex nicht nur für den Schutz von Personen, sondern auch für die Panzerung von Fahrzeugen oder als Splitterschutz für Hausfassaden. „Delcotex liefert Hightech, hier in OWL produziert“, freut sich Rudolf Delius. „Und Delcotex hilft Menschen.“

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