Einblick in die Produktion: Ein Mitarbeiter checkt einen Geldautomaten im Wincor-Nixdorf-Werk in Paderborn. - © Martin Leissl
Einblick in die Produktion: Ein Mitarbeiter checkt einen Geldautomaten im Wincor-Nixdorf-Werk in Paderborn. | © Martin Leissl

Paderborn Interview mit Diebold-Nixdorf-Chefs: „Paderborn führt das Hardware-Geschäft“

Andy Mattes (Diebold) und Eckard Heidloff (Wincor Nixdorf AG) leiten künftig gemeinsam das neue Unternehmen

Martin Krause

Herr Heidloff, wie zufrieden sind Sie mit Diebolds Angebot? Eckard Heidloff: Den Aktionären wird ein fairer Preis angeboten. Am Ende ist aber entscheidend, ob die zusammengeschlossenen Unternehmen eine Zukunft haben. Das haben wir verglichen mit den Perspektiven bei weiterer Selbstständigkeit, und wir sehen nach reiflicher Überlegung den Zusammenschluss als die bessere Lösung. Der Weg dahin war vielleicht etwas steinig, man musste sich zusammenraufen und wichtige Punkte klären: Passen die Kulturen zusammen? Was sagen die Kunden, was sagen die Mitarbeiter? Die Entscheidung, als Diebold-Nixdorf den Weg in die Zukunft zu wagen, ist für mich der richtige Schritt. Herr Mattes, ist Diebold-Nixdorf stärker als Wincor allein? Andy Mattes: Wir haben drei Hauptargumente: Wir ergänzen uns erstens sehr stark in unserer Aufstellung auf dem Weltmarkt. Zweitens verdoppeln wir unser Know-how vor allem auf der Software-Seite, und wir bauen massiv unser Service-Netzwerk auf. Und zugleich können wir nennenswerte Synergie-Potenziale heben. Das ist attraktiv für die Kunden, für die Mitarbeiter, die tolle neue Chancen in einem globalen Unternehmen erhalten, und auch für die Aktionäre. Der Umsatz pro Kopf ist bei Diebold viel geringer als bei Wincor. Wieso? Mattes: Ja, das ist richtig, das liegt an der unterschiedlichen Service-Strategie. Diebold baut traditionell auf eigene Mitarbeiter im Service, Wincor hat mehr mit Fremdfirmen zusammengearbeitet. Hier ergibt sich auch ein großer Hebel für Synergien. Zum Beispiel haben wir in den USA ein Service-Team mit 3.000 Mitarbeitern. Wir können jetzt also die von Wincor aufgestellten Automaten mitwarten – und damit schaffen wir eine bessere Auslastung unseres Personals. Gerade im Service ist der Auslastungsgrad entscheidend. Herr Heidloff, was bedeutet die Übernahme für den Standort Paderborn? Heidloff: Canton in den USA ist der neue Firmensitz. Das neue Unternehmen wird aus zwei Headquartern heraus geführt – eines in North Canton und das andere in Paderborn. Beide Unternehmensteile haben ihre Stärken und Schwächen. Es wird eine Integration mit weltweiten Verantwortlichkeiten geben. Da wird Paderborn eine entscheidende Rolle im Bereich der Hardware-Systeme spielen – die Verantwortung für Hardwareprodukte wird also eher in Paderborn sein, während die Service-Verantwortlichkeit in North Canton sein wird. Das Hauptquartier für Software wird Utrecht, mit starkem Standbein in London, Kanada. Es gibt aber keine einseitigen Festlegungen, also dass es etwa für die Hardware-Systeme keine Entwicklungsteams mehr in North Canton gibt. Wir hatten bei Wincor Nixdorf bereits einen Personalabbau um 500 Stellen in Deutschland – also vor allem in Paderborn – vereinbart. Dieses Programm ziehen wir unverändert durch, aber darüber hinaus ist kein nennenswerter Personalabbau geplant. Die Verwaltung in Paderborn wird wohl abgebaut werden, da sind doch die Synergien zu heben, oder? Dort sind dann auch Stellen in Gefahr? Heidloff: Ja, in der Verwaltung müssen natürlich Synergien gehoben werden. Das ist allerdings nicht nur ein Thema für Paderborn. Es werden auch Verwaltungsregionen zusammengelegt, und da werden auch Synergien gehoben. Aber der genaue Plan, was das für Paderborn und für North Canton heißt, steht noch nicht fest – das müssen wir nun erarbeiten. Wie viele Mitarbeiter arbeiten in Paderborn in der Verwaltung? Heidloff: Wir trennen das so nicht, Verwaltung im engeren Sinne haben wir nicht definiert. Wir sind heute bei etwa 2.000 Mitarbeitern in Paderborn. Es wird Veränderungen geben, aber das muss ja nicht unbedingt negativ sein. Wir machen uns hier in OWL natürlich um Paderborn die meisten Sorgen. Ist Paderborn als Hardware-Standort weiter wettbewerbsfähig? Heidloff: Wir waren in der Vergangenheit immer wettbewerbsfähig und müssen uns immer wieder an die Marktgegebenheiten anpassen – das wird sich durch den Zusammenschluss nicht ändern. Wir müssen robuste, qualitätsmäßig hochwertige und innovative Hardware bieten. Wir können künftig eine bessere Kostenposition hinbekommen, zum Beispiel durch den Einbau gleicher Teile in mehr Geräte – und wir werden uns immer wieder neu erfinden müssen. Herr Mattes, ist Paderborn in ein paar Jahren nur noch ein Werk unter vielen in Ihrem Konzernverbund? Mattes: Nein, wie Eckard es gerade schon sagte: Wir führen 25.000 Menschen in einem Unternehmen zusammen. Bei jeder Firmenakquisition sind die Menschen, die das Unternehmen ausmachen, eines der wichtigsten Assets. Für uns ist es wichtig, dass wir die guten Leute – egal wo auf der Welt – halten, an das Unternehmen binden und ihnen eine langfristige Perspektive anbieten können. Mit neuen Wachstumschancen in einem globalen Unternehmen. Damit wird Paderborn für uns auch langfristig ein wichtiger Standort für die Gestaltung von Diebold-Nixdorf sein.

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