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Wirtschaft Wincor zahlt erstmals keine Dividende

Am Sitz in Paderborn will die Wincor Nixdorf AG „möglichst sozialverträglich“ hunderte Stellen abbauen

Martin Krause
10.11.2015 | Stand 10.11.2015, 06:30 Uhr

Düsseldorf/Paderborn. Eckard Heidloff, der Chef der Wincor Nixdorf AG, und Finanzchef Jürgen Wunram arbeiten seit 1993 zusammen. Heidloff heuerte 1983 bei Nixdorf an, Wunram wirkte für den Geldautomatenhersteller jahrelang als Berater und rückte 2007 in den Vorstand. Doch dass sie sich öffentlich mit „Eckard“ und „Jürgen“ ansprechen, fiel nun bei der Bilanzvorstellung in Düsseldorf erst so richtig auf. Amerikanische Umgangsformen, ein Hinweis auf die nahende Übernahme durch den US-Konkurrenten Diebold? „Nein, nein“, wehrte Wunram amüsiert ab, „wir kennen uns doch schon so lange“. Überhaupt wollten Heidloff und Wunram mit Hinweis auf Vertaulichkeitspflichten nichts Konkretes über die Übernahmeverhandlungen sagen. Dafür sprachen sie über das „mehr als spannende“ vergangene Geschäftsjahr, die verfehlten Ziele, das angelaufene Restrukturierungsprogramm mit dem Abbau von 1.100 Stellen und über die Hoffnungen, im neuen Jahr einen Gewinnsprung zu erzielen. Der Umsatz war im Geschäftsjahr 2014/15 (bis 30. September) um 2 Prozent auf 2,43 (Vorjahr 2,47) Milliarden Euro geschrumpft. Durch die im April gestartete Restrukturierung fielen erhöhte Aufwendungen an, so dass der Gewinn unterm Strich auf 8 (104) Millionen Euro schrumpfte. Der Gegenwind bläst aus verschiedenen Richtungen: So blieb in wichtigen Hoffnungsmärkten der Umsatz hinter den Erwartungen zurück, wie Heidloff erklärte – zum Teil, weil die Flauten in Ländern wie Brasilien und Russland zu Abwertungen und Investitionshemmungen führten. Das China-Geschäft werde zudem durch eine Besinnung auf lokale Anbieter und Protektionismus getrübt. Allgemein litten die Hersteller von Banking-Geräten unter Filialschließungen, Investitionszurückhaltung und einer „massiven Verunsicherung“ der Banken, die auch die Zukunft des Bargelds betrifft. Noch größer als im Bankingbereich, wo die Umsätze immerhin um 1 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro stiegen, waren die Enttäuschungen im Geschäft mit dem Einzelhandel, wo weniger Großaufträge und Preisverfall zu 6 Prozent Umsatzrückgang führten. „Wir sind nicht angeschlagen, wie geschrieben wurde“, betonte Heidloff, aber die Entwicklung habe ein Umsteuern nötig gemacht. Stärken will der Konzern sein Geschäft mit Software und IT-Services. Im Hardware-Bereich sieht sich Wincor hingegen vermehrt zum Einkauf von Vorleistungen gezwungen sowie zur Verlagerung der Produktion etwa nach Osteuropa. In Paderborn, wo die Zahl der Mitarbeiter bereits auf 1.960 geschrumpft ist, steht der Löwenanteil des Stellenabbaus noch bevor. Die Gespräche mit dem Betriebsrat laufen, sagten Heidloff und Wunram. Bis zu 500 Jobs sollen in Deutschland wegfallen, der Großteil davon am Konzernsitz. Im Fokus seien etwa die Vorfertigung und der Werkzeugbau. Genaue Zahlen aber mochten die Vorstände nicht nennen. Für das Restrukturierungsprogramm seien bereits 80 (von insgesamt 120) Millionen Euro aufgewand worden. 450 von bis zu 1.100 Stellen weltweit seien abgebaut. Dass die Mitarbeiterzahl konzernweit „nur“ von 9.200 auf 9.100 sank, sei eine Folge von Neueinstellungen in anderen Bereichen. Vom angepeilten jährlichen Einspareffekt seien bereits 50 Millionen Euro realisiert. Daher rechnet Wincor-Chef Heidloff schon im laufenden Jahr mit einem Gewinnsprung: Das operative Ergebnis (Ebita) soll 2015/16 von 22 Millionen Euro auf 110 Millionen Euro klettern. Eine Dividende will Wincor im Frühjahr 2016 erstmals nicht zahlen: „Wenn wir wie üblich die Hälfte des Gewinns ausschütten, ginge es nur um Cent-Beträge“, sagte Wunram dazu. Doch mit 26 Prozent Eigenkapitalquote sei der Konzern finanziell stabil: „Wir haben auch als eigenständiges Unternehmen eine Perspektive.“ Wincor Nixdorf vor ungewisser Zukunft Kommentar von Martin Krause Konzernchef Eckard Heidloff und Finanzchef Jürgen Wunram wollen die Wincor Nixdorf AG so teuer wie möglich verkaufen – wenn überhaupt. Deswegen betonen sie, dass der Geldautomatenhersteller auch allein bestehen könnte und dass das Restrukturierungsprogramm erfolgreich angelaufen sei. Es sieht aus, als würden sich die Paderborner doch etwas dagegen sträuben, mir nichts dir nichts von einem Konkurrenten geschluckt zu werden. Auch die Tatsache, dass noch keine weiteren Details der Übernahme bekannt gemacht wurden, deutet darauf hin, dass die Gespräche kein Selbstläufer sind. Auf Augenhöhe laufen die Verhandlungen wohl nicht. Auch wenn Wincor etwas anderes ist als ein Pfund Brot – ein Kaufobjekt ist nie auf Augenhöhe mit dem Käufer. Und es deutet nichts darauf hin, dass Heidloff die Gespräche mutwillig platzen lassen würde. Zu sehr fürchtet er den Zorn den Aktionäre. Wenn Diebold also ein Angebot macht, das die Wincor-Vorstände nicht ablehnen können, entscheiden die Aktionäre. Bis dahin ist alles möglich. Kontakt zum Autor

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