Übernahmegespräche: Eckhard Heidloff, Vorstandsvorsitzender bei Wincor-Nixdorf, und Aufsichtsratsvorsitzender Alexander Dibelius. - © Marc Köppelmann
Übernahmegespräche: Eckhard Heidloff, Vorstandsvorsitzender bei Wincor-Nixdorf, und Aufsichtsratsvorsitzender Alexander Dibelius. | © Marc Köppelmann

Paderborn Amerikaner greifen nach Wincor Nixdorf

Diebold, die Nummer 2 unter den weltgrößten Geldautomatenherstellern, will die Nummer 3 aus Paderborn schlucken


Paderborn. 16 Jahre lang galt die Wincor Nixdorf AG als legitimer Nachfolger des legendären Computerherstellers Nixdorf, der 1990 von Siemens geschluckt worden war. Doch der Paderborner Geldautomatenhersteller steht nun erneut vor dem Verlust der Eigenständigkeit. Das US-amerikanische Konkurrenzunternehmen Diebold streckt die Hände aus und bietet nun 1,73 Milliarden Euro für die Übernahme von Wincor. Die Mitteilung, die Wincor-Nixdorfs Vorstandschef Eckard Heidloff am Samstagnachmittag auf den Weg brachte, klingt ganz harmlos: Das Unternehmen „befindet sich derzeit in Gesprächen mit Diebold, Incorporated, mit Sitz in North Canton, Ohio (USA), über einen möglichen Zusammenschluss“. Doch dahinter verbirgt sich eine echte Übernahme. Die Amerikaner wollen den Aktionären Geld und Diebold-Aktien im Wert von 52,50 Euro je Aktie bieten. Das ist ein Aufschlag von 35 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Auch andere, noch geheime Details sind bereits am 24. September in einem Eckpunktepapier („Term sheet“) fixiert worden. In trockenen Tüchern ist der Firmenkauf noch nicht: „Erst finden weitere Gespräche und Prüfungen statt“, erklärte Konzernsprecher Andreas Bruck. Vor allem müssen Firmenwerte und Übernahmerisiken noch analysiert werden.Gespräche seit April Während Diebold (16.000 Mitarbeiter) besonders in Nordamerika stark vertreten ist, gilt Wincor Nixdorf (9.000 Mitarbeiter) als Schwergewicht in Europa. Fusioniert wollen beide den Weltmarktführer NCR überflügeln. Am Firmensitz in Paderborn schlug die Nachricht nicht völlig überraschend ein, es hatte seit April wiederholt entsprechende Gerüchte gegeben. Carmelo Zanghi, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Paderborn, hofft, „dass mit der Neustrukturierung nicht die Arbeitsplätze wegfallen und dass alle Bereiche, die bisher in Paderborn sind, auch hier bleiben“. Die wichtigste Aufgabe für die Gewerkschaft sei es, mit dem künftigen Management die Perspektive zu besprechen. Die Forderung der IG Metall sei ganz klar „der Erhalt möglichst vieler innovativer und zukunftsfähiger Arbeitsplätze in Paderborn“. Paderborns Bürgermeister Michael Dreier war von Wincor-Sprecher Bruck über die Pläne informiert worden. Für die IT-Stadt Paderborn, in der es etwa 10.000 Arbeitsplätze in dem Bereich gebe, sei es eine Hiobsbotschaft, so Dreier. „Aus Sicht der Stadt ist es wichtig, dass der Standort und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Klar sei aber, dass es Stellenabbau geben werde. Lesen Sie hier den Kommentar von Wirtschaftsredakteur Martin Krause!

realisiert durch evolver group