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Tausende Betriebsrentner, die bei der Generali-Gruppe in Deutschland angestellt waren, sollen sich mit weniger Geld begnügen. - © dpa
Tausende Betriebsrentner, die bei der Generali-Gruppe in Deutschland angestellt waren, sollen sich mit weniger Geld begnügen. | © dpa

Bielefeld Betriebsrentner der Generali-Gruppe sollen weniger Geld bekommen

4.300 Ex-Volksfürsorge-Mitarbeiter betroffen

Andrea Frühauf
12.08.2015 | Stand 12.08.2015, 20:54 Uhr

Bielefeld. Tausende Betriebsrentner, die bei der Generali-Gruppe in Deutschland angestellt waren, sollen sich mit weniger Geld begnügen, als ihnen gesetzlich zusteht. Betroffen sind nach Informationen dieser Zeitung allein 4.300 Betriebsrentner, die bei der ehemaligen Volksfürsorge gearbeitet haben. Die Volksfürsorge war Ende 2014 mit den Generali-Versicherungen verschmolzen und hat damit ihren eigenen Namen verloren. Die Geschäftsführung der Generali-Gruppe (Generali-Versicherungen, Aachen Münchener, Badenia, Cosmos Direkt, Central) plant nun eine Kürzung der jährlichen Anpassung der Betriebsrenten. Obwohl die gesetzlichen Renten zum 1. Juli in den alten Bundesländern um 2,1 Prozent angehoben wurden, sollen Betriebsrentner sich nur mit einer Erhöhung von 0,5 Prozent begnügen, wie aus einem dieser Zeitung vorliegenden internen Schreiben des Gesamtbetriebsrates hervorgeht. Betroffen sind demnach nicht nur Rentner mit Leistungen nach den Versorgungswerken "BVW" und "VO 85", sondern in ähnlicher Form auch Leistungsempfänger aus anderen Versorgungswerken, Einrichtungen und Verträgen. Betriebsräte und Gesamtbetriebsräte sind empört, pochen auf die Sicherung von Besitzständen. Betriebs- und Gesamtbetriebsräte, die der Konzernvorstand anhören will, haben ihre ablehnende Stellungnahme bereits abgegeben.Möglicher Verstoß gegen vereinbarte Regelung Die Arbeitnehmervertreter werten die Pläne als Verstoß gegen betrieblich vereinbarte Versorgungsregelungen, wonach die Rentenleistungen entsprechend den gesetzlichen Renten erhöht werden müssen. Ein Abweichen von diesen vereinbarten Regelungen sei nur zulässig, wenn das Unternehmen wirtschaftlich nicht in der Lage sei, die höheren Renten zahlen zu können. "Diese Situation ist für die Generali-Versicherungen ganz sicher nicht gegeben", heißt es in dem Schreiben mit Verweis auf das 2014 erzielte "herausragende Geschäftsergebnis" mit einem Jahresüberschuss von 236 Millionen Euro. Deshalb hat der Gesamtbetriebsrat das Vorgehen der Geschäftsleitung abgelehnt. Gegenüber der Neuen Westfälischen lehnten Betriebsräte jedoch jeden Kommentar ab, da mit der Geschäftsleitung noch verhandelt werde. Auch vom Unternehmen gab es keine Stellungnahme. Allein in Bielefeld sind vermutlich gut 200 Rentner betroffen. Die Volksfürsorge, die 1913 als gewerkschaftlich-genossenschaftliche Aktiengesellschaft gegründet und 2009 mit Generali Deutschland fusioniert worden war, hatte fast nur Angestellte beschäftigt. Einzig in Bielefeld gab es zwei Geschäftsstellen. Der Standort hatte große Bedeutung: In Bielefeld war die Volksfürsorge einst für ganz Westfalen zuständig. Trotz guter Geschäftszahlen krempelt Konzernchef Mario Greco Generali Deutschland radikal um. Kosten sollen in Niedrigzinszeiten massiv gesenkt und Rückstellungen für Betriebsrenten gedrückt werden. Die Generali-Versicherung wurde mit der Generali-Lebensversicherung verschmolzen. Die Deutschlandholding wird von Köln nach München verlegt. Der Verkauf von klassischen Lebensversicherungen mit Zinsgarantien an Privatleute wurde faktisch eingestellt. Generali Deutschland verkauft Produkte nur über Vertreter, per Internet und über den Großvertrieb DVAG der Familie Pohl.

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