Angespannte Gesichter: Vorstandsvorsitzender Rüdiger Kapitza (erste Reihe v.l.), Aufsichtsratschef Raimund Klinkner und Aufsichtsrat Masahiko Mori, der Chef des japanischen Mutterkonzerns, auf dem Podium. - © Jörg Dieckmann
Angespannte Gesichter: Vorstandsvorsitzender Rüdiger Kapitza (erste Reihe v.l.), Aufsichtsratschef Raimund Klinkner und Aufsichtsrat Masahiko Mori, der Chef des japanischen Mutterkonzerns, auf dem Podium. | © Jörg Dieckmann

Bielefeld Zäher Schlagabtausch auf Hauptversammlung der DMG Mori AG

Neunstündiges Aktionärstreffen

Martin Krause

Bielefeld. Das erste Aktionärstreffen nach der mehrheitlichen Übernahme des Maschinenbauers DMG Mori Seiki AG ist zu einem zähen Schlagabtausch zwischen Vorstandschef Rüdiger Kapitza und einer sehr kleinen Schar rebellischer Kleinaktionäre geraten. Der neue US-amerikanische Großaktionär Paul E. Singer und sein Hedgefonds Elliott, die über 11,7 Prozent der Aktien verfügen und vor wenigen Tagen Ansprüche auf Einfluss angemeldet hatten, hielten sich während der neunstündigen Versammlung aber völlig bedeckt. Wie die Elliot-Vertreter schwieg auch Masahiko Mori, der Chef des nun mit 52,5 Prozent tonangebenden Mutterkonzerns, eisern. Zu Wort meldeten sich dafür der häufig bei Firmenübernahmen auftauchende Aktionär Karl-Walter Freitag sowie der Berliner Rechtsanwalt Martin Weimann, der sich als Vertreter von Interessen der Minderheitsaktionäre versteht.Hartnäckige Nachfragen Beide hinterfragten hartnäckig die Kooperation der zwei Maschinenbaukonzerne seit 2009 und die Umstände des japanischen Übernahmeangebots im Januar 2015. Stundenlang wurde darüber diskutiert, wie Kapitza im Januar gegenüber Analysten das japanische Kaufangebot bewertet hatte. Hatte er die gebotenen 27,50 Euro als hohen Preis bezeichnet, auf den er „keinen Cent drauflegen“ würde (woran er sich er sich heute aber nicht mehr erinnern will)? Hatte er gesagt, dass die Gewinnaussichten für 2015 schlechter als 2014 seien, weil die Lage „sehr schattig“ geworden sei? Er habe den „Verdacht, dass der Kapitalmarkt getäuscht und an der Nase herumgeführt“ wurde, polterte Freitag und unterstellte, dass den Aktionären mit der eingetrübten Prognose „die Aktien abgeschwätzt“ werden sollten. Kapitza mache sich Sorgen „um das Portemonnaie von Herrn Mori“, ätzte Freitag und beschimpfte Kapitza indirekt als „Steigbügelhalter“ – mit Verweis darauf, dass das Angebot dann doch auf 30,55 aufgestockt wurde.Freitag provozierte mit Zwischenrufen Anwalt Weimann drohte Kapitza mehr als einmal gar mit strafrechtlicher Relevanz seiner Äußerungen vor der Hauptversammlung. Der prominente Düsseldorfer Strafverteidiger Sven Thomas, der im Saal unübersehbar in der zweiten Reihe saß und der Kapitza früher bei juristischem Ärger zur Seite stand, dürfte es hellhörig zur Kenntnis genommen haben. Kapitza wiederholte, der im Januar gebotene Preis von 27,50 sei mehr als „fair value“ gewesen – niemals seien höhere Kurse für Aktien der früheren Gildemeister AG notiert worden. Gutachten hätten zuvor Kurse von gut 24 Euro als fairen Wert pro Aktie ergeben. „Und erst nach dem Kaufangebot sind die Märkte explodiert“ erinnerte er. Während Weimann eher höflich zur Sache ging, sorgte Freitag mit Zwischenrufen und Provokationen für Turbulenz. Dabei hatte die 113. Hauptversammlung ausgesprochen harmonisch begonnen, und Kapitza hatte auch ein Bekenntnis zu Bielefeld abgegeben. Wegen der Fusion werde der Standort gewiss nicht aufgegeben, fast 1.000 der konzernweit 7.200 Mitarbeiter hätten hier sichere Hightech-Arbeitsplätze."Die Zahlen sprechen für sich" „Die Erfolgsgeschichte von DMG ist weitergegangen“, lobte Aktionärsschützer Carsten Heise (DSW) mit Blick auf die Rekordzahlen für Auftragseingang, Umsatz (2,23 Milliarden Euro) und Gewinn (netto 121,1 Millionen Euro) im Jahr 2014: „Die Zahlen sprechen für sich.“ Mit Verweis auf den Einstieg des US-Investors Elliott spekulierte Heise, dass das satte Liquiditätspolster von 430 Millionen Euro Begehrlichkeiten wecken könnte. Und vorsichtig brach er noch einmal eine Lanze für die alte Gildemeister AG: „Hier steckt viel Technologie drin“, sagte er, und eine Übernahme durch den kleineren japanischen Partnerkonzern wäre daher aus standortpolitischer Sicht „sehr schade“. Kapitza erklärte ausführlich, dass die Übernahme wegen der fortgeschrittenen Kooperation der beiden Partnerkonzerne auch aus kartellrechtlichen Gründen nötig geworden sei. Fragen zum Großaktionär Elliott beantwortete er nur knapp: Bei einem Treffen habe es „keinen Druck und keine bösen Worte“ von Seiten Elliotts gegeben. Ein mögliches Ziel der Amerikaner seien höhere Dividendenzahlungen: „Das nehme ich sehr ernst – das wollen Sie ja auch“, sagte er den Aktionären. Und erntete Applaus.

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