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Bielefeld So schalten Immobilienkäufer das Zinsrisiko aus

Baugeld so günstig wie lange nicht mehr

Von Jürgen Lutz
18.11.2014

Bielefeld. Bauherren leben zurzeit im Paradies, denn die Hypothekenzinsen sind so niedrig wie nie: Nicht einmal zwei Prozent an Zinsen werden für zehnjährige Baudarlehen fällig. Doch statt auf möglichst niedrige Zinsen sollten Hauskäufer lieber auf Laufzeiten von 20 Jahren und mehr setzen. Denn so kann ihnen ein späterer Zinsanstieg kaum noch etwas anhaben. Zudem lässt sich die Restschuld in 20 Jahren mit einem Bausparvertrag ablösen - zu den extrem niedrigen Zinsen von heute.

Zum Jahresbeginn hatten Experten fast einmütig erklärt, dass sie einen Anstieg der Anleihezinsen erwarten. Doch es geschah das Gegenteil: Von rund 2,5 Prozent sanken die zehnjährigen Baudarlehen im Laufe des Jahres auf nun 1,9 Prozent.

Information
Ein Bausparvertrag ist ein Sparvertrag, um wohnwirtschaftliche Maßnahmen zu finanzieren. Wer ihn abschließt, verpflichtet sich, nach einem bestimmten Modus Geld anzusparen, bis ein Mindestguthaben erreicht ist.

Im Gegenzug erwirbt er bei der Bausparkasse einen Rechtsanspruch auf ein Darlehen mit einem bestimmten Volumen und einem feststehenden Zins. Dieses Bauspardarlehen darf nach der Zuteilung nur für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Das Guthaben des Bausparers kann auch anders eingesetzt werden.

"Dass die Anleihezinsen erneut so rapide gesunken sind, hat vor allem mit der Flucht der Großanleger in sichere Bundesanleihen zu tun", sagt Jürgen Grüneklee von der Paderborner Grüneklee Wealth Management. Der Finanzexperte sieht vor allem die Ukrainekrise sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen in vielen islamischen Ländern als Gründe für den erneuten Ansturm auf Staatspapiere. Auch die schwächelnde Konjunktur in der Euro-Zone spiele eine Rolle. Vor diesem Hintergrund gebe es derzeit "keinen Grund, warum die Zinsen in naher Zukunft steigen sollten", so Grüneklee.

Nicht jede Laufzeit eignet sich

Doch nur weil Baugeld so günstig ist wie nie, eignet sich nicht jede Laufzeit für die Baufinanzierung. Mirko Albert von der Value Experts Vermögensverwaltungs AG in Bielefeld warnt Interessenten davor, sich von den niedrigen Zinsen fünf- oder zehnjähriger Darlehen blenden zu lassen. Er rät stattdessen, die gesamte Finanzierungszeit in den Blick zu nehmen. "Zehnjährige Baudarlehen sind derzeit so ziemlich die schlechteste Wahl", sagt der Vermögensverwalter.

Denn solche Darlehen seien im Schnitt einen halben Prozentpunkt teurer als fünfjährige Kredite; gleichzeitig sei die Restschuld am Ende der Laufzeit immer noch sehr hoch. Besser aus Sicht langfristig denkender Kunden sind Kredite mit einer Zinsbindung von mindestens 15 Jahren. Denn Baudarlehen können nach zehn Jahren mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden. Sollten die Zinsen im Jahr 2025 auf heutigem Niveau oder darunter liegen, kann der alte Kredit gekündigt und in einen neuen Kredit umgeschuldet werden.

Wer indes nicht an einen weiteren markanten Zinsrückgang glaubt, sollte jetzt auf eine Zinsbindung von 20 Jahren und mehr setzen. "Die Zinsen sind zwar etwas höher als für kürzer laufende Kredite, doch im Gegenzug kann man hinter die Finanzierung dann getrost einen Haken machen", bilanziert Grüneklee. Der Grund: In einer solchen Zeitspanne werden die meisten Darlehen ganz oder größtenteils getilgt, so dass ein möglicher Zinsanstieg keine oder nur eine geringe Rolle spielt.


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