Rentenkasse versorgt 221.000 Deutsche im Ausland

Anzahl deutscher Ruheständler außerhalb der Bundesrepublik wächst

VON FLORIAN PFITZNER
Rentenkasse versorgt 221.000 Deutsche im Ausland - © Rente
Rentenkasse versorgt 221.000 Deutsche im Ausland | © Rente

Düsseldorf. Die gesetzliche Rentenkasse überweist immer mehr Geld ins Ausland. 2013 wurden von 25,2 Millionen monatlichen Renten 1,72 Millionen in andere Staaten überwiesen, fast doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Davon gingen 221.766 Renten an deutsche Ruheständler, die im Ausland lebten.

Der Anteil der sogenannten Auslandsrenten hat sich auf 6,9 Prozent erhöht. Das geht aus einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund hervor. Die Altersgelder fließen überwiegend in Länder der EU.

Rentenexperte Bernd Raffelhüschen führt den Anstieg vor allem auf die veränderte Arbeitswelt und die Wanderungsbewegungen nach Deutschland in den 60er und 70er Jahren zurück. In dieser Zeit kamen, ausgelöst durch Anwerbeabkommen mit anderen Staaten, viele junge Arbeitnehmer etwa aus Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei nach Deutschland, um einem Beruf nachzugehen.

- © SYMBOLFOTO: DPA
| © SYMBOLFOTO: DPA

Damals angeworbene Gastarbeiter haben inzwischen die Altersgrenze erreicht. "Einige von ihnen sind in ihre Heimat zurückgekehrt und erhalten nun ihre Rente aus Deutschland für die Zeit ihres Erwerbs", sagt der Freiburger Ökonom. 1,5 Millionen Auslandsrenten werden nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung an Bürger anderer Nationen gezahlt.

Zudem gehen 221.000 Renten an deutsche Ruheständler, die außerhalb der Bundesrepublik leben. Ihre Anzahl ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa 40 Prozent angewachsen. Beliebtestes Aufenthaltsland deutscher Rentner war im vorigen Jahr die Schweiz (25.445), knapp vor den Vereinigten Staaten (25.224).

Dahinter reihten sich die EU-Länder Österreich (21.795), Spanien (19.147) und Frankreich (16.154) ein. "Die Freizügigkeit in der Europäischen Union und auch die gemeinsame Währung erleichtern es Rentnern, den Alterssitz in das EU-Ausland zu verlegen", sagt Andreas Feuser von der Deutschen Rentenversicherung.

Wer in Deutschland Rentenansprüche aus Beitragszeiten im Bundesgebiet erworben hat, erhält seine Rente unabhängig von seiner Staatsangehörigkeit ungekürzt in alle Länder überwiesen. "Die Rente ist ein grundgesetzlich garantiertes Eigentum, weil sie sich auf die eingezahlten Beiträge stützt", erklärt Peter Weiß, Rentenfachmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Es handelt sich also um das Vermögen der Versicherten.

Generell sieht Weiß dem Zahlenwerk eine erfreuliche Entwicklung zugrunde liegen. "Ganz selbstverständlich leben inzwischen viele deutsche Ruheständler auf Mallorca oder in anderen südlichen Gefilden", sagt der Bundestagsabgeordnete.

Dazu ziehe eine Minderheit von Gastarbeitern zurück zu Familien und Freunden in ihre Heimatländer. "Ein- und Auswandern konzentriert sich heute nicht mehr nur auf die junge Generation, sondern auch auf gesunde und mobile ältere Menschen."

Feuser schätzt die Gruppe der Auslandsrentner noch etwas heterogener ein. "Rentenbezieher im Ausland haben nicht selten auch eine Versicherungsbiografie mit ausländischer Komponente."

Er verweist darauf, dass es in Deutschland für den Rentenanspruch ausreicht, fünf Jahre lang Versicherungsbeiträge eingezahlt zu haben. "Wer im Alter von 30 oder 40 Jahren auswandert und an seinem neuen Lebensmittelpunkt bleibt, erhält natürlich eine niedrigere Rente aus dem Heimatland."

Weitere Einschränkungen kann es bei Erwerbsminderungsrenten oder bei Rentenansprüchen nach dem Fremdrentengesetz geben. "Wer ins Ausland zieht, sollte sich daher zuvor immer bei der gesetzlichen Rentenversicherung informieren", empfiehlt Feuser.

Auch die Auswirkungen auf die Krankenversicherung der Rentner sollten vorher mit der Versicherung geklärt werden. Andere soziale Leistungen lassen sich im Übrigen nicht so einfach über Grenzen transferieren. "Das Arbeitslosengeld II etwa darf man nur in Deutschland für einen deutschen Lebensstandard beziehen", erklärt CDU-Politiker Weiß.

Und was ist mit dem Kapitalabfluss? "Schlägt kaum zu Buche", sagt Rentenexperte Raffelhüschen. "Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind sehr gering." Und sowieso, meint Weiß, lande das meiste Geld in den Mitgliedsstaaten der EU. "Die deutsche Wirtschaft ist so eng mit der europäischen verwoben, da bleibt das Geld im Grunde in der Familie."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group