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Auf einem Feld in Hamburg werden Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Sie stehen im Verdacht, Parkinson zu begünstigen. - © picture alliance
Auf einem Feld in Hamburg werden Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Sie stehen im Verdacht, Parkinson zu begünstigen. | © picture alliance

Landwirtschaft Parkinson durch Pestizide: Regierung prüft "Berufskrankheit" für Bauern

Studien belegen, dass Landwirte häufiger an Parkinson erkranken als andere. Schon lange gibt es den Verdacht, dass es einen Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden gibt.

Leandra Kubiak
16.08.2019 | Stand 16.08.2019, 11:25 Uhr

Bielefeld. Haben Landwirte, die regelmäßig mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten, ein signifikant höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken, als der Rest der Bevölkerung? Dieser Frage geht das Bundesarbeitsministerium (BMAS) derzeit nach. Sollte sich ein solcher Zusammenhang bestätigen, könnte Parkinson durch Pestizide als Berufskrankheit anerkannt werden. Für betroffene Landwirte und Gartenbauer würde das einen entscheidenden Unterschied machen: Mit der Anerkennung als Berufskrankheit hätten sie Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie könnten dann zum Beispiel Reha-Maßnahmen und die Zahlung einer Rente in Anspruch nehmen. Bundesinstitut befasst sich seit 20 Jahren mit dem Thema Der Verdacht, dass der Einsatz von Pestiziden Parkinson fördert, ist nicht neu. Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei zum Thema mitteilt, hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung in den vergangenen 20 Jahren immer wieder mit einem möglichen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und der Entstehung von "Morbus Parkinson" beschäftigt. Dass tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht, konnte bisher jedoch nicht mit ausreichend wissenschaftlichen Daten belegt werden. "Angesichts der Situation der Betroffenen ist es zynisch, wenn die Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit weiter verweigert wird", kommentiert Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, die Antwort der Bundesregierung. Erster Schritt in Richtung Berufskrankheit getan Ein erster Schritt in Richtung der Anerkennung als Berufskrankheit ist bereits getan: Im Juni wurde bestimmten Stoffen aus dem Bereich der Pestizide die "generelle Geeignetheit" bescheinigt, Parkinson auszulösen. In einem zweiten Schritt geht es nun darum, zu klären, ob Menschen, die beruflich mit Pestiziden zu tun haben, tatsächlich ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko haben, als der Rest der Bevölkerung. Untersucht wird das vom Ärztlichen Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" (ÄSVB) des Bundesministeriums für Arbeit. Der ÄSVB geht davon aus, dass die Prüfung noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Der Linken geht das nicht schnell genug. Sie fordert einen Abschluss der Prüfung innerhalb eines Jahres und "die längst überfällige Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit". Menschen aus dem ländlichen Raum sind häufiger betroffen Prof. Christoph Redecker ist Chefarzt der Neurologie am Klinikum Lippe und bestätigt: "Landwirte erkranken häufiger an Parkinson als andere." Das würden verschiedene Studien belegen. Allgemein seien Menschen, die auf dem Land leben, häufiger von der Krankheit betroffen als Menschen, die in der Stadt leben. In der Forschung werde angenommen, dass Pestizide zu den Faktoren zählen, die die Erkrankung begünstigen. Auch Umweltverschmutzung werde als Faktor für die Entstehung der Krankheit angenommen, sagt Redecker. Abschließend geklärt sei die Frage nach Ursache und Wirkung aber nicht. Allgemein seien in Bezug auf die Entstehung von Parkinson noch viele Fragen ungeklärt, sagt der Facharzt. Es gebe erbliche Formen der Krankheit, die aber eher selten vorkommen. Darüber hinaus wird angenommen, dass eine Art Neigung zu Parkinson vererbt werden kann. Erste Anzeichen könnten bestimmte Schlaf- und Riechstörungen sein. Parkinson könnte aber bislang erst diagnostiziert werden, sobald die ersten motorischen Störungen auftreten, erklärt der Neurologe. Auch die Darmflora könnte Einfluss auf Entstehung von Parkinson haben Erste Anzeichen dafür, dass ein Mensch von Parkinson betroffen ist, können heute im Darm erkannt werden. Man geht inzwischen auch davon aus, dass das Mikrobiom, also die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, einen Einfluss auf die Entstehung der Krankheit hat. Dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband ist es zu früh, Stellung zu dem Thema zu beziehen. Bisher sei nicht bestätigt, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt, sagt Sprecher Hans-Heinrich Berghorn. Man wolle sich äußern, sobald abschließende Ergebnisse der Bundesregierung vorliegen, heißt es.

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