0
Hobby-Imker: Justizvollzugsbeamter Florian Reitmeier. - © Leandra Kubiak
Hobby-Imker: Justizvollzugsbeamter Florian Reitmeier. | © Leandra Kubiak

Bielefeld/Verl Bienenzucht im Gefängnis: Ein Besuch in der JVA Bielefeld-Senne

Hunderttausende Bienen tummeln sich auf dem Gelände der JVA in Senne. Pflege und Honigproduktion sollen den Häftlingen eine sinnvolle Beschäftigung bieten.

Leandra Kubiak
13.08.2019 | Stand 15.08.2019, 10:55 Uhr

Bielefeld/Verl. Die Außenstelle der JVA Bielefeld Senne in Verl hat vor kurzem neue "Mitbewohner" bekommen: Zwischen 250.000 und 400.000 kleine, fleißige Honigbienen tummeln sind seit einigen Wochen auf dem Gelände der JVA. Gepflegt werden sie von Häftlingen unter 27 Jahren, die Teil des sogenannten Jungtäterprojekts sind. Durch die Arbeit mit den Bienen lernen die jungen Männer, wie Honig gewonnen wird - von der Pflege der Bienen bis hin zum Abfüllen des fertigen Produkts. "Ziel des Projekts ist es, den Häftlingen ein sinnvolles Freizeitangebot zu bieten", erklärt Florian Reitmeier, Justizvollzugsbeamter der JVA Verl und Hobby-Imker. Die Teilnahme sei freiwillig, sagt er. Wer neugierig ist, was es bedeutet, mit Bienen zu arbeiten und selbst Honig zu gewinnen, könne sich dem Projekt anschließen. Im Hafthaus in Bielefeld-Senne wird das Konzept bereits seit mehreren Jahren erprobt. Hier richtet es sich an die Lebensälterenabteilung, also an Inhaftierte, die älter als 60 Jahre sind. Norbert ist einer von ihnen und arbeitet seit diesem Frühjahr mit den Bienen. Geschuldet ist das nicht zuletzt seiner persönlichen Vorliebe für Honig. "Mich hat es interessiert, wie Honig eigentlich entsteht", sagt er. 40 bis 50 Kilogramm Honig pro Jahr Im Juli ist er bereits in den Genuss gekommen, seinen eigenen Honig zu ernten. 40 bis 50 Kilogramm würden in Senne pro Jahr produziert, sagt Reitmeier. Ein besonderer Vorzug für die Teilnehmer: Wer mithilft, darf sich für den Eigenbedarf so viel Honig mitnehmen, wie er möchte. Der Rest wird im Café der JVA verkauft. Norbert ist sich sicher: Er möchte in Zukunft auch zuhause mit dem Imkern weitermachen. Felix ist erst seit kurzem dabei. Wegen Fahrens ohne Führerschein und Fahnenflucht befindet er sich im Jungtäterprojekt im offenen Vollzug in Verl. Auch er wollte mehr über Bienen und die Gewinnung von Honig erfahren. "Es geht auch darum, Verantwortung zu übernehmen", erklärt Frank Baucke, Bereichsleiter Freizeitgestaltung der JVA Bielefeld-Senne. Darüber hinaus sollen über das Projekt Jung und Alt zusammengebracht werden. In Zukunft sollen die Teilnehmer aus Senne und aus Verl regelmäßig gemeinsam an einem der Standorte mit den Bienen arbeiten. "Bei den Jüngeren wird der Austausch hoffentlich dazu führen, dass ihnen bewusst wird, dass sie im Alter nicht wieder hier sein wollen", sagt Reitmeier. Bienen-Projekt dient auch dem Umweltschutz Ein schöner Nebeneffekt des Imker-Projekts ist, dass es auch dem Umweltschutz dient. An den beiden beteiligten Standorten der JVA Bielefeld-Senne wurden jeweils fünf Bienenstöcke aufgestellt, die pro Standort bis zu 400.000 Bienen beherbergen. Bielefeld-Senne ist damit eine von mehreren Anstalten innerhalb Nordrhein-Westfalens, die Bienen züchten. Unter anderem in Remscheid, Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen und Schwerte gibt es ähnliche Projekte. Auch in der JVA Herford hat es Überlegungen gegeben, ein Bienen-Projekt umzusetzen. Die dafür geeignete Fläche befinde sich jedoch außerhalb des umwehrten Bereichs, wie der Leiter der Anstalt auf Anfrage der NW mitteilt. Beteiligen könnten sich daher nur Gefangene, die für vollzugliche Lockerungen geeignet seien. Hier würden jedoch zu wenige infrage kommen, um ein solches Projekt zu stemmen. In der JVA Bielefeld-Brackwede werden mangels geeigneter Freiflächen keine Bienen gehalten. Wie Uwe Nelle-Cornelsen, Leiter der Anstalt, sagt, habe man aber in diesem Jahr begonnen, Rasenflächen wegen des Insektensterbens in Wildblumenflächen umzuwandeln. Honig wird in Senne und in Verl in diesem Jahr nicht mehr geerntet. Die Saison ist vorbei. Zu tun gäbe es aber trotzdem genug, versichert Reitmeier. Aktuell gilt es beispielsweise, der Varroamilbe den Kampf anzusagen. Diese nistet sich in den Bienenstöcken ein und bedroht das Überleben der Kolonien. Ameisensäure helfe, die Milbe zu vernichten und so das Überleben der Bienen bis ins nächste Frühjahr zu sichern, sagt Reitmeier. Und dann geht die neue Honigsaison wieder los.

realisiert durch evolver group