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Kirchenstreik «Maria 2.0» - © Foto: Friso Gentsch
Ein Transparent beim Kirchenstreik «Maria 2.0» zeigt Maria, die Mutter Gottes, mit einem Pflaster auf dem Mund. | © Foto: Friso Gentsch

Protestaktion "Maria 2.0": Katholische Frauen treten ab heute für eine Woche in den Kirchenstreik

Die Anhängerinnen der Bewegung halten die Ämterhierarchie in der katholischen Kirche nicht mehr für zeitgemäß und fordern einen offenen Umgang mit den sexuellen Übergriffen geistlicher Würdenträger

Alexander Lange
11.05.2019 | Stand 11.05.2019, 16:18 Uhr

Paderborn/Bielefeld. Sie halten die Ämterhierarchie in der katholischen Kirche nicht mehr für zeitgemäß und fordern einen offenen Umgang mit den sexuellen Übergriffen geistlicher Würdenträger: Unter dem Namen „Maria 2.0" wollen Frauen ab dem heutigen Samstag für eine Woche in den Kirchenstreik treten – in ganz Deutschland und auch in Ostwestfalen-Lippe. Sie betreten in dieser Zeit keine Kirchen, üben ihre ehrenamtlichen Ämter nicht aus und feiern Gottesdienste ohne Priester bewusst im Freien.

Die Bewegung gründete sich vor einigen Wochen aus einem Gesprächskreis in der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde. Die Frauen forderten eine Modernisierung der Kirche und neue Machtstrukturen. Und die Protestwelle ist aus dem Münsterland bis nach OWL geschwappt.

Auch in Bielefeld und Paderborn beteiligen sich einige Frauen an dem Kirchenstreik. Die Kfd-Schildesche wird deshalb am Sonntag das Kirchenschiff nicht betreten und vor der Tür bleiben – als Zeichen der stattfindenden Ausgrenzung der Frauen in der Kirche, sagen sie.

„Wir haben keine Möglichkeit, in verantwortungsvolle Führungspositionen zu kommen"

Ähnliches planen die Frauen der Paderborner Südstadt-Pfarrei St. Julian. Sie treten in den Kirchenstreik und sind sich der Folgen bewusst. Denn an allen anderen Sonntagen engagieren sie sich ehrenamtlich als Lektorinnen, Küsterinnen oder Kommunionshelferinnen. Dieses Ämter müssen an diesem Sonntag dann Männer erfüllen. „Wir wollen mit unserem Streik deutlich machen, wie viele Aufgaben Frauen rund um die Kirche übernehmen", sagt Magdalena Schlüter, eine der sieben Initiatorinnen aus Paderborn: „Wir haben keine Möglichkeit, in verantwortungsvolle Führungspositionen zu kommen."

Mario Polzer, Sprecher des Erzbistums Paderborn, weiß von der Initiative „Maria 2.0": „Wir haben natürlich ein grundsätzliches Verständnis dafür, dass die Frauen ihren Unmut zeigen. Wir sind stets offen für andere Meinungen, und Kirche lebt auch von Auseinandersetzungen." Wie viele Frauen letztendlich an dem Kirchenstreik teilnehmen, wisse er aber nicht. Es werde dezentral von den Gemeinden oder Gruppierungen organisiert. Dennoch sei es wichtig, mit den Frauen in den Dialog zu treten: „Das sind sehr präsente Themen, weshalb wir die Aktion natürlich auch sehr ernst nehmen. Trotzdem können wir den Frauen natürlich keine Sofortlösungen anbieten, denn auch das Erzbistum ist in diesen Anliegen nicht der Entscheidungsträger."

In einer Online-Petition an Papst Franziskus fordern die Teilnehmerinnen der bundesweiten Bewegung Zugang zu allen Ämtern der Kirche und die Aufhebung der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester (Zölibat).

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