150 von 400 Flügen sollen bei Ryanair gestrichen werden. - © dpa
150 von 400 Flügen sollen bei Ryanair gestrichen werden. | © dpa

Mindestens 150 Ausfälle Ryanair streicht 150 Flüge in Deutschland: Was Reisende wissen müssen

Fast die Hälfte der Flüge fällt damit aus

Frankfurt/Dublin - Wegen des angedrohten Streiks des Ryanair-Personals hat die Fluggesellschaft für diesen Mittwoch 150 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Die betroffenen Kunden würden umgehend informiert und entschädigt, kündigte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs in Frankfurt an. Das Unternehmen will Informationen zu Ausfällen per Mail und SMS verbreiten, hieß es.

VC und Verdi haben einen ganztägigen Streik an den elf deutschen Basen angekündigt. Dort sind rund 400 Piloten und 1.000 Flugbegleiter beschäftigt. Erstmalig versuchen damit die Gewerkschaften der beiden Berufsgruppen gemeinsam, Verbesserungen für die Beschäftigten des größten Billigfliegers in Europa zu erzielen.

Ryanair habe an den zwölf Basen in Deutschland rund 1.000 Flugbegleiter, davon seien 700 Leiharbeitnehmer, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. Sie nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro angehoben werden.

Die Gewerkschaften wollen mit dem Streik die Airline hart treffen. Ryanair hält die auf die deutschen Basen beschränkten Streiks hingegen für ungerechtfertigt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende

Muss Ryanair mich umbuchen?
Auf die Umbuchung haben Passagiere laut der Fluggastrechte-Verordnung der EU einen Anspruch. Möglich ist auch, dass Passagiere auf andere Transportmittel gebucht werden, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist. Ryanair hat bereits zugesagt, Passagieren die kostenfreie Umbuchung auf Donnerstag bis Sonntag zu ermöglichen.

Was ist, wenn ich im Urlaub wegen des Streiks festsitze?
Stranden Passagiere vorübergehend am Flughafen, muss die Fluggesellschaft sie betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen und Ausfälle verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Verpflegung. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Hotelübernachtung übernehmen.

Was gilt bei Pauschalreisen?
Ist der Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise, ist nicht die Airline der Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter. Er ist nach Angaben der Verbraucherzentralen auch bei Streiks verantwortlich für Kosten, die Reisenden durch eine Verspätung entstehen. Das können zum Beispiel Ausgaben für Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bei großen Verspätungen können Pauschalreisende außerdem den Reisepreis mindern. Dafür gibt es Rechentabellen: Ab fünf Stunden Verspätung können Urlauber pro Stunde Verspätung fünf Prozent des anteiligen Tagespreises zurückfordern.

Steht mir bei streikbedingten Flugausfällen eine Entschädigung zu?
Bei Pilotenstreiks haben Reisende eigentlich keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für Ausfälle oder Verspätungen von mehr als drei Stunden. Ein Streik gilt als außergewöhnlicher Umstand. Das gilt aber nur unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Ausstands zu minimieren.

Allerdings hat sich die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt, erklärt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. Aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes leitet er ab, dass Entschädigungszahlungen auch bei regulären Streiks möglich sind - wenn es den Streikenden nicht nur um die Bezahlung, sondern um die Arbeitskonditionen insgesamt geht. Betrachtet man die Streikgründe des Ryanair-Personals, „dann liegt das sehr nahe an dem, was der EuGH sagt", urteilt Degott.

Allerdings müsse das zunächst erneut gerichtlich geklärt werden. Der Jurist rät, vorsorglich Ausgleichszahlungen zu fordern.

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