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Polizisten - © Foto: Friso Gentsch
Bewaffnete Polizisten in der Innenstadt. Nach der blutigen Tat in Münster gehen die Ermittler nach ersten Ermittlungen nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. | © Foto: Friso Gentsch

Fahrzeug rast in Menschenmenge Täter soll psychisch auffälliger Deutscher sein

07.04.2018 | Stand 08.04.2018, 10:17 Uhr

Münster - Ein Mann ist am Samstag in Münster mit einem Kleintransporter in eine Gruppe von Menschen gerast und hat zwei von ihnen getötet. Anschließend erschoss er sich nach Polizeiangaben in dem Wagen selbst.

Bei dem Amokfahrer handelt es sich nach ersten Ermittlungen um einen 48 Jahre alten Deutschen. Einen terroristischen Hintergrund schloss die Polizei vorerst aus. Nach dpa-Informationen handelte es sich möglicherweise um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Der Mann sei nach ersten Erkenntnissen ein deutscher Staatsbürger, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Samstagabend in Münster. «Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt.» Das Bundesinnenministerium hatte zunächst von vier Toten gesprochen. Reul sagte dann, es seien in der Summe drei Tote.

Von den rund 20 Verletzten wurden mehrere schwer verwundet, einige von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, hieß es am Abend. Die Opfer waren an dem Frühlingstag vor einer traditionsreichen Gaststätte in der historischen Altstadt von Münster gesessen.

Die Details und ein mögliches Motiv würden noch untersucht, sagte der NRW-Innenminister weiter. Es werde in alle Richtungen ermittelt. «Sobald gesicherte Informationen vorliegen, und nicht nur Gerüchte oder Hinweise, werden sie bekanntgegeben.»

Nach Informationen von «FAZ.NET» handelt es sich bei dem Täter um einen 48 Jahre alten Mann aus Olsberg im Sauerland, der schon lange in Münster und in einer Wohnung in der Nähe des Tatorts lebte.

Unklar war nach der Tat zunächst, ob der Mann alleine handelte oder ob ihm geholfen wurde. Laut Polizei gab es Gerüchte, wonach zwei weitere Menschen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet seien könnten. Das sei aber nicht sicher und müsse nun verifiziert werden, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei untersuchte im Tatfahrzeug auch einen verdächtigen Gegenstand und prüfte, ob sich Sprengstoff in dem Transporter befand. Auch die Wohnung des Täters wurde durchsucht. Die Polizei bat die Menschen am Nachmittag, die Innenstadt zu verlassen. Sie twitterte außerdem: «Bitte verbreitet keine Gerüchte im Netz und vermeidet Spekulationen.» Der Bereich um den Tatort blieb am Abend weiter abgesperrt.

Die Bundesregierung hat den Opfern von Münster und ihren Angehörigen ihr Beileid ausgesprochen. «Furchtbare Nachrichten aus Münster», schrieb die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer auf Twitter. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.» Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) dankte auf Twitter den Rettungskräften vor Ort. «Müssen alles tun, um Hintergründe der Tat aufzuklären», schrieb sie.

Der Kiepenkerl ist eine bei Einheimischen und Touristen beliebte und traditionsreiche Gaststätte mitten in der historischen Altstadt von Münster mit ihren vielen schmalen Gassen. Bei gutem Wetter sitzen und stehen dort oft zahlreiche Menschen im Freien.

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