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Treibende Kraft: Lehrerin Margret Bergmeier leitet die Umweltgruppe an dem Paderborner Gymnasium. - © Marco Schreiber
Treibende Kraft: Lehrerin Margret Bergmeier leitet die Umweltgruppe an dem Paderborner Gymnasium. | © Marco Schreiber

Paderborn Nominiert für den Umweltpreis 2018: Die Umweltgruppe eines Paderborner Gymnasiums

Die Schüler eines Paderborner Gymnasiums kümmern sich sogar in ihrer Freizeit um den schuleigenen Naschgarten. Doch nicht nur deswegen stehen sie jetzt im Finale

Marco Schreiber
08.11.2018 | Stand 13.11.2018, 20:18 Uhr

Paderborn. In diesem Jahr gab es Himbeeren. Und Johannisbeeren. Äpfel. Kiwis und bunte Kartoffeln. „Für jedes Kind einen Beutel", sagt Margret Bergmeier und deutet mit ihren Händen die Größe an. Zum Probieren hat es sicher gereicht. Gewachsen sind die Kartoffeln in einem schwarzen Abfallcontainer, der mit Erde gefüllt zum Hochbeet wurde. „Wir haben ja kein Geld", sagt die 62-Jährige. Das mache erfinderisch.

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Das improvisierte Hochbeet steht auf einem schmalen Streifen zwischen dem Schulgebäude des Pelizaeus-Gymnasiums Paderborn und dem Zaun. Hier treffen sich regelmäßig die Uhus, die Umwelthüter und Schützer, und pflegen ihren Naschgarten. Seit 2011 ist die Schüler-Gruppe in dieser Form aktiv, den Schulgarten hat Bergmeier schon 1989 angelegt. Als Lehrerin für Bio und Chemie ist ihr wichtig, den Kindern neben der Theorie ein praktisches Naturerlebnis zu vermitteln. „Die Natur ist einfach begeisternd", sagt sie. Die Schüler teilen ganz offensichtlich ihre Begeisterung. Mit ihrem Projekt stehen die engagierten Nachwuchs-Umweltschützer aus Paderborn deswegen jetzt auch im Finale des Carolinen-Umweltpreises.

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Die Uhus in ihrem Schulgarten: Die Umwelthüter und -schützer pflegen mitten in der Stadt Paderborn ein buntes Biotop. - © Marco Schreiber
Die Uhus in ihrem Schulgarten: Die Umwelthüter und -schützer pflegen mitten in der Stadt Paderborn ein buntes Biotop. | © Marco Schreiber

Zu ihnen gehört zum Bespiel Désirée. Sie ist 17, besucht die elfte Klasse und ist seit der fünften dabei. Désirée hat in den Sommerferien einen Teil des Gießdienstes übernommen. „Es sollte ja nicht alles vertrocknen", sagt die Paderbornerin. Belohnt wurde sie dafür mit frischen Mirabellen, die in einer Ecke des Gartens wachsen. Auch Lucas aus Bad Lippspringe hat sich in den Sommerferien um den Garten gekümmert. Der 15-Jährige erzählt, dass er dazu mit dem Rad nach Paderborn gefahren sei. Lucas hat sich ebenfalls schon in der fünften Klasse entschieden, bei der Umweltgruppe mitzumachen. „Das ist mal was Praktisches", sagt der Zehntklässler. „Und zu Hause macht man Gartenarbeit doch nicht wirklich." In der Erde buddeln und Unkraut jäten. Beete anlegen und einen Tümpel pflegen, in dem sich Frösche und Molche tummeln, wie Tim (14) berichtet. Gemeinsam planen, an welche Stelle der Birnbaum kommt.

 Schulgarten im Wandel

Überhaupt ist der kleine Schulgarten in ständigem Wandel. Ein Gewächshaus wurde gebaut und eine Schülergeneration später wieder abgerissen. Stattdessen wird jetzt ein Kräutergarten geplant. „Es ist ein Freiluftlabor", sagt Bergmeier. „Der Garten soll leben." Die Ideen kommen von den Schülern, die sich meist nach der sechsten Stunde in ihrem Garten treffen.

Immer wieder stellt die Lehrerin für ihre Uhus Wochenendaktionen auf die Beine. Die Kinder erzählen vom Besuch einer Heidschnucken-Schäferei in Hövelhof, wo sie die Geburt eines Lämmchens beobachten konnten. Auf einem Geflügelhof haben sie die Stabilität eines Straußeneis getestet. Fünf Millimeter dick sei die Schale, zwei Schüler habe es locker ausgehalten. „Aus den Eiern haben wir später eine Kette gemacht", sagt David (13). Umweltgruppe heißt auch, gemeinsam das Museum im Paderborner Heinz Nixdorf-Forum besuchen und sich mit dem Kohlendioxidausstoß verschiedener Verkehrsmittel beschäftigen. Ihrer Neugier sind kaum Grenzen gesetzt. Solche Aktionen finden meist im Winter statt, sagt Lucas. „Wenn der Garten nicht betretbar ist."

Nebenbei werden in der Umweltgruppe auch soziale Werte vermittelt: Wenn es im Garten ans Ernten geht, dann wird selbstverständlich geteilt. Damit auch jeder der 30 Uhus eine Himbeere abbekommt.

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