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Bei der Klauenpflege: Ludger Albers und die Weidegemeinschaft kümmern sich täglich um seltene Schafrassen in Sommersell. - © Jan Ahlers
Bei der Klauenpflege: Ludger Albers und die Weidegemeinschaft kümmern sich täglich um seltene Schafrassen in Sommersell. | © Jan Ahlers

Nieheim Nominiert für den Umweltpreis 2018: Die Weidegemeinschaft Sommersell

Eine Weidegemeinschaft aus Nieheim im Kreis Höxter bewirtschaftet mit zwei seltenen Schafrassen brachliegende Wiesen und schützt damit bedrohte Tiere vor dem Aussterben.

Jan Ahlers
07.11.2018 | Stand 13.11.2018, 20:19 Uhr

Nieheim. Die Schäfchen beisammenhalten – das ist für Willi Meier, Ludger Albers und rund 20 weitere Sommerseller zur Lebensaufgabe geworden. Rund 35 Coburger Fuchsschafe und ostpreußische Skudden weiden auf den Wiesen rund um den beschaulichen Nieheimer Ortsteil Sommersell im Kreis Höxter.

Keine Nachwuchssorgen: Der Verein ist ein Zusammenspiel von Jung und Alt. - © Weidegemeinschaft Sommersell
Keine Nachwuchssorgen: Der Verein ist ein Zusammenspiel von Jung und Alt. | © Weidegemeinschaft Sommersell

Bedrohte Rassen, die nur wenig Fleisch ansetzen und daher für die Nutztierhaltung nicht geeignet sind. Beide stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. „Es wäre viel zu schade, sie aussterben zu lassen", sagt der Vorsitzende Albers. Aus dieser Einstellung entstand eine Leidenschaft, die schließlich die Weidegemeinschaft Sommersell hervorbrachte.

Willi Meier war es, der sich vor zehn Jahren drei Skudden auf die eigene Wiese stellte. Der Aufwand, die Grasfläche regelmäßig zu mähen, war ihm zu groß – diese Aufgabe übernahmen fortan die Schafe. „Damit war die Idee geboren", sagt Meier, der rasch Mitstreiter fand und 2011 eine Interessengemeinschaft gründete.

23 Mitglieder sind in der Weidegemeinschaft aktiv

Derzeit sind in der Weidegemeinschaft, die seit 2017 ein gemeinnütziger Verein ist, 23 Mitglieder von 13 bis 82 Jahren aktiv. Sie bewirten mit ihren Schafen ehemalige Nutzgärten in und um Sommersell herum extensiv. Die Lämmer stehen auf zwölf Hektar großen Flächen, die für ihre Besitzer entweder aufgrund ihrer geringen Größe oder ihrer schwierigen Bodenbeschaffenheit unattraktiv für Landwirtschaft oder Viehhaltung sind.

Mit ihren Schafen haben die Naturfreunde aus dem Kreis Höxter täglich zu tun. Kontrolliert wird nicht nur, ob die Tiere vollzählig und gesund sind, sondern auch, „ob die Stromzäune funktionieren und der Wasservorrat ausreicht", sagt Albers. Alle zwei bis drei Wochen werden die Herden auf neue Wiesen gebracht. Zudem müssen die Schafe regelmäßig geschoren, die Klauen geschnitten und Heu als Winterfutter hergestellt werden.

„Die schönste und spannendste Zeit ist aber die Lammphase im Frühjahr", sagt Meier. Dann wächst die Gruppe dank Nachwuchs auf rund 60 Tiere an, die Weidegemeinschaft ist bei den Geburten hautnah dabei. Im Herbst wird der Bestand wiederum reduziert – vorrangig werden die Tiere lebend an Hobby-Züchter verkauft. „Einige Käufer haben sich dazu entschlossen, selbst ein oder mehrere Schafe zu halten", sagt Albers.

Hohe Ausgaben für Netzem Zäune, Weidegeräte und Transportanhänger

Doch die Einnahmen reichen nicht aus, um die vielschichtigen Ausgaben zu decken: Netze, Elektrozäune, Weidegeräte und Transportanhänger haben ihren Preis. Künftige Projekte wie das Anlegen von Blühstreifen für Insekten und Feldvögel sowie die Aufnahme von Ziegen in die Schafherde stehen auf dem Plan der Weidegemeinschaft, wollen aber auch finanziert sein.
Sollte es beim Carolinen-Umweltpreis für einen Platz auf dem Treppchen reichen, würde das Preisgeld aber zum Teil in eine Anschaffung ganz anderer Natur fließen: „Wir brauchen einen anständigen Zuchtbullen, um die Zukunft unserer seltenen Rassen zu sichern", sagt Meier.

Die Zukunft der Hobby-Schäfer ist derweil in trockenen Tüchern, denn über Nachwuchssorgen klagen die Vorsitzenden des Vereins nicht. „Wir haben viele Jugendliche im Boot, von denen einige sogar aktiv auf uns zugekommen sind", erzählt Ludger Albers stolz. Es freut ihn, dass sich schon im jungen Alter Menschen finden, „die von der Nutztierhaltung begeistert sind."
Das nötige Fachwissen haben sich die Liebhaber zum Großteil selbst angeeignet – aus der Landwirtschaft stammen die Vorsitzenden nicht, der Kontakt zu professionellen Schafzüchtern ist rudimentär. „Bei uns ist dafür viel Idealismus dabei", sagt Meier. „Und die Freude, sich um bedrohte Tiere zu kümmern."

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