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Filtert Viren: Ein Bielefelder Unternehmen hat einen Luftreiniger mit sensorgesteuerter Automatik entwickelt. :  - © insensiv
Filtert Viren: Ein Bielefelder Unternehmen hat einen Luftreiniger mit sensorgesteuerter Automatik entwickelt. :  | © insensiv
Technik

Bielefelder entwickeln Luftfilter gegen Corona

Die insensiv GmbH ist eigentlich bekannt für Bildverarbeitungssysteme, zum Beispiel in Leergutautomaten. Sein Know-how hat das Unternehmen genutzt, um ein Luftreinigungsgerät zu entwickeln, dass unter anderem Viren und Aerosole aus der Raumluft entfernt

31.03.2021 | Stand 30.03.2021, 15:01 Uhr

Ein Jahr hatte die Forschung schon Zeit, das Corona-Virus zu beobachten. Und immer klarer wird, wie es sich ausbreitet. Zunehmend rückend die sogenannten Aerosol-Partikel in den Fokus: mikroskopisch kleine Teilchen, die sich durch die Atemluft verbreiten. Sie entstehen schon beim Atmen und Sprechen, insbesondere aber beim Singen und Schreien.

Mit Corona-Viren behaftete Aerosole in Innenräumen zählen laut Robert-Koch-Institut zu den Hauptübertragungswegen von Covid-19. Durch regelmäßiges Lüften lässt sich die Gefahr zwar reduzieren, dieses ist aber gerade im Herbst und Winter oft nicht praktizierbar.

Ein Forschungsteam der Goethe-Universität in Frankfurt hat herausgefunden, dass handelsübliche Luftfilter die Aerosol-Belastung deutlich senken können. In einem Experiment stellten die Wissenschaftler in einem Klassenzimmer vier Luftreiniger mit sogenannten HEPA-Filtern auf. Diese sorgten dafür, dass sich die Konzentration der Aerosole innerhalb einer halben Stunde um 90 Prozent verringert habe, so die Forscher. In dem Raum befanden sich 27 Schüler, Fenster und Türen seien während der Messung geschlossen gewesen.

Die Bielefelder insensiv GmbH hat einen Luftreiniger mit sensorgesteuerter Automatik entwickelt und produziert diesen seit Herbst 2020 in Bielefeld in Serie. In Verbindung mit HEPA-Hochleistungsfiltern entferne das Gerät Kleinstpartikel wie Viren und Aerosole, Bakterien und Pollen zu 99,95 Prozent aus der Raumluft, so das Unternehmen, und minimiere damit das indirekte Übertragungsrisiko von Corona-Viren über Aerosole. Dabei sei es selbst bei Volllast nicht lauter als ein Kühlschrank.

Dank der Automatikfunktionen misst der Luftreiniger eigenständig die Partikel- und Aerosolkonzentration, den CO2- sowie den Umweltgas-Gehalt und reguliert die zu filternde Luftmenge. Ein Anwesenheitssensor steuert das automatische Ein- und Ausschalten des Gerätes. Zudem passt sich die Arbeitsintensität des Luftreinigers über einen Akustiksensor selbstständig an die Geräuschkulisse im Raum an.

Mit seiner hohen Luftumwälzrate ist der Luftfilter laut Unternehmen besonders für Räume mit einer Größe von bis zu 200 Quadratmetern geeignet. Es ist konzipiert, um das indirekte Ansteckungsrisiko in Geschäfts-, Schulungs- oder Praxisräumen zu minimieren.

Eigentlich gehörten Luftreiniger gar nicht zum Spezialgebiet der Bielefelder Firma. Seit 2006 entwickelt sie Bildverarbeitungssysteme für verschiedene Anwendungen. Im Fokus stehen dabei Produkte und Lösungen im Bereich der Automatisierung, Digitalisierung, Prozessoptimierung und Qualitätssicherung mittels intelligenter Kamerasysteme und Sensorik. Dazu zählen zum Beispiel Komponenten für Leergutrücknahmesysteme, Rücknahme- und Tauschautomaten sowie Lösungen aus dem Bereich UAV- und Drohnentechnologie. Das inhabergeführte Unternehmen beschäftigt gut 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Geschäftsführender Gesellschafter ist Christian Gieselmann.

„Wir haben unser Know-how in der Steuerungs- und Regeltechnik sowie in der Sensorik genutzt, um Unternehmen, Behörden und anderen Einrichtungen eine Lösung zu bieten, die speziell auf die Herausforderungen der Pandemie zugeschnitten ist", sagt Vertriebsleiter Eike Linnenbrügger. „Unser Luftreiniger ist eine sinnvolle Ergänzung zu den empfohlenen Abstands- und Hygieneregeln."

Das Unternehmen berät viele Schulen. Seit Ende Dezember nutzt das Espelkamper Söderblom-Gymnasium zehn der mobilen insensiv-Luftreinigungsgeräte, um weiterhin Räume mit fehlenden Fenstern oder unzureichenden Lüftungsmöglichkeiten wie die Bibliothek oder den Informatikfachraum nutzen zu können. Angeschafft wurden sie über das Förderprogramm des Landes NRW. 

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