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Motivationstrainer: Mike Aßmann ist Business-Coach aus Bielefeld. - © Dreamlab Studio Lage
Motivationstrainer: Mike Aßmann ist Business-Coach aus Bielefeld. | © Dreamlab Studio Lage

Praktische Tipps für Unternehmen vom Motivationstrainer

Mike Aßmann ist Coach aus Bielefeld – und hat viel Hoffnungsvolles über die Corona-Krise zu sagen.

Monika Dütmeyer
30.04.2020 | Stand 04.05.2020, 11:53 Uhr

Haben Sie sich mal die Kirschblüten angesehen? Die rosa Farbenpracht ist so schön, da fallen Sie ja um", schildert Mike Aßmann Eindrücke von seinen derzeit häufigen Spaziergängen in seiner Heimatstadt Bielefeld und lacht. Die Schönheiten der Natur und dass „es nicht so laut ist wie sonst", sieht er als Chancen, sich aufs Wesentliche zu besinnen. „Wann haben wir schon mal die Möglichkeit, einfach mal aus unserem Hamsterrad auszusteigen?", fragt er.

Als „ruhig" beschreibt er die Lage in seinem Business, das sich um Menschen dreht. Menschen, die in der Regel aus mittelständischen Unternehmen stammen und beim Coach und Motivationstrainer etwas über Unternehmensführung lernen möchten. „Führungspersönlichkeiten entwickeln sich, so gut wie niemand wird dazu geboren." Das Coaching erfolge bei ihm aktuell auf digitalem Wege. „Ich liebe die digitalen Kanäle und habe sie bislang unterschätzt. Ich werde sie auch zukünftig stärker nutzen." Aber er freue sich auch sehr darauf, „wenn man wieder persönlich zusammenarbeiten kann".

Die Körpersprache verrät sehr viel über uns

Spannend sei nämlich nicht nur, was Menschen sagen, sondern auch, was sie nicht sagen. Denn Körpersprache verrate sehr viel. „Es ist eine Chance uns darüber bewusst zu werden, welchen Stellenwert das Zwischenmenschliche hat." Überhaupt sieht er in der Krise eine Kraft, die vieles ermögliche, das ewig unmöglich schien.

„Freude und Schmerz sind die größten Motivationsfaktoren. Und bei manchen ist der Schmerz gerade so groß, dass er die Kraft zur Veränderung freisetzt." Und genau das empfiehlt Aßmann jetzt: Dinge anzupacken und sich nicht wochen- oder monatelang einzuschließen. „Denn es geht hier auch um Lebenszeit", sagt der 49-Jährige. Seine Empfehlung lautet, sich einmal täglich seriös über die neuesten Entwicklungen rund um Corona zu informieren und dann auch wieder abzuschalten und die Gedanken auf andere Dinge zu lenken.

„Wie gut wir es eigentlich in Deutschland und Europa haben"

Etwas, das ihn persönlich im Moment sehr berührt, ist der Gedanke, „wie gut wir es eigentlich in Deutschland und Europa haben". Dass wir stolz sein können auf unsere Heimat, nicht nur aufgrund des besonnenen Krisenmanagements. Sondern auch, „weil es hier eine tolle Wirtschaft gibt und man über alles vernünftig miteinander reden kann". Und ein Faktor, der gerade in der Diskussion rund um Kontakte in der Corona-Krise eine Rolle spielt, werde auch in der Wirtschaft immer stärker wertgeschätzt: die Bedeutung des Verhaltens jedes Einzelnen.

„Die Unternehmer bemerken, dass ihr Kapital nicht mehr aus einer einzelnen, tollen Maschine besteht, sondern dass den Wettbewerbsvorteil eine gute Mannschaft ausmacht." Und die Menschen dieser Mannschaft zögen ihre Motivation vor allen Dingen aus einer wertschätzenden Unternehmenskultur. Die mache zum Beispiel ein authentischer Chef aus und dass Menschen gern zur Arbeit kommen. „Das wirkt wie ein Magnet. Diese Unternehmen finden leichter neue Mitarbeiter als andere – und halten sie auch."

Und mit Unternehmen kennt sich der in Dresden geborene Aßmann aus. Nach einer Ausbildung als Industriekaufmann war er zum Beispiel in leitender Position im Handelsmarketing bei Bertelsmann tätig und ist später in den Fashion-Bereich gewechselt. „Aber irgendwann war Zeit für was Eigenes", erinnert er sich an seine Unternehmensgründung 2006.

Hier gibt er praktische Tipps, wie Unternehmer gut durch die Krise kommen:

Ruhe bewahren
Eine der obersten Regeln ist, unbedingt cool bleiben und Ruhe bewahren. Informieren Sie sich weiterhin ausschließlich bei seriösen Quellen, denen Sie vertrauen können.

Täglicher Status quo
In der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist es wichtig, sich jeden Tag einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Haben Sie dabei immer den „Worst Case," also den denkbar schlechtesten Fall, vor Augen. Was kann im schlimmsten aller Fälle passieren? Dabei müssen Sie auch die Akquise, Ihre Kunden und auch Ihre wichtigen Lieferanten im Blick haben. So können Sie täglich reagieren und behalten das Ruder fest in der Hand.

Hilfe annehmen
Jetzt ist keine Zeit für falschen Scham. Versuchen Sie nicht, alles allein zu machen. Nehmen Sie, wo es für Sie möglich ist, Hilfe an. Die Bundesregierung hat viele Sofort-Hilfeprogramme als Schutzschild für Unternehmen und deren Beschäftigte ins Leben gerufen. Informieren Sie sich hier, was bei Ihnen in Frage kommt. Auch ist der regelmäßige Austausch mit anderen Unternehmen sehr hilfreich. Hier organisieren mein Team und ich wöchentliche Zoom-Meetings. Kommen Sie einfach dazu. Sie können sich kostenfrei unter: welcome@mikeassmann.com anmelden.

Veränderung
Die Krise hat und wird Spuren hinterlassen. Stellen Sie sich die Fragen: Was können wir aus der Krise lernen? Welche Chancen gibt es für uns? Was müssen wir ändern? Im Prinzip ist es wie eine Stärken-/Schwächen-Analyse (SWOT). Achten Sie besonders weiterhin darauf, welche Ihrer Lieferanten eventuell in Schwierigkeiten geraten sind bzw. geraten könnten. Sorgen Sie für Alternativen. Kümmern Sie sich um Ihre Kunden. Bedanken Sie sich für das Vertrauen und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Vergessen Sie dabei auch nicht Ihr Team. Gehen Sie davon aus, dass die Krise nicht spurlos an Ihren Mitarbeitern vorbei geht. Analysieren Sie gemeinsam, was Sie firmenintern ändern müssen.

Team-Kommunikation
Wenn auch die ersten Lichtblicke am Horizont auftauchen, gilt es, weiterhin einen engen Draht zu Ihrer Mannschaft zu halten. Seien Sie für Ihre Mitarbeiter ansprechbar und zeigen Sie Einfühlungsvermögen. Auch wenn vielleicht für viele ein Home-Office-Arbeitsplatz eingerichtet wurde, heißt das noch lange nicht, dass sie auch dort gut arbeiten können. Die Kommunikation auf dem digitalen Weg ist für viele völlig neu und bringt auch Verunsicherung. Sprechen Sie mit Ihren wichtigsten Mitarbeitern auch regelmäßig unter vier Augen. Interessieren Sie sich dabei, wie es ihnen persönlich geht. Zeigen Sie auf jeden Fall Empathie. Das schafft Vertrauen und motiviert weiter durchzuhalten.

Distanz und Hygiene
Die Ruhe kann trügerisch sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, nun nicht nachzulassen. Das bedeutet, schützen Sie sich, so gut es geht. Halten Sie sich auch in Ihrem Unternehmen an die Abstandsregeln und waschen Sie Ihre Hände regelmäßig gründlich. Wir Menschen neigen – oft ganz unbewusst dazu – schnell wieder in unsere alten Gewohnheiten zu verfallen. Bleiben Sie und Ihr Team standhaft.

Zeit nutzen
Viel zu oft höre ich noch immer von unseren Kunden: Nach der Krise starten wir durch. Vergessen Sie bitte nicht, es gibt kein „Nach-der-Krise"! Nach der Krise ist jetzt! Sie sind bereits mittendrin. Genau jetzt und heute heißt es, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Sollte Ihr Unternehmen direkt betroffen sein, so müssen Sie unbedingt die Zeit dafür nutzen, zu analysieren und Maßnahmen abzuleiten. Es ist Zeit für Veränderungen, in vielen Bereichen und in vielen Branchen.

Social Media
Auch wenn Sie meinen, für Ihr Geschäft sind Facebook & Co. nicht passend, dann ist es vielleicht Zeit, noch einmal darüber nachzudenken. Wenn Sie noch keine Accounts betreiben, dann könnte es nun ein guter Zeitpunkt sein, einen zu eröffnen. Doch Achtung: Fallen Sie nicht auf unseriöse Social-Media-Berater herein. Treten Sie mit Ihren Kunden über die Social-Media-Kanäle in Kontakt. Hier können Sie sie über den aktuellen Stand informieren und bleiben so in Verbindung. Aktualisieren Sie Ihre Öffnungszeiten, ggf. auch Ihre Angebote. Teilen Sie hilfreiche Informationen und beantworten Sie Fragen. Bitte beachten Sie unbedingt, dass aktuell vielleicht nicht die passende Zeit ist, um Ihren Verkauf voranzubringen. Bauen Sie stattdessen eine starke Bindung zu Ihren Kunden und potenziellen Kunden auf.

Solidarisch zeigen
Manchmal hilft es, sich bewusst zu machen, dass im Moment die ganze Welt betroffen ist. Auch Ihre Kunden und Lieferanten müssen einen Weg durch und aus der Krise finden. Zeigen Sie sich solidarisch mit all Ihren Partnern. Wichtig ist, seien Sie ehrlich und offen in Ihrer Kommunikation. Wenn es Probleme aufgrund der Krise gibt – dann legen Sie die Karten auf den Tisch. Bieten Sie Ihre Hilfe und Unterstützung an.

Dankbar sein
Dankbarkeit ist eines der stärksten positiven Gefühle. Egal wie sehr Ihr Unternehmen oder auch Sie persönlich von den Auswirkungen der aktuellen Krise betroffen sind: Richten Sie jeden Tag Ihren Fokus auf all die wundervollen Dinge in Ihrem Leben, für die Sie dankbar sein können. Hier einige Beispiele: Keine Bedrohung von Leib und Leben, Sie sind gesund, Ihrem Partner, der Familie und Freunden geht es gut, Sie haben ein großartiges Team/Mitarbeiter. Sicherlich finden Sie noch viele weitere Dinge, für die Sie in Ihrem Leben dankbar sein können. Schreiben Sie alles auf. Es wird Ihnen guttun.

"Ihre" Weltsicht
Die einen sehen nur Risiken und die anderen Chancen. Es kommt sicherlich darauf an, inwieweit Sie und Ihr Unternehmen direkt von den negativen Auswirkungen der aktuellen Krise betroffen sind. Doch eines ist ganz klar: Wie Sie damit umgehen, liegt ganz allein bei Ihnen. Vielleicht sind die Tipps für Sie nicht ganz neu. Nehmen Sie sich das heraus, was für Sie im Moment gut passt.

Ein Tipp noch zum Schluss: Sie müssen nicht alles allein machen. Nutzen Sie die kreative Kraft Ihres Teams, kommunizieren Sie mit anderen Unternehmern und holen Sie sich einen persönlichen Berater und Vertrauten an Ihre Seite.

Mehr Infos unter www.mikeassmann.com

Information

Mut zur Zukunft: Erfolgsgeschichten aus der Region

Mit langsamen und vorsichtigen Schritten nimmt das öffentliche Leben wieder Fahrt auf. Damit das so weitergeht, ist es weiterhin geboten, auf sich und andere aufzupassen – durch Distanzhalten, Händewaschen und das Tragen von Masken. Genauso wichtig sind aber Einfallsreichtum, Optimismus, Solidarität und Treue. Wie Ideen in die Tat umgesetzt werden und wie man mit positiven Gedanken an neue Projekte herangeht, zeigen wir in unseren Erfolgsgeschichten aus der Region. Beschrieben werden Menschen, Unternehmen und Institutionen, die trotz Krisenzeiten den Mut nicht verloren haben und die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln um eine gute Zukunft kämpfen.

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