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Angelika W. im März 2017 im Landgericht Paderborn. - © dpa
Angelika W. im März 2017 im Landgericht Paderborn. | © dpa

Paderborn/Höxter Foltermord-Prozess: Angelika W. will erneut das Wort ergreifen

Das Urteil soll spätestens am 5. Oktober fallen

Jutta Steinmetz
28.08.2018 | Stand 29.08.2018, 11:19 Uhr

Paderborn/Höxter. Als im Oktober 2016 der Prozess um die Foltermorde von Höxter-Bosseborn begann, stand vor dem Schwurgericht Paderborn zunächst die Angeklagte Angelika W. im Mittelpunkt. Tagelang sprach sie über sich, über ihr Leben mit Wilfried W., über die Taten – so offen und unverblümt, dass Zuhörern und Prozessbeteiligten nicht selten der Atem stockte. Ähnlich wird die Verhandlung wohl auch zu Ende gehen. Angelika W., so teilte Richter Bernd Emminghaus am 55. Tag mit, wolle „ausgiebig" vom Recht eines jeden Angeklagten auf ein letztes Wort Gebrauch machen. Das habe sie ihm in einem Brief mitgeteilt. So wird die 49-Jährige möglicherweise am 11. September nach ihren Verteidigern zum letzten Mal vor Gericht ihre Stimme erheben. Laut Plan des Vorsitzenden sollen am 5. September Oberstaatsanwalt Ralf Meyer sowie die Nebenklagevertreter ihre Plädoyers halten, am Tag danach die Verteidiger von Wilfried W. Psychologe soll aussagen Doch zuvor müssen die Richter erneut über einen Antrag Detlev Binders nachdenken. Er ist weiterhin der Ansicht, dass das Gericht jenen Psychologen persönlich hören muss, der Wilfried W. eine Intelligenzminderung bescheinigt hatte. Um beurteilen zu können, was seinem Mandanten intellektuell möglich sei, dazu mangele es dem Gericht letztlich an Sachkunde, zu sehr weiche die Intelligenz des Wilfried W. „von der Norm ab". Für Binder ist das der Knackpunkt. Seiner Meinung nach war Wilfried W. im April 2016 nicht in der Lage zu erkennen, dass Susanne F. in Lebensgefahr schwebte und dringend ärztlicher Hilfe bedurfte. „Darüber entscheiden wir am 5. September", sagte Richter Emminghaus, bevor er darauf hinwies, das Urteil des Schwurgerichts spätestens am 5. Oktober verkünden zu wollen.

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