Wilfried W., Angeklagter im Bosseborn-Prozess.  - © picture alliance / Friso Gentsch/dpa
Wilfried W., Angeklagter im Bosseborn-Prozess.  | © picture alliance / Friso Gentsch/dpa

Höxter/Paderborn Bosseborn-Prozess: Wilfried W. will nicht ins betreute Wohnen

In einem Brief an seine Mutter lässt sich der Angeklagte Wilfried W. über seine Angelika W. und schreibt die schweren Verletzungen von Susanne F.

Jutta Steinmetz
08.08.2018 | Stand 07.08.2018, 19:22 Uhr

Paderborn. Dass der 54. Tag im Bosseborn-Prozess nicht lange dauern würde, hatte der Vorsitzende Richter des Paderborner Schwurgerichts im Vorfeld angekündigt. Doch obschon sich die Sitzung mit 50 Minuten tatsächlich sehr kurz ausnahm, kam einiges Interessantes auf den Tisch. Es wurde offenbar, dass Wilfried W. im April 2016 die Verletzung von Susanne F. für durchaus ernst gehalten hatte, und aktuell überzeugt ist, dass betreutes Wohnen so gar nichts für ihn ist. "Angelika hat mein Leben kaputt gemacht" Das alles hat W. jüngst in einem Brief an seine Mutter geschrieben. Auf vielen Seiten lässt Wilfried W., der sich zusammen mit seiner Ex-Frau Angelika wegen Mordes durch Unterlassen verantworten muss, seinen Gedanken freien Lauf. Da ist die ungeliebte Arbeitstherapie im Gefängnis ebenso Thema wie Libori in Paderborn oder der Annentag in Brakel. Aber auch immer wieder Angelika W.. „Sie lügt, dass sich die Balken biegen", schreibt er, berichtet darüber, wie sie ihn mit einem Autounfall habe töten wollen, und weist ihr alle Verantwortung zu. „Die Ex Angelika hat mein Leben kaputt gemacht." Dafür schmiedet er den Zukunftsplan, katholisch zu werden und eine lange Therapie zu akzeptieren. Dagegen habe er nichts, aber sehr viel gegen betreutes Wohnen, wie es die Psychiaterin Nahlah Saimeh ins Spiel gebracht hatte. „Ich kann alleine leben", schreibt er seiner Mutter. „Ich bin zu eigenständig." W. schreibt über schwere Verletzung von Susanne F. Doch es sind nicht diese Sätze, die Oberstaatsanwalt Ralf Meyer diesen Brief als Beweismittel beschlagnahmen ließen. Dem Ankläger fiel besonders die Passage auf, in der Wilfried W. die Schubserei schildert, bei der Susanne F. im April 2016 schwer verletzt worden war und infolge fehlender medizinischer Behandlung verstarb. Hier teilt nämlich Wilfried W. mit, dass er seine Mitangeklagte gefragt habe, ob man mit Susanne F. nicht ins Krankenhaus oder zum Arzt müsse. Aber das habe Angelika W., die die 41-Jährige gegen einen Schrank gestoßen hatte, abgelehnt. Dass Wilfried W. zu solchen Erkenntnisleistungen fähig, also in der Lage ist zu erkennen, dass ein Mensch nach einer Verletzung ärztlicher Hilfe bedarf, das hatten seine Verteidiger Detlev Binder und Carsten Ernst immer wieder in Frage gestellt und jüngst beantragt, jenen Psychologen zu hören, der ihrem Mandanten eine deutliche Intelligenzminderung bescheinigt hatte. Das lehnten die Richter ab. Man sei dank Saimehs Vortrag genügend informiert, führte Emminghaus aus und forderte auf, die Plädoyers für Anfang September vorzubereiten.

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