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Am Dienstag wird das psychiatrische Gutachten über Wilfried W. vorgestellt. - © Marc Köppelmann (Archiv)
Am Dienstag wird das psychiatrische Gutachten über Wilfried W. vorgestellt. | © Marc Köppelmann (Archiv)

Paderborn/Höxter Gutachterin: "Man kann Wilfried W. wissenschaftlich als 'schwachsinnig' bezeichnen"

Jürgen Mahncke
03.07.2018 | Stand 03.07.2018, 17:33 Uhr |
Marc Schröder

Paderborn/Höxter. Am 50. Verhandlungstag des Bosseborn-Prozesses geht es umd die psychische Verfassung von Wilfried W. Gutachterin Nahlah Saimeh hat mit dem Angeklagten unzählige Gespräche geführt und stellt ausführlich dar, wie sie die Persönlichkeit des Hauptangeklagten einordnet. Anhand des Gutachtens soll festgestellt werden, ob der Angeklagte im Foltermord-Prozess voll oder nur eingeschränkt schuldfähig ist. Nahlah Saimeh geht ausführlich auf die Wahrnehmung die Wilfried W. von den Vorgängen im Haus in Höxter-Bosseborn ein. Diese habe er nur sehr distanziert und ohne klares Unrechtsbewusstsein wahrgenommen. "Normen und Werte können von Wilfried W. nicht richtig eingeschätzt werden. Er befindet sich auf dem Bildungsstands eines Vorschulkindes. In unklaren Situationen fühlt er sich vollkommen überfordert", so die Gutachterin. "Bildungsstand eines Vorschulkindes" Hinsichtlich seiner Intelligenz ordnet die Gutachterin Wilfried W. weit unter Durchschnitt ein: "Der IQ liegt durchschnittlich bei 85 bis 115. Mit einem IQ von 59 liegt Wilfried weit im unteren Bereich." Zu diesem Urteil kommt die Gutachterin über Tests, Verhaltensbeobachtungen und die Gespräche mit dem Angeklagten. Man könne ihn überschätzen, da er ein "normales" Äußeres hat, so Saimeh. "Allerdings ist er von kindlicher Naivität geprägt", führt die Gutachterin fort. "Man kann Wilfried wissenschaftlich als "schwachsinnig" bezeichnen", sagt die Psychiaterin. Dieser Teil der Begutachtung weist möglicherweise bereits auf die Beurteilung der Schuldfähigkeit hin. Der Paragraph 20 des Strafgesetzbuches betrifft die Schuldunfähigkeit "[...] wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit [...]", so heißt es im Gesetzestext. Möglich ist aber auch eine Anwendung des Paragraphen 21 StGB, der eine verminderte Schuldfähigkeit vorsieht. "Kein Hang zum sexuellen Sadismus" Nahlah Saimeh schließt ihre Aussagen zum Gutachten über Wilfried W. damit, dass er keinen Hang zum sexuellen Sadismus habe. "Das Sadistische, war das Regelsystem, das auf dem Gehöft in Bosseborn galt. In einer Dreierbeziehung braucht Wilfried immer eine dominante Frau", diese Frau war Angelika W.. Laut Saimeh seien die Aussagen falsch, Wilfried W. habe mit den Vorkommnissen auf de mGehöft nichts zu tun. Wilfried W. soll zusammen mit seiner Partnerin Angelika W. Frauen mit Kontaktanzeigen nach Höxter-Bosseborn gelockt, sie schwer misshandelt und mindestens zwei von ihnen auch getötet haben. Bereits am morgigen Mittwoch wird die Verhandlung fortgesetzt. Dann wird Nahlah Saimeh das Gutachten zu Angelika W. vorstellen. Erneut wird der NW-Ticker aus dem Landgericht Paderborn berichten. Die Verhandlung in der Nachlese des nw.de-Tickers:

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