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NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. - © FOTO: DPA
NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. | © FOTO: DPA

OWL Arbeitsmarktpolitiker ungehalten über Lehrstellenmangel in OWL

Region rangiert auf Ruhrgebietsniveau

11.11.2013 | Stand 10.11.2013, 17:00 Uhr

Bielefeld/Düsseldorf. Der Lehrstellenmangel in der wirtschaftlich prosperierenden Region OWL ist nahezu gleich groß wie im Ruhrgebiet. Jetzt wird im Landtag über eine regionale Ausbildungsabgabe nachgedacht. Zuständig für die Erhebung wären die Kammern. Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister versteht die Welt nicht mehr: "Fachkräftemangel! Wir brauchen dringend Fachkräfte", riefen die Arbeitgeber seit Jahren. Doch die Antwort auf den Fachkräftemangel sei ein "insgesamt deutlicher Rückgang der Ausbildungsplätze". Das sei eine Logik frei nach dem Motto "Wir brauchen mehr Fachkräfte, also bilden wir mal weniger aus", so Guntram Schneider (SPD) in der letzten Sitzung des Landtagsausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales. "In Kernberufen unseres Industrielands NRW, zum Beispiel im Bereich Metallverarbeitung und Mechatronik/Automatisierungstechnik, ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze gegenüber dem letzten Jahr um über 9 bzw. über 10 Prozent gesunken", sagte Schneider. "Und das bei bleibend guter Konjunktur in Automobil- und Maschinenbau." 21.000 zusätzliche Lehrstellen waren von den Arbeitgebern für 2013 zugesagt worden. Das Ergebnis zum offiziellen Abrechnungsdatum 30. September war ein deutlicher Rückgang. Schneider traut dem häufig geäußerten Argument mangelnder Ausbildungsfähigkeit der Bewerber nicht und liefert Fakten: Über 76 Prozent haben einen Realschulabschluss oder sogar eine Studienberechtigung. Schneider: "Die Chancen, eine Stelle zu bekommen, sind gleich gut oder gleich schlecht für Abiturienten oder Jugendliche ohne Schulabschluss; und dies im Jahr des doppelten Abiturjahrgangs." Ein Ausbildungsbereich aber sticht mit deutlichen Zuwächsen hervor. Die Wachstumsbranche Gesundheit und Pflege. Das Angebot wuchs um 2,4 Prozent. Hier wurde vor zwei Jahren eine Ausbildungsabgabe eingeführt. Für Günter Garbrecht (SPD), Vorsitzender des Ausschusses, ein deutliches Indiz für die positive Wirkung einer Abgabe. Die Tatsache, dass die prosperierende Wirtschaftsregion OWL bei der Lehrstellenbilanz auf Ruhrgebietsniveau rangiert, sei ein "Dokument des Versagens". Daraus müsse die Politik Konsequenzen ziehen. Dazu gehöre das gemeinsam mit den Arbeitgebern gestartete Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss" und ein verbindliches System der Berufsorientierung. "Dennoch kann es nicht sein, dass von einem künftigen Mechatroniker ein Einser-Abitur erwartet wird wie für einen Medizinstudienplatz", spitzt Garbrecht zu. Seine Geduldsfäden sind rissig. Sollten die Verabredungen mit den Arbeitgebern im Ausbildungskonsens nicht greifen, "müssen wir eine Ausbildungsumlage erzwingen", sagt der SPD-Politiker. Denn Jugendliche ohne Ausbildung landen erst in Warteschleifen, um dann nahtlos an Sozialtransfers teilzuhaben. Für die Abgabe sei keine zusätzliche staatliche Bürokratie nötig. "Das können die Kammern machen", ist er überzeugt. So weit muss es nicht kommen, hofft Garbrecht noch immer. Doch seine Hoffnung auf Einsicht ist im Sinkflug.

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