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Viele Kirchen werden immer baufälliger.
Viele Kirchen werden immer baufälliger.

NRW Kirchen schlagen Alarm: Gotteshäuser verfallen

Kürzungen der Mittel für die Denkmalpflege stoßen auf heftige Kritik

07.09.2013

Düsseldorf. Die beiden großen christlichen Kirchen in Nordrhein-Westfalen machen gegen die rot-grüne Landesregierung mobil. Anlass sind deren Pläne, die Mittel für den Denkmalschutz drastisch zu kürzen und für diesen Zweck Darlehen über die NRW-Bank zur Verfügung zu stellen.

Der weitgehende Ausstieg des Landes aus der Denkmalförderung werde dazu führen, dass zahlreiche Kirchen verschwinden. Man werde die Gotteshäuser "aufgeben müssen", sagte der Baudirektor der westfälischen Landeskirche, Reinhard Miermeister, dem Evangelischen Pressedienst. Ähnlich äußerten sich Ägidius Engel, Sprecher des Erzbistums Paderborn, und die rheinische Landeskirchenrätin Gudrun Gotthard.

Information

Denkmalschutz

  • In Nordrhein-Westfalen stehen rund 80.000 Baudenkmäler, 5.800 Bodendenkmäler und mehr als 800 bewegliche Denkmäler wie Lokomotiven, Schiffe und Kräne.
  • Denkmäler sind zu schützen, zu pflegen, sinnvoll zu nutzen und zu erforschen. Sie sollen im Rahmen des Zumutbaren zugänglich gemacht werden. Näheres regelt das Denkmalschutzgesetz NRW.

Die finanzielle Lage vieler Kirchengemeinden sei bereits sehr angespannt. Spielraum für Investitionen und Renovierungen gebe es deshalb bei ihnen so gut wir gar nicht, und man sei auf jeden Euro Förderung angewiesen, sagte Engel dieser Zeitung.
Die NRW-Landesregierung will die Denkmalförderung von derzeit 9,3 Millionen Euro ab 2014 auf rund 4 Millionen Euro im Jahr senken. Im Gegenzug sollen ab Oktober 40 Millionen Euro als zinsgünstige Darlehen über die NRW-Bank für religiös, kulturell oder gewerblich genutzte Denkmäler zur Verfügung stehen.

Die Zuschüsse für den Denkmalschutz seien "nie auskömmlich" gewesen und in den vergangenen 20 Jahren "stetig gesunken", sagte Bauminister Michael Groschek (SPD). Mit den neuen Darlehensprogrammen werde die Zahl der möglichen Objekte und zugleich das Fördervolumen "erheblich erhöht".

Die Gewährung von Darlehen werde das Problem nicht lösen, sondern nur in eine langfristige Verschuldung der Kirchengemeinden führen, sagt Engel. Auch der Westfälische Heimatbund, Denkmalschützer, Privatleute und der Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, Wolfgang Kirsch, hatten den Sparkurs bereits heftig kritisiert. Die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer in NRW sind davon besonders betroffen. Etwa die Hälfte ihrer Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz. Von den derzeit 873 Kirchen und Kapellen im Bereich der Evangelischen Landeskirche von Westfalen (EKvW) etwa sind es 459. Im Erzbistum Paderborn gibt es 1.498 Denkmale, etwa 600 davon seien Kirchen, sagte Engel. Er sieht ein gewisses Paradox darin, dass auf der einen Seite Kirchen, die "baulich marode" sind, unter Denkmalschutz gestellt werden, aber andererseits die Förderung gekürzt wird.

Laut Engel gibt das Erzbistum Paderborn knapp 18 Millionen Euro im Jahr für den Erhalt seiner Denkmäler aus. Etwa 70 Prozent der Maßnahmen würden aus Kirchensteuermitteln finanziert. Den Rest müssten die Gemeinden aufbringen. Diese seien zunehmend überfordert und daher auf jeden Euro Landesförderung angewiesen.
"Die Erhaltung von denkmalwerten Kirchen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", so Andreas Duderstedt, Sprecher der EKvW. Weil die Gläubigen fehlten, mussten in der Vergangenheit ohnehin schon etliche Kirchen umgenutzt werden. Bald könnten auch noch Abbruchanträge für Kirchendenkmäler folgen. Die Gesellschaft müsse darüber debattieren, wie viel ihr der Erhalt von Kirchen wert sei, fordert EKvW-Baudirektor Miermeister.