Bielefeld Alex Nimbimanya (31) nimmt zum ersten Mal in der Schüco-Arena Platz

Arminias neuer Fan kommt aus Uganda

Bielefeld. Als der junge Mann zum ersten Mal einen Blick ins schmucke Fußballstadion wirft, leuchten seine Augen. "Die werden mir zu Hause nicht glauben, dass das ein echter Rasen ist. Die werden denken, das ist ein Teppich", sagt er. Der 31-Jährige ist Lehrer an einer Schule in Uganda und zum ersten Mal in Europa. Am Freitagabend wird er das Zweitligaspiel zwischen Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf live verfolgen. Aus den Händen von Klubpräsident Hans-Jürgen Laufer und seines Vorstandskollegen Bernard Kiezewski nimmt Nimbimanya zwei Tickets für die Partie (Anstoß: 18.30 Uhr, Live-Ticker auf nw-news.de) und einen Fanschal entgegen. "Das Stadion ist wirklich schön – und so sauber", sagt der Lehrer, der in der Freizeit selbst auch schon mal das Trikot überstreift, um gegen eine andere Lehrer- oder Schülermannschaft anzutreten, wie er erzählt. "Die Nr. 7" trägt er dann. Doch der Platz hier ist natürlich etwas anderes. Anneke Guilliard nimmt ihn in den Arm. "Ist das nicht toll, wenn man in diesem Alter noch einen Bruder bekommt?", sagt sie strahlend. Am Samstag wird die ebenfalls 31-Jährige kirchlich heiraten. Guilliard ist die jüngste Tochter des langjährigen Bielefelder Schulleiters Heinz-Erich Husemann, der vor vielen Jahren eine Patenschaft für Nimbimanya übernommen hat.Husemann gründete einen Förderverein Über persönliche Kontakte zum Gründer der Schule an Nimbimanyas Wohnort Mbuye im Südwesten Ugandas lernte Husemann die Bildungseinrichtung kennen und gründete einen Förderverein. Dessen Ziel: die Schule zu unterstützen sowie die Lebensbedingungen der Schüler und Lehrer in dem Land zu verbessern, das noch immer zu den ärmsten der Welt zählt. "Wir begleiten als Verein dort zahlreiche Projekte", erzählt Husemann. "Aber die Initiative hierfür muss immer von der Schule ausgehen." 800 bis 900 Schüler und Lehrer leben und arbeiten in der "St. Mathias Mbuye Farm School". Die Jungen und Mädchen bekommen dort eine allgemeine Schulausbildung, anschließend auch Ausbildung in etlichen Berufsfeldern. Dazu gehören Landwirtschaft, Holzberufe, Maurerhandwerk und Nähen. "Ich war total begeistert von dem, was dort geleistet wurde", erzählt Husemann, der die Schule seit 2000 insgesamt sechsmal besucht hat. Bei einem dieser Besuche lernte er den bescheidenen und fleißigen Schüler Nimbimanya kennen. "Den will ich unterstützen", entschied Husemann. Mit seiner Hilfe absolvierte der heute 31-Jährige ein Veterinärstudium.Wer kann, bezahle Schulgeld Die einzige Bitte Husemanns: Er möge der Schule irgendwann etwas zurückgeben.So kam es auch. Heute ist Alex Nimbimanya wieder dort, wo er als Kind gebüffelt hat: Als Lehrer an der Farm School von Mbuye gibt er sein Fachwissen an die jüngere Generation weiter. Zudem ist er in der Farm Chef einer Herde von 600 Rindern. Die Schule finanziert sich übrigens ohne staatliche Zuschüsse, wie Husemann berichtet. Wer kann, bezahle Schulgeld. Ansonsten verkauften die Schülerinnen und Schüler selbstgefertigte Waren wie Möbel oder auch Dienstleistungen an Menschen, die in der Umgebung leben. Das ist das, was Husemann und der im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck ansässige Förderverein der "Mbuye Farm School" unter Nachhaltigkeit verstehen. Auch einige Arminiaspieler wie Bernd Korzyniez oder Rüdiger "Rübe" Kauf unterstützten das Schulprojekt in den Vorjahren bereits, indem sie zum Beispiel Geld für die Modernisierung der Toilettenanlage der Schule sammelten, wie Husemann erzählt. Die Verbundenheit des Zweitligisten zum Projekt in Mbuye lebt also heute sozusagen wieder auf. Die Erwartung Guilliards an ihren Patenbruder ist groß. "Wenn die keine drei Punkte mitbringen, gibt’s morgen nur alkoholfreies Krombacher bei der Hochzeitsfeier", lacht sie. Doch sie ist sicher, dass dieser Fall nicht eintreten wird.

realisiert durch evolver group