KREIS PADERBORN - UPDATE: 10.40 UHR Air Berlin gibt Stützpunkt auf

Größter Kunde am Flughafen schließt Flugzeughalle und Kundenschalter / Von Streik nicht betroffen

29.08.2012 | Stand 29.08.2012, 10:55 Uhr

Kreis Paderborn. Plant der wichtigste Kunde einen Abgang auf Raten? Air Berlin gibt am Flughafen Paderborn-Lippstadt zum Februar 2013 seine Flugzeughalle auf. 14 Mitarbeiter müssen gehen. Die Fluggesellschaft schließt auch ihren Kundenschalter. Air Berlin bleibe aber "ein wichtiger Anbieter von Flügen", sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Bei der Halle handelt es sich um eine 43 Meter breite Flugzeugwerft, in der Air Berlin seit 2004 eigene Mittelstreckenflugzeuge gewartet hat. Anfangs beschäftigte Air Berlin hier mehr als 30 Mitarbeiter, die sich um vier Maschinen kümmerten. Zuletzt arbeiteten hier aber nur noch 18 Angestellte. Höchstens zwei Maschinen waren hier abgestellt. Die Halle im Gewerbepark hatte Air Berlin von der Flughafengesellschaft laut deren Angaben "langfristig gemietet". Nach Informationen der NW wurden die Mitarbeiter durch ihren Arbeitgeber – das Tochterunternehmen Air Berlin Technik – informiert, dass die Werft geschlossen wird. 14 Mitarbeiter sollen gehen, vier bleiben als Rumpfmannschaft, die Maschinen künftig nur noch auf dem Rollfeld warten soll. "Wir sind davon überrascht worden", sagt ein Mitarbeiter. Die strauchelnde Fluggesellschaft fährt derzeit einen rigiden Sparkurs. In den Sommerferien hatte Air Berlin bereits Ferienflüge von Paderborn-Lippstadt aus gestrichen. Die Betroffenheit unter den Kollegen sei groß, sagt der Mitarbeiter. Es laufen bereits Verhandlungen mit der Fluglinie, bestätigt Oliver Müller, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Die Angestellten bekommen demnach Versetzungsangebote an andere Flughäfen. "Ein Umzug stellt Menschen mit Familien vor Probleme", sagt Müller. Womöglich gebe es doch betriebsbedingte Kündigungen mit Abfindungen. Verdi fordert jetzt einen Sozialplan. Auch im Flughafen spart Air Berlin: Der wichtigste Touristikflieger am Standort streicht seinen Kundenschalter. Der Schalter werde von "eigenen Mitarbeitern" weitergeführt, sagt Flughafensprecherin Elke Rawisch de Teran. Dass angeblich auch die Lufthansa ihren Schalter Ende September schließt, will sie nicht kommentieren. Das hatte der Patriot gemeldet. Über die Zukunft der Werfthalle in Büren-Ahden, die in ihrer Größe für Airbus- und Boeing-Maschinen konzipiert wurde, ist am Flughafen nichts zu erfahren. Die Geschäftsführung wolle den Vorgang nicht kommentieren, sagt die Flughafensprecherin. Auch zur Frage, wie Geschäftsführer Elmar Kleinert die zukünftige Zusammenarbeit mit Air Berlin sieht: "keine Stellungnahme". Die Sprecherin des Flughafens, der komplett in öffentlicher Hand ist, verweist in allen Punkten an Air Berlin. Die Fluggesellschaft reagierte gestern um 19.20 Uhr mit einer Stellungnahme. Air Berlin gebe die Halle zum 1. Februar 2013 auf, bestätigt Unternehmenssprecherin Alexandra Bakir. "Das Engagement am Flughafen Paderborn wird durch diese Entscheidung nicht beeinträchtigt", sagt sie. Air Berlin bleibe "ein wichtiger Anbieter von Flügen" in Büren-Ahden. "Auch die Air Berlin Technik soll weiterhin in Paderborn einen Stützpunkt haben und wird weiterhin Flugzeuge warten." Die Fluggesellschaft führte früher in Büren-Ahden fast 70 Prozent der Touristikflüge durch. Der Anteil war zuletzt auf unter 50 Prozent gesunken. Der Flughafen ist von der aktuellen Streikandrohung bei der Lufthansa nicht betroffen. Die Flüge nach München werden von der Tochtergesellschaft Lufthansa City-Line durchgeführt, die nicht in die zur Verhandlung anstehenden Tarifverhandlungen eingebunden ist. Die Verhandlungen für rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa sind zunächst gescheitert.

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