0

BIELEFELD Pfarrer verklagt die Kirche

Ein Interview über die Taufe rief die evangelische Obrigkeit auf den Plan

19.04.2012 | Aktualisiert vor 0 Minuten
Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher. - © FOTO: T. BABIC
Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher. | © FOTO: T. BABIC

Bielefeld (gär). Christen sollten sich eigentlich nicht bekriegen, sondern in Frieden und Eintracht leben. In Bielefeld passiert aber das Gegenteil. Hier liegen Mitglieder der Altstädter Nicolai-Kirchengemeinde in Bielefeld mit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) im Clinch. Die Nicolai-Kirchengemeinde, der etwa 3.000 Christen angehören, fühlt sich vom Landeskirchenamt offenbar unterdrückt. Vor der Verwaltungskammer der EKvW, dem evangelischen "Kirchengericht", kam es Mittwoch deshalb zu zwei Verhandlungen.

Den Anlass für das erste Verfahren hatte Armin Piepenbrink-Rademacher (56) geboten. Er ist seit 16 Jahren Pfarrer der Nicolai-Kirchengemeinde und in Bielefeld durchaus als streitbarer Theologe bekannt, der so schnell kein Blatt vor den Mund nimmt. Piepenbrink-Rademacher hatte sich im November 2010 in einem Fernsehinterview auch zu Fragen der Taufe positioniert. Der Pfarrer wollte dieses Sakrament wieder populärer machen. Personen, die keiner Kirche angehören, könnten als Taufzeugen fungieren, sprach er ins Mikrofon. Zudem machte Piepenbrink-Rademacher einen Brief publik, in dem kritisch auf die Verknappung von personellen und finanziellen Ressourcen durch das Landeskirchenamt hingewiesen wurde.

Dieses Verhalten rief die Obrigkeit auf den Plan. Im Februar 2011 wurde dem Pfarrer vom Dienstherrn eine schriftliche Ermahnung erteilt, weil er angeblich gegen seine Amtspflichten verstoßen habe. Das Landeskirchenamt verwies auf Vorschriften in der EKvW, wonach es keine Taufzeugen, sondern nur Taufpaten gebe – und diese der Kirche angehören müssen.

Es folgten lange Schriftwechsel – am 2. April dieses Jahres nahm das Landeskirchenamt die Ermahnung schließlich zurück und erklärte den Rechtsstreit mit einem Zweizeiler für erledigt. Piepenbrink-Rademacher reichte das aber nicht. Er zog vor das Kirchengericht und verlangte vom Landeskirchenamt noch diverse Klarstellungen, weil er sich in seiner Meinungsfreiheit beschränkt sieht und nun "in Ungewissheit" darüber sei, was er dürfe und was nicht. Professor Harald Weber, der die Interessen des Pfarrers vertrat, verwies darauf, das sogar die Evangelische Kirche in Deutschland sich für eine Taufzeugenschaft ausgesprochen habe – sein Mandant also nichts Unrechtes gesagt habe.

Kirchenoberrechtsrat Dirk Heuing verwies hingegen auf die Taufordnung der EKvW, die von der Synode beschlossen worden und daher für den Pfarrer Piepenbrink-Rademacher verbindlich sei. Das Kirchengericht erklärte, es sei "für die Überprüfung theologischer Fragen in einem dienstrechtlichen Verfahren nicht zuständig" – und wies die Anträge von Piepenbrink-Rademacher zurück. Ein zweites Verfahren, das von der Nicolai-Kirchengemeinde gegen das Landeskirchenamt wegen der Aufhebung einer Pfarrstelle angestrengt worden war, setzte das Gericht aus. Zuvor hatte es signalisiert, dass das Landeskirchenamt hier eine "defizitäre Ermessensentscheidung" getroffen habe. Beide Seiten wollen nun versuchen, sich außergerichtlich zu einigen.