0

WERTHER Mörder aus Werther beharrt auf Sorgerecht

Bedil A. (36) erstach seine Ehefrau / Familiengericht muss über den Verbleib der drei Töchter entscheiden

18.02.2012 | Stand 21.02.2012, 12:58 Uhr |

Werther. Es war eine grauenhafte Bluttat. Der kurdische Jeside Bedil A. (36) tötete am 3. Februar seine Ehefrau Fauzia (31) in Werther-Theenhausen (Kreis Gütersloh) mit zahlreichen Messerstichen. Anschließend rief der Täter die Polizei an und gestand am Telefon sein Verbrechen. Bedil A. sitzt in Bielefeld in Untersuchungshaft. Obwohl er eine lange Haftstrafe zu erwarten hat, will er das Sorgerecht für seine drei Töchter behalten, die 10, 13 und 15 Jahre alt sind. Nach Informationen der Neuen Westfälischen wird darüber am kommenden Dienstag vor einem Familiengericht in Halle gestritten. Das Kreisjugendamt in Gütersloh möchte auf keinen Fall, dass das Sorgerecht und das Aufenthaltsbestimmungsrecht weiter bei dem mutmaßlichen Mörder verbleibt, und will es ihm entziehen lassen. Nach Angaben der Bielefelder Rechtsanwältin Anke Woehler, die die Interessen von Bedil A. in dem Familienrechtsstreit vertritt, hat die Gütersloher Behörde einen entsprechenden Antrag gestellt. Das Kreisjugendamt selbst wollte sich zu der heiklen Angelegenheit im Vorfeld nicht öffentlich äußern. Auch ein Sprecher des Amtsgerichts in Halle hielt sich sehr bedeckt. Familienrechtsstreitigkeiten seien "nicht öffentlich", sagte er.Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen bei Gericht Am Haller Amtsgericht herrscht jedenfalls die große Sorge, dass es bei dem Termin zu weiteren Übergriffen zwischen jesidischen Familien kommen könnte. Deshalb werden von der Justiz und Polizei erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wenn Bedil A. am Dienstag angehört wird. Zwischen Bedil A. und seiner Ehefrau Fauzia hatte es heftige Auseinandersetzungen gegeben. Das spätere Opfer hatte drei Tage vor der Bluttat die Polizei gerufen, weil sie von ihrem Ehemann verprügelt worden war. Bedil A. wurde daraufhin für zehn Tage aus der Wohnung gewiesen, aber er hielt sich nicht an dieses Verbot. Möglicherweise wurde Fauzia A. getötet, eben weil sie die Polizei zu Hilfe gerufen hat. Vermutlich fühlte sich Bedil A. in seiner Ehre gekränkt. Bedil A. tötete seine Ehefrau offenbar direkt vor den Augen seiner ältesten Tochter. "Wir müssen davon ausgehen, dass das 15-jährige Mädchen Zeugin des Verbrechens war", sagt Ralf Östermann, Leiter der Bielefelder Mordkommission.Beschuldigter pocht auf jesidisches Vorgehen Nach der Festnahme von Bedil A. wurden die drei minderjährigen Töchter nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst kurzfristig vom Kreisjugendamt in Obhut genommen und anschließend bei Verwandten der getöteten Mutter untergebracht. Bedil A. ist mit dieser Lösung offenbar unzufrieden. Nach Angaben von Experten ist es im jesidischen Kulturkreis üblich, dass Kinder den Angehörigen der Vaterfamilie zugesprochen werden, wenn die Mutter zu Tode gekommen ist. Bedil A. will deshalb unbedingt ein Mitspracherecht über den zukünftigen Aufenthaltsort seiner Kinder behalten. In Bezug auf die wahren Hintergründe des Verbrechens an Fauzia A. sind die Ermittler nach Angaben des Bielefelder Oberstaatsanwalts Christoph Mackel bislang auf eine "Mauer des Schweigens" gestoßen. Der Beschuldigte sitzt in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede. Er will sich nach Angaben seines Anwalts Detlev Binder vorerst nicht weiter zur Sache einlassen.

realisiert durch evolver group