Museumsleiter Michael Strauß kletterte gestern auf den Rücken der sechs Meter langen Wespe in der Ausstellung. Für das rund 500 Kilo schwere Modell des Insekts kein Problem. Die überdimensionalen Exponate sind aus mit Glasfaser verstärktem Kunstharz gefertigt. - © FOTOS: DUNKEL
Museumsleiter Michael Strauß kletterte gestern auf den Rücken der sechs Meter langen Wespe in der Ausstellung. Für das rund 500 Kilo schwere Modell des Insekts kein Problem. Die überdimensionalen Exponate sind aus mit Glasfaser verstärktem Kunstharz gefertigt. | © FOTOS: DUNKEL

BÜNDE Tierisch guter Start für Dobergmuseum

Insektenaustellung zur Eröffnung

Bünde. Paul steht vor der Gottesanbeterin und staunt. Den Kopf in den Nacken gelegt, schaut er zum riesigen Kopf des Tieres. So große Fühler habe er noch nie gesehen. "Wahnsinn", sagt der Neunjährige und schlendert weiter zum Mistkäfer. Paul ist einer der ersten Besucher, die gestern das neue Dobergmuseum erkundet haben. Für großes Staunen sorgte vor allem die Insekten-Ausstellung. Aber auch das Wiedersehen einer alten Freundin war ein Highlight. Zwei Tage vor Weihnachten ein Museum zu eröffnen, ist gewagt. Doch die Bünder nahmen sich Zeit für ihre berühmteste Bewohnerin. Die Seekuh ist der heimliche Star der geologischen Ausstellung. Zwischen Einkaufsstress und Weihnachtsvorbereitungen kamen die Besucher schon tagsüber ins Museum, erforschten die Erdgeschichte und schauten bei der zahnlosen Dame vorbei, die immerhin 30 Millionen Jahre auf dem Buckel hat. Abends erschien die lokale Prominenz zum offiziellen Empfang. Mit Sekt stieß Museumsleiter Michael Strauß auf den Neubeginn an. Nach zwei Jahren der Umbauphase und noch längerer Zeit der politischen Auseinandersetzung über Sinn oder Sinnlosigkeit des Museums war ihm die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Eigentlich hatte er sich angesichts der drohenden Verzögerung der Neueröffnung schon einen passenden Satz zurechtgelegt: "Gestern standen wir am Rand des Abgrunds, heute sind wir schon ein Schritt weiter".Lob von allen Seiten Diese Worte musste Strauß glücklicherweise nicht ernsthaft bemühen. Die Eröffnung der neuen lichtdurchfluteten Räume lief reibungslos. So beließ es der Museumsleiter dabei, sich für die lobenden Worte des Bürgermeisters zu bedanken, der Strauß eine "beeindruckende Arbeit" attestierte. Landrat Christian Manz, der als Kind im Doberg fleißig Steine geschürft habe, bezeichnete das Museum als Symbiose zwischen der Stadt Bünde und dem Kreis. Der Tag der Eröffnung bedeute endlich einen Schlussstrich unter den politischen Querelen der letzten Jahre. Von diesen ahnt Paul nichts. Dafür kennt er das geologische Museum wie seine Westentasche. Fünf Mal war er schon hier und noch immer ist er fasziniert vom scheinbar schwebenden Skelett der Seekuh, das von einem wuchtigen Glaskasten geschützt im Keller zu bestaunen ist. Die Seekuh lebte in einem urzeitlichen Meer, das damals Ostwestfalen-Lippe bedeckte. Vor 100 Jahren entdeckten Arbeiter ihr Skelett in einer Mergelgrube am Doberg. Es gehört bis heute zu den bedeutendsten geologischen Funden nördlich der Alpen. An keinem anderen Ort der Welt sind Fossilien und Erdschichten aus der Zeit vor rund 30 Millionen Jahren so genau erhalten geblieben wie in Bünde. Nicht so alt, dafür aber groß und gewaltig kommen Floh, Mistkäfer, Wespe und Gottesanbeterin daher. Die Insektenmodelle wiegen bis zu 500 Kilogramm und sind knapp vier Meter lang. Deutlich kleiner, dafür aber für Erwachsene umso spannender sind ihre lebendigen Genossen, die in kleinen Terrarien ihren Leidenschaften frönen. Etwa die Fauchschabe, die einen ganzen Apfel verdrücken kann oder die australische Gespensterschrecke, die wie ein trockenes Blatt vom Ast hängt.

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